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Impf-Empfehlungen

07.05.2019

Impfen und auffrischen: Alle Impfungen in Deutschland im Überblick

Damit Patienten nicht den Überblick über die verschiedenen Schutzimpfungen verlieren, gibt die sogenannte Ständige Impfkommission (STIKO) Impfempfehlungen heraus.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbol)

In Deutschland gibt es zahlreiche Schutzimpfungen, mit denen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene gegen Krankheiten schützen können. Eine Übersicht.

Ein kleiner Stich, ein Vermerk im Impfpass, ein Pflaster auf die Wunde. Sich gegen ansteckende und lebensbedrohliche Krankheiten mit einer Impfung schützen zu lassen, geht schnell, tut nicht sehr weh und verläuft für viele Menschen ohne Nebenwirkungen. Damit Patienten nicht den Überblick über die verschiedenen Schutzimpfungen verlieren, gibt die sogenannte Ständige Impfkommission (STIKO) Impf-Empfehlungen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene heraus.

Welche Impfungen sind besonders wichtig?

Die STIKO ist ein unabhängiges Expertengremium, das vom Bundesministerium für Gesundheit berufen ist. Die Experten wägen ab, welche Impfungen einen hohen Wert für den Einzelnen und ebenso für die Gesellschaft haben, um übertragbaren Krankheiten vorzubeugen.

In Deutschland werden Schutzimpfungen immer häufiger von Patienten in Anspruch genommen. Das belegen Zahlen, die zeigen, dass die Impfquoten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Trotzdem gibt es laut Bundesministerium für Gesundheit bei einigen Krankheiten auch Defizite, zum Beispiel bei Keuchhusten, Hepatitis B und den zweiten Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln. Speziell bei dieser Kombi-Impfung haben auch viele Jugendliche und Erwachsene nur einen unzureichenden Impfschutz. Speziell bei Masern liegt die Quote noch unterhalb der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation.

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Impfschutz: Eine Übersicht über alle in Deutschland verfügbaren Impfungen

Die STIKO unterscheidet in ihren Empfehlungen in verschiedene Kategorien wie Alters- und Risikogruppen. Hier finden Sie eine Übersicht über alle Schutzimpfungen, sortiert nach Krankheit:

Diphtherie: Eine Infektionskrankheit, die sich über Bakterien verbreitet und weltweit vorkommt. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfeninfektion bei Niesen und Husten. Diphtherie befällt die Mandeln sowie den Nasen-Rachen-Raum und den Kehlkopf und kann zu blutigem Ausfluss aus der Nase, Fieber, starken Halsschmerzen und Schluckbeschwerden führen. Es besteht die Gefahr für schwerwiegende Komplikationen, verursacht von lebensbedrohlichen Schwellungen der Halsweichteile inklusive der Lymphknoten und des Kehlkopfs. Es kann zu Erstickungsanfällen kommen.

Die STIKO empfiehlt die erste Teilimpfung für Säuglinge mit zwei Monaten. Die nächsten Teilimpfungen erfolgen im dritten und im vierten Monat. Die letzte Impfung wird im Alter zwischen elf und 14 Monaten gespritzt. Ab fünf bis sechs Jahren empfiehlt die STIKO die erste Auffrischung, zwischen neun und 14 Jahren dann die zweite Auffrischung. Ab dem 18. Lebensjahr soll die Impfung alle zehn Jahre erfolgen.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): FSME wird über Viren übertragen. Menschen können sich anstecken, wenn sie von einer Zecke gestochen werden. Im schlimmsten Fall kann FSME eine Hirnhautentzündung mit Fieber und Lähmungen auslösen. Eine Impfung wird von der STIKO für Menschen empfohlen, die sich in einem FSME-Risikogebiet aufhalten und viel in der Natur unterwegs sind. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Impfung für Einwohner von Risikogebieten.

Eine Impfung wird von der STIKO für Menschen empfohlen, die sich in einem FSME-Risikogebiet aufhalten und viel in der Natur unterwegs sind.
Bild: Patrick Pleul (dpa)

Haemophilus influenzae Typ b (Hib): Hib ist vor allem für Kleinkinder bis zu fünf Jahren gefährlich. Die Keime verursachen bei Kindern in diesem Alter eine besonders schwere Form der Hirnhautentzündung. Sie können außerdem zu einer Lungenentzündung, Blutvergiftung und Herzmuskelentzündung führen. Säuglinge sollten die Schutzimpfung in Teilimpfungen im Alter von zwei, drei und vier Monaten erhalten sowie im Alter von elf bis vierzehn Monaten.

