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Große Wachsmotte
18.05.2017

Raupe frisst Plastik - das Müllproblem wird sie aber nicht lösen

Die Larve der Wachsmotte frisst Plastik.
Foto: Bertocchini/Bombelli/Howe, dpa

Forscher entdecken eine Raupe, die innerhalb kürzester Zeit Kunststoff vertilgt. Das Müllproblem wird sie aber nicht lösen. Wissenschaftler hoffen auf andere Methoden.

Ein Jubelschrei ging jüngst durch die Welt der Wissenschaft. Der Anlass: Die italienische Forscherin Frederica Bertocchini hatte entdeckt, dass eine Raupenart, die Larve der Großen Wachsmotte, Plastik auffrisst. Und das mit hoher Geschwindigkeit – 100 Raupen fressen in zwölf Stunden 92 Milligramm einer Einkaufstüte. Die Entdeckung wird als möglicher Durchbruch gefeiert, um das Kunststoff-Müllproblem der Welt zu lösen. Doch ist sie wirklich die Lösung?

Große Wachsmotte verdaut und zerlegt Kunststoff

Eines ist sicher: Die Raupen sind für Forscher zumindest sehr interessant. Denn die Larven zerkleinern Kunststoff nicht nur, sondern verdauen und zerlegen ihn in seine chemischen Bestandteile. Das Müll-Problem der Industrienationen werden sie aber nicht lösen, sagt Biochemiker Thomas Brück von der Technischen Universität München: „Die größten Probleme verursachen Kunststoffe im Ozean. Dort ist es kaum möglich, die Raupen einzusetzen.“ Zudem können die Tierchen nicht jede Art von Kunststoff verdauen – lediglich PE, die etwa für Verpackungen und Plastikflaschen verwendet werden.

Seit Jahren weisen Wissenschaftler auf die Probleme von Müll in den Meeren hin. Abfallprodukte schaden Tieren und Pflanzen im Wasser im großen Maßstab. Experten sind nicht sicher, wie viel Müll in den Meeren treibt. Das Umweltbundesamt schätzte die Menge im Jahr 2013 auf 100 bis 150 Millionen Tonnen. Den Ursprung haben die Abfälle in den klassischen Industrienationen. Brück zufolge sind aber Länder wie China und Indien heute die größten Verursacher.

Thomas Brück forscht mit Kollegen an Möglichkeiten, die Kunststoffbelastung in der Umwelt und besonders den Ozeanen zu reduzieren. Dabei setzen die Forscher auf natürlich abbaubare Kunststoffe. Diese werden auf Basis von Buttersäure-Varianten, Bernsteinsäure oder Stärke hergestellt. „Wenn sie weggeworfen werden, zersetzen sich die Materialien in ein paar Wochen“, sagt der Wissenschaftler. Solche Kunststoffe kommen bereits bei Verpackungen zum Einsatz. Brück zufolge sind diese etwa in Italien inzwischen weit verbreitet. In Deutschland hingegen setze die Industrie kaum auf solche Materialien – weil Deutschland kein größeres Problem mit Kunststoffen habe: „Unser Land ist absolut vorbildlich, wenn es um Recycling geht. In Deutschland gelangt kaum Kunststoff in die Umwelt.“ Dieser werde entweder neu aufbereitet oder verbrannt, um Energie zu erzeugen.

Millionen Tonnen Müll schwimmen in den Weltmeeren. Sowohl im Wasser als auch an den Stränden, wie hier im Senegal, verursachen Kunststoffabfälle gravierende Umweltschäden.
Foto: Bertocchini/Bombelli/Howe, dpa

Genetisch optimierte Bakterien gegen den Müll

Brück kann sich jedoch vorstellen, dass Kleinstlebewesen den Müll im Ozean reduzieren werden. Er denkt, dass beispielsweise genetisch optimierte Bakterien Kunststoffe im großen Maß zersetzen könnten. Der Vorteil dieser Lebensformen sei, dass sie sich an extreme Umweltbedingungen anpassen können – und damit auch in den Ozeanen Müll zersetzen könnten. Allerdings muss ein solches Vorgehen gut geplant werden. „Die Auswirkung von genmanipulierten Lebewesen in einem komplexen Ökosystem wie einem Ozean ist bisher nicht ansatzweise erforscht. Hier ist es denkbar, dass beispielsweise die Endprodukte des biologischen Kunststoffabbaus nicht umweltverträglich sind“, sagt Brück. All diese Faktoren müssten Forscher genau berücksichtigen, bevor sie einen Versuch in diese Richtung starten.

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