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Gehirnforschung

28.04.2019

"Ich war schneller!" Menschen nehmen eigene Reaktion zuerst wahr

DBB-Spieler Ismet Akpinar (links) und Israeli Bar Timor im Zweikampf: Gehirnforscher haben herausgefunden, dass Menschen im Zweikampf häufig glauben, sie hätten zuerst reagiert.
Bild: Berney Ardov (dpa)

Handeln zwei Menschen gleichzeitig, glauben beide, zuerst reagiert zu haben. Das haben Forscher herausgefunden. Ihre Studie soll im Sport für Toleranz sorgen.

Bei fast gleichzeitigen Aktionen glauben Menschen häufig, sie hätten zuerst reagiert. Ursache kann ein spezielles Wahrnehmungsproblem sein, legt eine US-amerikanische Studie nahe.

Dieses könne - neben taktischen Erwägungen - zum Beispiel ein Grund dafür sein, dass nach Zweikämpfen im Fußball oder Basketball beide Spieler den Einwurf fordern. 

Die Psychologen Ty Tang und Michael McBeath von der Arizona State University berichten im Fachmagazin Science Advances, es könne durchaus sein, dass im Streit um einen Einwurf beide Spieler ehrlich glauben, sie hätten den Ball vor dem Gegner berührt.

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Bei Tests, in denen zwei sich gegenüber sitzende Teilnehmer gleichzeitig reagierten, behaupteten demnach durchschnittlich 67 Prozent, sie selbst seien schneller gewesen.

Das Gehirn nimmt die eigene Reaktion zuerst wahr

Die Forscher gehen davon aus, dass das Gehirn die eigene Reaktion zuerst wahrnimmt und dann erst das externe Handeln. Das Phänomen nennen die Psychologen "egozentrische Zeitordnung". Das Gehirn sehe unsere Handlungen und Wahrnehmungen immer vorher, erklärt McBeath.

"Menschen können deshalb ihre eigenen Handlungen nahezu in Echtzeit wahrnehmen, zum Beispiel wenn sie einen Baseball fangen oder wegschlagen. Aber wir brauchen etwas mehr Zeit, um etwas Unerwartetes zu verarbeiten, zum Beispiel wenn uns jemand überraschend auf die Schulter klopft."

Das Gehirn verhalte sich "parteiisch", so die Forscher. Sie glauben, dass die Studie für mehr Akzeptanz bei der unterschiedlichen Bewertung von Situationen - zum Beispiel im Sport - sorgen könnte. (dpa)

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