Hepatitis A und B: Bei Hepatitis A spricht man von der Reisehepatitis, da sie in Deutschland so gut wie nicht vorkommt und sich Menschen vor allem im Ausland damit infizieren. Hepatitis B ist eine Leberentzündung, die durch das Virus HBV übetragen wird. Sie ist leicht übertragbar, beim Sex sowie durch verunreinigte Spritzen. Die Infektion kann chronisch werden. Säuglinge sollten die Schutzimpfung in Teilimpfungen im Alter von zwei, drei und vier Monaten erhalten sowie im Alter von elf bis vierzehn Monaten. Eine Auffrischung wird derzeit nur für bestimmte Risikogruppen empfohlen.

Herpes zoster (Gürtelrose): Gürtelrose entsteht durch eine Aktivierung des Varicella-Zoster-Virus, dem Erreger der Windpocken. Die Erkrankung kann daher nur bei Menschen auftreten, die bereits Windpocken hatten. Gürtelrose ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die vom Virus befallen sind. Gefährdet sind hauptsächlich Erwachsene ab 60 Jahren. Die STIKO empfiehlt eine Impfung für alle Erwachsenen ab 50 Jahren, die eine Immunschwäche haben oder an einer chronischen Erkrankung leiden, und für alle Erwachsenen ab 60 Jahren.

Humane Papillomviren (HPV): Die Viren gelten als Auslöser von HPV-bedingten Krebsarten, zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs oder bösartigen Tumoren an den Geschlechtsorganen. Die STIKO empfiehlt einen Impfschutz für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren.

Influenza (Grippe): In Deutschland erkranken jedes Jahr Tausende Menschen an der Influenza. Die Viren lösen bei Infizierten Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen aus. Als häufigste Komplikation tritt die Lungenentzündung auf, die im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Impfen lassen sollten sich der Empfehlung zufolge vor allem Menschen, die an chronischen Krankheiten, Diabetes und Immundefekten leiden, sowie Schwangere und Erwachsene ab 60 Jahren.

Masern: Das Masernvirus breitet sich derzeit in Deutschland immer weiter aus und ist hochansteckend. Im schlimmsten Fall führen Masern zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen. Die STIKO empfiehlt gegen Masern den Kombinationsimpfstoff Mumps-Masern-Röteln im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung U6 im Alter von elf bis 14 Monaten. Damit der Schutz aktiv wird, ist eine zweite Impfung bis spätestens Ende des zweiten Lebensjahres erforderlich. Wenn Kinder in eine Krippe oder Kindertagesstätte aufgenommen werden sollen, können Kinder auch bereits ab neun Monaten geimpft werden. Für Erwachsene, die nach 1970 geboren sind, oder bei denen der Impfstatus unklar ist, empfiehlt die STIKO eine Auffrischung - vor allem dann, wenn sie die Masern selbst nicht durchgemacht haben, da sie dann nicht immun gegen den Erreger sind. Eine Impfpflicht gegen Masern ist derzeit umstritten.

Wenn der Impfpass verschwindet, kann unter Umständen der Hausarzt Auskunft über vergangenen Impfungen geben. Ansonsten musst nachgeimpft werden.
Bild: Sophia Kembowski (dpa)

Meningokokken C: Ein Bakterium, das Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen auslösen kann. Kinder ab zwölf Monaten werden mit einer Grundimmunisierung geimpft. Die Impfung kann jederzeit nachgeholt werden. Eine Dosis reicht zum Aufbau eines Abwehrschutzes aus.

Mumps (Ziegenpeter): Eine Virusinfektion, die die Speicheldrüsen und andere Organe befällt. Bei bis zu zehn Prozent der Erkrankten kann eine Hirnhautentzündung dazukommen. Die STIKO empfiehlt gegen Masern den Kombinationsimpfstoff Mumps-Masern-Röteln im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung U6 im Alter von elf bis 14 Monaten. Damit der Schutz aktiv wird, ist eine zweite Impfung bis spätestens Ende des zweiten Lebensjahres erforderlich.

