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Gesundheit

29.06.2019

Hitzewellen können für ältere Menschen zum tödlichen Risiko werden

Seit dem Jahr 2000 setzten mehrere extreme Hitzewellen den Menschen in Deutschland zu. Besonders für ältere Menschen sind anhaltend hohe Temperaturen eine Gefahr.
Bild: Franco Sivi, epa (Symbol)

Seit dem Jahr 2000 setzten mehrere extreme Hitzewellen den Menschen in Deutschland zu. Besonders für ältere Menschen sind anhaltend hohe Temperaturen eine Gefahr.

"Ich sterbe vor Hitze." Das ist leicht gesagt in diesen Tagen, auch wenn man sich nur verschwitzt-schlapp fühlt. Vor allem für ältere Menschen sind Hitzewellen aber tatsächlich ein tödliches Risiko. Studien zeigen, dass solche Perioden in den vergangenen Jahren in Deutschland für Tausende Todesfälle gesorgt haben. Mit geschätzt 7600 Toten sei die Hitzewelle 2003 die folgenschwerste im Zeitraum 2001 bis 2015 gewesen, berichteten kürzlich Wissenschaftler im Bundesgesundheitsblatt. Für den Sommer 2018 liegen noch keine bundesweiten Auswertungen vor - allein für Berlin gehen Experten aber von etwa 490 Todesfällen aus.

In den Hitze-Sommern 2006 und 2015 starben den Berechnungen zufolge im ganzen Land rund 6200 beziehungsweise 6100 Menschen aus dem Grund. Mitautor Matthias an der Heiden vom Robert Koch-Institut in Berlin sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Man sieht, dass vor allem in den Altersgruppen 75 bis 84 und über 85 Jahren ein besonderes Risiko besteht." Mit einer aktuellen Zunahme der Todesfälle in Deutschland wegen der Juni-Hitze sei zu rechnen.

Ab mehreren Hitzetagen in Folge kann es gefährlich werden

Bei mehreren Arten von Erkrankungen verschlimmern sich die Symptome bei hohen Temperaturen, dazu zählen etwa Atemwegserkrankungen. Betroffen sind dem Experten zufolge aber nicht nur Menschen mit Grunderkrankungen: Hitze belaste generell das Herz-Kreislaufsystem - der Körper muss die eigene Temperatur konstant halten.

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Häufig lägen die Gründe für einen Hitzetod in einer fehlenden Anpassungsfähigkeit des Körpers, sagte der Charité-Arzt Christian Witt kürzlich dem Tagesspiegel. "Ältere Menschen können sich nicht mehr so gut an Wärme und Extremwetterlagen adaptieren wie junge Leute."

Einzelne heiße Tage stellen den Analysen zufolge weniger ein tödliches Risiko dar - gefährlich werde es ab mehreren Hitzetagen in Folge, erläutert an der Heiden. Ab Wochenmitteltemperaturen von 20 Grad, Tages- und Nachtwerte einberechnet, würden systematisch mehr Todesfälle beobachtet. Derart warme Wochen seien in den vergangenen Jahrzehnten deutlich häufiger beobachtet worden, heißt es in der Studie. Der Trend werde sich vermutlich im Zuge der Klimaerwärmung fortsetzen "und eventuell noch verschärfen".

Hitze macht älteren Menschen zu schaffen - Gebäude heizen sich zunehmend auf

Mit länger andauernder Hitze werde es immer schwieriger, sich zum Schutz vor der Hitze in Gebäude zurückzuziehen, weil diese sich zunehmend aufheizen, sagte an der Heiden. "Gerade Menschen, die nicht so flexibel sind, zum Beispiel bettlägerig - die sind teils noch stärker gefährdet." Wichtig sei, dass nicht mehr handlungsfähige Menschen genug Unterstützung bekämen: Dass man ihnen Getränke bringt oder für Erfrischung sorgt, indem man Hände oder Füße in kühles Wasser legt, so der Wissenschaftler. Zu den Empfehlungen zählten auch vermeintlich naheliegende Dinge wie ausreichendes Trinken.

Wieso muss die Zahl der Hitzetoten überhaupt geschätzt werden? Wie Matthias an der Heiden erklärt, können Ärzte zwar Hitze als Todesursache angeben, tatsächlich werde das aber nur sehr selten gemacht. Die Wissenschaftler analysieren deshalb die Sterbezahlen mit Blick auf Tage, an denen deutlich mehr Menschen sterben als üblich. Mittels eines mathematischen Modells suchen sie systematisch nach Zusammenhängen zwischen hohen Temperaturen und erhöhten Sterbezahlen.

Wie es im Bundesgesundheitsblatt heißt, traten sechs der elf extremsten Hitzewellen im Zeitraum 1950 bis 2015 nach dem Jahr 2000 auf. Eine einheitliche Definition, ab welcher Dauer von einer Hitzewelle gesprochen wird, gebe es nicht. Um die Schwere zu beurteilen, gälten hitzebedingte Todesfälle als wichtige Größe. (dpa)

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