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Zöliakie

22.06.2017

Glutenunverträglichkeit kann schon im Babyalter ausgelöst werden

Forscher haben festgestellt, dass Infektionen im Babyalter in Zusammenhang mit einer späteren Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) stehen können.
Bild: Peter Endig (dpa Archiv)

Wer unter Zöliakie leidet, dessen Körper kann Gluten nicht verarbeiten. Diese Unverträglichkeit und andere Leiden könnten bereits im Babyalter begünstigt werden, schreiben Forscher.

Lebensmittel ohne Gluten sind im Trend, dabei sind sie nur für Menschen mit Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) gesund. Infektionen im Babyalter erhöhen Forschern zufolge das Risiko für eine spätere Glutenunverträglichkeit. Vor allem wiederholte Magen-Darm-Erkrankungen im ersten Lebensjahr können das Risiko für eine Zöliakie fördern, wie das Institut für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München am Dienstag mitteilte.

Zöliakie: Infektionen beeinträchtigen Magen-Darm-Trakt

Menschen mit Zöliakie vertragen das Klebereiweiß Gluten nicht, das in den meisten Getreidesorten wie Weizen, Dinkel und Roggen vorkommt. Sie müssen daher bestimmte Lebensmittel meiden. Die Glutenunverträglichkeit kann einer neuen Studie zufolge schon im Babyalter begünstigt werden. Die Wissenschaftler werteten dafür Datensätze der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns von mehr als 295.000 Kindern aus, die in den Jahren 2005 bis 2007 geboren wurden.

Zunächst hatten die Forscher bereits einen Zusammenhang zwischen Infektionen im frühen Kindesalter und der Entstehung von Typ-1-Diabetes nachgewiesen. Das höchste Erkrankungsrisiko beobachteten sie bei Kindern mit wiederholten Atemwegsinfektionen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate. Das Risiko, an einer Zöliakie zu erkranken, war hingegen besonders hoch, wenn Kinder im ersten Lebensjahr Infektionen des Magen-Darm-Trakts hatten.

Insgesamt entwickelten 853 Kinder der Studie eine Glutenunverträglichkeit - ein Anteil von 0,3 Prozent. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "American Journal of Epidemiology" veröffentlicht.

Glutenfreie Ernährung ist ohne Unverträglichkeit sinnlos

Wissenschaftler der Universitäten Harvard und Columbia haben Ernährungs- und Gesundheitsdaten von rund 110.000 Amerikanern gesammelt. Das Ergebnis: Eine glutenfreie Ernährung kann Nachteile mit sich bringen. Gefährlich ist Gluten nur für Menschen, die an Zöliakie leiden, also einer angeborenen Glutenunverträglichkeit. Zudem gibt es Menschen, die von einer Weizenallergie oder Gluten-Sensitivität betroffen sind. Auch sie sind aus gesundheitlichen Gründen gezwungen, sich glutenfrei zu ernähren.

Eine glutenfreie Ernährung ohne Zöliakie-Hintergrund bringt jedoch keine gesundheitlichen Vorteile, wie eine neue US-Studie zeigt, die im "British Medical Journal" veröffentlicht wurde. Tatsächlich könnte sich der Verzicht auf Gluten sogar nachteilig auf die Gesundheit auswirken: Denn parallel zu Gluten reduzieren viele Menschen auch ihren Vollkornkonsum, der das Herz zu schützen scheint. afp/sh

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