Pertussis (Keuchhusten): Die Bakterien Bordatella pertussis sind Auslöser für die Infektionskrankheit, die die Atemwege befällt und sich über Tröpfcheninfektion bei Niesen oder Husten verbreitet. Keuchhusten ist besonders für Säuglinge gefährlich. Die STIKO empfiehlt die erste Teilimpfung für Säuglinge mit zwei Monaten. Die nächsten Teilimpfungen erfolgen im dritten und im vierten Monat. Die letzte Impfung wird im Alter zwischen elf und 14 Monaten gespritzt. Ab fünf bis sechs Jahren empfiehlt die STIKO die erste Auffrischung, zwischen neun und 14 Jahren dann die zweite. Ab dem 18. Lebensjahr soll die Impfung alle zehn Jahre erfolgen.

Pneumokokken: Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Erkrankungen wie Lungenentzündung, Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung verursachen können und oftmals bleibende Schäden hinterlassen. Vor allem Säuglinge und ältere Menschen sind gefährdet. Die Grundimmunisierung erfolgt bei Säuglingen mit drei Impfungen im Abstand von jeweils einem Monat, und zwar im Alter von zwei, drei und vier Lebensmonaten, gefolgt von einer vierten Impfung im Alter von elf bis vierzehn Monaten. Erwachsene ohne Impfschutz sollten sich ab 60 Jahren impfen lassen.

Poliomyelitis (Polio, Kinderlähmung): Die Polioviren können bei ungeimpften Menschen Nervenzellen des Rückenmarks befallen und bleibende Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod auslösen. Die Grundimmunisierung erfolgt in der Regel zwischen dem dritten und vierzehnten Lebensmonat mit vier Impfungen. Und zwar erhalten Säuglinge im Alter von zwei, drei und vier Monaten sowie im Alter von elf bis 14 Monaten eine Dosis. Eine Auffrischimpfung erfolgt im Alter von neun bis 17 Jahren.

Kurz vor dem Stich.
Bild: dpa

Röteln: Der Auslöser für Röteln ist das hochansteckende Rötelnvirus. Im Kindesalter verläuft eine Röteln-Infektion meist ohne Komplikationen. Erkrankt jedoch eine schwangere Frau, kann das ungeborene Kind schwere Schäden erleiden. Die STIKO empfiehlt den Kombinationsimpfstoff Mumps-Masern-Röteln im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung U6 im Alter von elf bis 14 Monaten. Damit der Schutz aktiv wird ist eine zweite Impfung bis spätestens Ende des zweiten Lebensjahres erforderlich.

Rotaviren: Sie sind der häufigste Auslöser von Magen-Darm-Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Die STIKO empfiehlt daher, Säuglinge so früh wie möglich ab einem Alter von sechs Wochen gegen Rotaviren impfen zu lassen. Die Auffrischung sollte spätestens im Alter von vier Monaten abgeschlossen sein.

Tollwut: Gefährdet sind vor allem Personen, die Kontakt zu infizierten Tieren haben. Die Tollwuterkrankung verläuft fast immer tödlich. Die Impfung verläuft in drei Dosen innerhalb von wenigen Wochen.

Tetanus (Wundstarrkrampf): Überträger ist das Tetanus-Bakterium, das Krämpfe und Lähmerscheinungen auslösen kann. Die Erkrankung verläuft meistens tödlich. Die Grundimmunisierung erfolgt mit vier Impfungen im Alter von zwei, drei, vier und elf bis 14 Monaten. In der Regel sollte die Impfung gegen Tetanus in der Kombination mit Diphtherie oder mit Diphtherie und Pertussis durchgeführt werden. Ab dem 18. Lebensjahr ist eine Auffrischungsimpfungen alle zehn Jahre empfohlen.

Varizellen (Windpocken): Überträger der Windpocken ist das Varizellen-Zoster-Virus. Windpocken sind hochansteckend und verursachen Fieber und den typischen Hautausschlag. Aber auch wenn die Krankheit überstanden ist, bleiben die Viren im Körper und können nach vielen Jahren Gürtelrose auslösen. Die STIKO empfiehlt, mit der Grundimmunisierung im Alter von elf bis 14 Monaten zu beginnen. Die zweite und letzte Impfdosis sollte vor Ende des zweiten Lebensjahres gegeben werden.

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