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Plastik

18.03.2016

Plastikmüll im Meer: "Eines der größten Probleme unserer Zeit"

Vor allem Plastikmüll treibt in den Ozeanen auf der ganzen Welt. Das Umweltbundesamt schätzt, es sind bis zu 140 Millionen.
Bild: Nic Bothma, dpa

Bund, Länder, Wirtschaft und Verbände wollen der Vermüllung der Nord- und Ostsee verstärkt den Kampf ansagen. Alleine in der Nordsee liegen wohl 600.000 Tonnen Abfall.

Mit einem Runden Tisch für gemeinsame Maßnahmen wollen Bund, Länder, Wirtschaft und Verbände der Müllbelastung von Nord- und Ostsee verstärkt den Kampf ansagen. "Wir haben es sicherlich mit einem der größten Umweltprobleme unserer Zeit zu tun", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Freitag in Berlin. Bis Ende 2017 soll der "Runde Tisch Meeresmüll" laut Ministerium "ganz konkrete Schritte" etwa zur Abfallvermeidung einleiten. 

Allerdings erfordere es neben größeren Anstrengungen der Politik auch "die Kraft und Kreativität der Zivilgesellschaft", betonte Hendricks. Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, fügte hinzu: "Der meiste Müll im Meer besteht aus Kunststoffen. Das Problem ist also hausgemacht und liegt an uns - was wir produzieren, kaufen, was wir wie konsumieren."

Bis zu 140 Millionen Tonnen Müll werden im Meer vermutet

Weltweit werden der Behörde zufolge 100 bis 140 Millionen Tonnen an Abfällen in den Meeren vermutet. Die Müllfunde in Nord- und Ostsee bestehen zu rund zwei Dritteln aus Kunststoffen. In der Nordsee dürften sich auf dem Meeresgrund 600 000 Tonnen Abfälle befinden. Sie stammen insbesondere aus Fischerei und Schifffahrt, aber auch von Tourismus- und Freizeitaktivitäten an Land. Die Müllbelastung der Ostsee geht hauptsächlich auf Tourismus und Freizeitverhalten zurück. Bakterium zersetzt Plastikflaschen

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Der Grünen-Politiker Stefan Wenzel, der als niedersächsischer Umweltminister an den deutschen Küsten mit der Meeresvermüllung zu tun hat, meinte nach der Sitzung in Berlin: "Die Anstrengungen zur Vermeidung von Plastik in der Verpackungsindustrie, bei der Bekleidung, bei Haushaltsartikeln und vielen Alltagsgegenständen müssen verstärkt werden. Der Dreiklang für den Meeresschutz lautet: Umweltgerechte Produktion, umweltgerechte behördliche Regeln und Maßnahmen - und umweltgerechtes Verhalten aller."

Mikroplastik soll aus Kosmetikprodukten verschwinden

Die wichtigste "seeseitige" Abfallquelle in der Ostsee sei die Fischerei, teilte das Bundesumweltamt mit. "Man geht davon aus, dass jährlich bis zu 10 000 Stellnetze verloren gehen, die jahrelang herrenlos weiterfischen können." Auch soll verhindert werden, dass Fischereigeräte einfach im Meer entsorgt werden, dazu gibt es erste Gespräche mit der Fischereiindustrie. Vor allem in Pflege- und Kosmetikprodukten soll bald kein Mikroplastik mehr verwendet werden. Auch eine Selbstverpflichtung des Einzelhandels zur Reduktion von Plastiktüten soll dafür sorgen, Kunststoffabfälle zu vermeiden. Forscher weisen Plastikreste in Speisefischen nach

"Die Seeschifffahrt hat ihre Hausaufgaben zum Schutz der Meere gemacht", sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder. "Strenge und weltweit gültige Vorschriften verbieten mittlerweile ausnahmslos, dass Plastik und anderer umweltgefährdender Müll über Bord geworfen wird. Wer dagegen verstößt, wird mit hohen Bußgeldern bestraft." dpa Studie: 2050 mehr Plastikmüll in den Meeren als Fische

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19.03.2016

>>Der meiste Müll im Meer besteht aus Kunststoffen. Das Problem ist also hausgemacht und liegt an uns - was wir produzieren, kaufen, was wir wie konsumieren.<< sagte die Präsidentin des Umweltbundesamtes.

Nichts von dem was sie aufführt, führt unmittelbar zur Meeresverschmutzung. Zur Meeresverschmutzung führt ausschließlich die falsche, verwerfliche Entsorung der Kunststoffe.

Natürlich kann man sagen, dass, was nicht produziert wird, nicht im Meer landen kann. Aber sie glaubt doch nicht wirklich, dass die Welt wieder zu Glasflaschen zurückkehren wird?

Für Plastiktüten mag die Ächtung noch Erfolg haben und die Pflicht zur Abgabe gegen teurere Gebühr als die Herstellung rechtfertigt.

Aber warum genau soll ein Bayer auf seine Plastiktüten verzichten, die er schön brav wiederverwendet und schließlich der Restmüllverwertung zuführt, von denen noch nie eine in irgendeinem der sieben Weltmeere gelandet ist?

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19.03.2016

Wenn ich schon lese: Mikroplastik aus der Kosmetik soll verschwinden, warum wurde das nicht längst verboten, ist doch ganz einfach. In allen Meeresanrainerländern landet Einwegplastik (Flaschen unbepfandet) Millionenfach in den Meeren, ebenso das Plastikgeschirr, (was unverrottbar ist) was ja auch in Deutschland überall ausgegeben wird. Die Regierungen aller Länder wären für die Vermeidung verantwortlich, nur leider tun die nicht das geringst dagegen.

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