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Krebs

23.06.2017

Großes Geschäft: Krebsmedikamente in Deutschland werden immer teurer

Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Arzneimittelreport werden Krebsmedikamente immer teurer.
Bild: Matthias Hiekel/Symbol (dpa)

Krebsmedikamente und sind laut einem Arzneimittelreport der Barmer-Krankenkasse vor allem in Deutschland sehr teuer. Die Pharmakonzerne stehen deshalb in der Kritik.

Krebsmedikamente werden seit Jahren immer teurer - und damit steigen auch die Ausgaben der Krankenkassen. Hätten die Arzneimittelkosten für eine typische Chemotherapie in den 90-er Jahren umgerechnet noch bei wenigen Tausend Euro gelegen, so seien es zehn Jahre später einige Zehntausend Euro gewesen, so Barmer-Vorstandschef Christoph Straub. "Heute erreichen die Kosten in vielen Fällen eine Größenordnung von Hunderttausend Euro und mehr", sagte Staub zur Finanzierung von Krebsmedikamenten.

Deutschland zahlt Höchstpreise für Krebsmedikamente

Verglichen mit vielen anderen Ländern würden in Deutschland Höchstpreise für Krebsmedikamente gezahlt, heißt es in dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Arzneimittelreport der Barmer-Krankenkasse. Beim Kostenvergleich von 31 Krebsarzneimitteln in Europa, Australien und Neuseeland liegen die Preise in Deutschland demnach in 90 Prozent der Fälle über dem Durchschnitt.

Dem Report zufolge kosten acht der 31 Krebsmedikamente in Deutschland sogar am meisten. Die Ausgaben für onkologische Arzneimittel bei der Versorgung von Barmer-Versicherten stiegen demnach seit dem Jahr 2011 um 41 Prozent. Sie überträfen damit deutlich die Kostensteigerung für alle anderen Arzneimittel ohne Rezepturen, die um 20 Prozent wuchsen. Allein fünf der zehn Medikamente mit der aktuell größten Umsatzsteigerung dienten der Behandlung von Tumorerkrankungen.

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Teure Krebsmedikamente durch höhere Herstellerpreise

Dieser Trend lässt sich der Barmer zufolge nicht durch eine größere Zahl betroffener Patienten erklären, denn darauf entfielen seit 2011 lediglich acht Prozent der Kostensteigerung. Vielmehr fielen hier die höheren Herstellerpreise ins Gewicht.

"Auch bei onkologischen Arzneimitteln, so segensreich viele von ihnen wirken, sind faire Preise wichtig", erklärte Straub. Er forderte, nicht nur auf die frühe Nutzenbewertung zu setzen, sondern die Medikamente nach fünf Jahren erneut auf ihren Nutzen zu überprüfen. Dazu gehöre dann auch eine neue Preisverhandlung mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen.

Studienautor Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken erklärte, die Pharmafirmen hätten offenbar ein großes Interesse daran, Krebsmittel als sogenannte Orphan Drugs zuzulassen. "Um eine solche Zulassung zu erhalten, müssen weniger Belege über Nutzen und Sicherheit des Arzneimittels vorgelegt werden", sagte Grandt. Orphan Drugs sind Medikamente zur Behandlung seltener Erkrankungen.

Krebsmedikamente: Arzneimittelausgaben für Krankenkassen steigen

Insgesamt stiegen die Arzneimittelausgaben für Barmer-Versicherte im vergangenen Jahr pro Kopf um 3,5 Prozent, was vor allem auf Mehrverordnungen und weniger auf eine Steigerung der durchschnittlichen Arzneimittelkosten zurückging. Umsatzspitzenreiter war demnach der Wirkstoff Adalilumab, ein Medikament gegen rheumatoide Arthritis und chronische entzündliche Darmerkrankungen. Es folgten ein Blutverdünner mit dem Wirkstoff Rivaroxaban und der zur Behandlung verschiedener Krebsformen eingesetzte Wirkstoff Bevacizumab. afp, AZ

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