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Gesundheit

10.07.2014

Lebensmittel: Intoleranz ist nicht gleich Allergie

Bei Verdacht auf Laktose-Intoleranz: Nicht einfach darauf verzichten, sondern den Rat eines Arztes einholen.
Bild:  Kai Remmers (dpa)

Nicht nur Allergien können Magenschmerzen und Durchfall auslösen. Wenn Menschen größere Mengen eines Nahrungsmittels nicht vertragen, handelt es sich um eine Lebensmittelintoleranz.

Viele Menschen haben wegen Magenschmerzen oder Durchfall nach dem Essen geglaubt, dass sie an einer Lebensmittelallergie leiden. In vielen Fällen stimmt das nicht, weil Betroffene an einer Lebensmittelintoleranz, also an einer Unverträglichkeit, leiden. So können auch gesunde Nahrungsmittel wie Obstsalat, Milch und Vollkornbrot krank machen.

Der Ernährungswissenschaftler Harald Seitz vom Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn erklärt: Wenn jemand eine Intoleranz gegen bestimmte Lebensmittel hat, dann kann der Körper "gewisse Nahrungsbestandteile nicht richtig verarbeiten und aufnehmen." Oft ist ein angeborener Mangel an Verdauungsenzymen Grund für eine Nahrungsmittelintoleranz. Aber auch Darmerkrankungen können sie auslösen.

Das unterscheidet Allergie und Intoleranz

Oft werden Lebensmittelallergien und -intoleranzen gleichgesetzt. Doch das ist ein Irrtum - wer an einer Intoleranz leidet, muss die auslösenden Nahrungsmittel nicht vollständig meiden. Während der menschliche Körper bei einer Allergie Antikörper gegen harmlose Stoffe bildet und dadurch heftige Reaktionen hervorruft, sind die Reaktionen bei einer Intoleranz abhängig von der Menge des "Reizstoffs".

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Eine Unverträglichkeit tritt im Gegensatz zur Allergie zeitverzögert ein. Sie ist weniger ausgeprägt und äußert sich nicht in Ausschlägen oder Schwellungen, sondern hauptsächlich in Magen-Darm-Beschwerden. Wer nicht meidet, was er nicht verträgt, kann die Magen- und Darmschleimhaut schädigen. Dadurch wird der Betroffene anfälliger für Infektionen und Entzündungen.

Das sind die häufigsten Lebensmittelintoleranzen

Wer sich nicht sicher ist, sollte mit einem Ernährungstagebuch klären, welcher Stoff nicht vertragen wird. Der Gang zum Arzt schafft in jedem Fall Klarheit. Der Lebensmittelintoleranz und ihren Folgen kann nur mit einer Umstellung des Essverhaltens entgegengewirkt werden. Es gibt vier besonders häufige Intoleranzen:

Bei der Laktoseintoleranz handelt es sich um einen Mangel am Enzym Laktase. Das Enzym spaltet Milchzucker und ist notwendig für die Verdauung von diesem Zucker. Ohne Laktase bauen Darmbakterien den Milchzucker ab, wodurch Schmerzen, Blähungen, ein Völlegefühl und Durchfall entstehen können. Wer keine Laktose zu sich nehmen kann, muss auf Milch und Milchprodukte aller Art verzichten. Laktosearme Produkte die Hartkäse können oft weiter verzehrt werden.

Wer eine Fruktoseintoleranz hat, bei dem funktioniert ein Transportprotein nicht richtig. Eine Fehlfunktion verursacht eine nur begrenzte (oder gar keine) Aufnahme des Fruchtzuckers durch die Dünndarmschleimhaut. Wenn Fruktose bis in den Dickdarm kommt, kann sie zu Blähungen, Schmerzen, Durchfall und plötzlichem Stuhlgang führen. Hier reicht es oft, gezielt nur Obst mit wenig Fruktose zu essen. Aber auch bei Honig ist Vorsicht geboten.

Manche Körper bilden Antikörper gegen das Klebereiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten vorkommt. Eine Glutenintoleranz (Zöliakie) kann sogar eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut hervorrufen. Folgen der Unverträglichkeit sind Gewichtsverlust, Mangelerscheinungen und Durchfall. Während Laktose- und Fruktoseintoleranz per Atemtest untersucht werden, erfolgt die Diagnose bei Zöliakie über Bluttest und Gewebeproben. Weizen und Co. müssen bei Betroffenen durch glutenfreies Getreide ersetzt werden.

Histamin ist in vielen Nahrungsmitteln enthalten, existiert aber auch als Botenstoff im menschlichen Körper. Ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz ist bei der Histaminintoleranz ein Enzym Schuld am Übel, nämlich die Diaminooxidase, die für den Histaminabbau verantwortlich ist. Weil der Botenstoff so länger im Blut bleibt, kann es zu Hautrötungen, Quaddelbildung, Verdauungsproblemen und Kopfschmerzen kommen. Die Unverträglichkeit wird durch eine diagnostische Diät nachgewiesen. dpa/tmn(Nicola Menke)/sh

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