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Urologie

27.10.2019

Prostatakrebs: Der Albtraum eines jeden Mannes

Die Prostata sitzt unterhalb der Blase des Mannes und umschließt den anfänglichen Teil der Harnröhre. Wächst ein Tumor, kann er etwa den Abfluss des Harns erschweren.
Bild: stock.adobe.com

Wie sich Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms verbessert haben und wie die Patienten davon profitieren.

Der Prostatakrebs ist ein besonderer Albtraum des Mannes. Nicht nur, dass er aggressive tödliche Verläufe nehmen kann. Das machen andere Krebsarten ja auch. Es kommen noch andere Aspekte hinzu. Etwa, dass man durch eine Operation impotent und auch noch inkontinent werden kann. Nämlich dann, wenn bei einem Eingriff bestimmte Nerven nicht erhalten werden können.

Zuwider ist vielen Männern auch die Vorsorgeuntersuchung. Wenn der Urologe mit einem Finger über den Anus die Prostata tastet – was auch noch recht schmerzhaft sein kann. Und zum Schluss kommt auch noch der so genannte PSA-Wert, der im Blut ermittelt wird. Ist er erhöht, ist das ein Hinweis darauf, dass das Drüsengewebe des Organs auf unspezifische Weise aktiv ist. Das kann etwa durch zuviel Fahrrad fahren oder zuviel Sex kommen. Und ist dann völlig normal und ungefährlich. Der Wert kann aber auch erhöht sein, wenn ein Tumor vorliegt. Die Folge: Mann macht sich Sorgen. Der Urologe rät dann nicht selten, Proben aus dem Organ zu entnehmen – die Biopsie. Doch viele dieser Biopsien gehen bei herkömmlichen Untersuchungen in Bereiche des Organs, die entweder gar nicht vom Tumor betroffen sind. Oder man macht wegen des erhöhten PSA-Wertes immer wieder ergebnislose Biopsien, obwohl gar kein Tumor vorhanden ist. Mutet dem Laien irgendwie an wie Stochern im Nebel.

Prostata-Krebs: PSA-Wert steht in der Kritik

Deshalb ist der PSA-Wert in der Kritik. Manche Männer lassen ihn erst gar nicht ermitteln. Inzwischen gibt es aber Lichtblicke in der Diagnostik und in der Therapie. An der Augsburger Uniklinik etwa wird die sogenannte „multiparametrische Magnetresonanztomographie (MRT)“ samt „Fusionsbiopsie“ durchgeführt. Durch eine Kombination aus MRT und Ultraschall kann dabei viel genauer ermittelt werden, welches Areal in der Prostata betroffen sein könnte. Dadurch kann viel genauer biopsiert werden – „und unnötige Re-Biopsien können vermieden werden“, erläutert Prof. Dorothea Weckermann, Direktorin der Klinik für Urologie an der Uniklinik Augsburg. Bis vor zehn Jahren wurde noch reichlich punktiert, teils bis zu fünfmal. Das neue Verfahren sei besser, aber auch aufwendiger. „Leider zahlen es die gesetzlichen Kassen noch nicht“, wie Dorothea Weckermann bedauert. Der Patient muss in Augsburg knapp 400 Euro dazulegen. Eine Investition, die sich ihrer Meinung aber in jedem Fall lohnt.

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Die kontinuierliche Ermittlung des PSA-Wertes hält Dorothea Weckermann für bedeutsam. „Wichtig ist dabei aber eher der Verlauf – wenn dieser kontinuierlich ansteigt“. Die Urologin weiß natürlich, dass viele Männer die Vorsorge – üblich ab 45 Jahren, bei familiärer Vorbelastung ab 40 – wegen der rektalen Prostatatastuntersuchung meiden. Ihr Rat: „Lieber den PSA-Wert messen lassen ohne Prostatatastuntersuchung – als gar nichts.“

Krebs-Patienten können noch viele Jahre leben

Nicht nur in puncto Diagnostik, sondern auch in der Therapie habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. Früher wurde das ganze Organ immer radikal entfernt. „Doch inzwischen gibt es viele Möglichkeiten.“ So kann man etwa Teilbereiche der Prostata, in denen sich der Tumor befindet, behandeln, das sind so genannte fokale Therapien. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen der Strahlentherapie – und beim fortgeschrittenen Tumor die Hormontherapie (beispielsweise Entzug des männlichen Hormons Testosteron, weil es das Wachstum eines Tumors beschleunigt), erweiterte Hormontherapien, Chemotherapien und so genannte zielgerichtete individualisierte Tumortherapien. „Wir haben heute Patienten, die nach Diagnosestellung noch viele Jahre leben.“

Dadurch, dass man mehrere verschiedene Therapieformen nacheinander durchführen kann. „Wichtig ist die individuelle Beratung des Patienten, denn es gibt nicht eine Therapie für alle, sondern für jeden eine auf ihn zugeschnittene individuelle Therapie.“ Ein bekannter Patient dieser Art ist etwa der Politiker Wolfgang Bosbach. Entscheidend ist aber immer, dass der Tumor früh genug erkannt wird. „Darum ist die Früherkennung so wichtig“, sagt Dorothea Weckermann.

Lesen Sie dazu auch: Wolfgang Bosbach: "Ich lebe jetzt seit fast zehn Jahren mit dem Tumor"

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