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Rückenschmerzen
25.11.2016

Bei Rückenschmerzen hilft meistens ein Spaziergang

Rückenschmerzgeplagte Patienten werden einer aktuellen Studie zufolge zu häufig geröntgt oder in die Röhre geschoben.
Foto: Arno Burgi (dpa)

Bei Rückenschmerzen röntgen Ärzte oft zu schnell, kritisieren Experten. In den meisten Fällen ließen sich Schmerzen im Rücken ganz leicht behandeln: Auf einfache Wege entgegenwirken.

In Deutschland sind Rückenschmerzen ein regelrechtes Volksleiden: Jeder fünfte gesetzlich versicherte Deutsche geht mindestens einmal pro Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt, 27 Prozent davon suchen deswegen sogar viermal oder öfters eine Praxis auf. In der Summe ergibt das jährlich über 38 Millionen Arztbesuche allein wegen Problemen mit dem Rücken.

60 Prozent der Patienten mit Rückenschmerzen erwarten schnellstens eine Untersuchung per CT oder Kernspin. Deshalb werden Geplagte einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge noch immer zu häufig geröntgt oder in den Tomografen geschoben, obwohl die Zahl der Röntgenuntersuchungen bei Rückenschmerzen seit 2009 leicht rückläufig ist.

Röntgen: Rückenschmerzen verschwinden oft von allein

Die meisten Patienten überschätzen dabei den medizinischen Nutzen von Röntgen- und Kernspinaufnahmen bei Rückenschmerzen, so das Ergebnis der vorgestellten Studie mitsamt Patientenumfrage. Jeder zweite Befragte glaubt, dass bei Rückenschmerzen immer ein Arzt aufgesucht werden muss. Fast 70 Prozent erwarten, dass der Arzt mittels Bildgebung die genaue Ursache des Schmerzes finden kann.

Ein Trugschluss, so die Bertelsmann-Stiftung: Nur bei 15 Prozent der Betroffenen könnten die Ärzte tatsächlich feststellen, woher das Rückenleiden kommt. 85 Prozent der akuten Beschwerden gelten als unkompliziert und verschwinden von selbst wieder. Außerdem kann man gegen viele Rückenschmerzen selbst vorgehen.

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Insgesamt wurden 2015 pro 1000 Patienten mit Rückenschmerzen 375 Bilder erstellt – zu viel, kritisieren die Experten. Sie halten noch immer viele der sechs Millionen Bildaufnahmen mit Röntgengerät, Computer- oder Magnetresonanztomograf (CT/MRT) für vermeidbar.

So wurde jeder fünfte Patient mit Rückenbeschwerden bereits im Quartal der Erstdiagnose durchleuchtet. Dabei empfehlen die medizinischen Leitlinien dies frühestens, wenn herkömmliche Therapien wie Schmerzmittel oder Krankengymnastik keinen Erfolg hatten. In über der Hälfte der Fälle hatte es jedoch vor der Bildaufnahme gar keinen Therapieversuch für die Rückenschmerzen gegeben.

Rückenschmerzen: Wirbelsäulenexperte rät zum Spaziergang

„Wer Rückenschmerzen hat und ansonsten gesund ist, braucht erst mal nur Bewegung“, sagt Professor Alexander Wild, Wirbelsäulen-Experte und Chefarzt an den Donau-Ries-Kliniken in Donauwörth. „Spazierengehen an der frischen Luft ist die beste Therapie bei Rückenschmerzen.“ Erst wenn die Beschwerden über Wochen anhielten oder für den Patienten nicht auszuhalten seien, sei ein Arztbesuch nötig.

Bringe eine konservative Therapie von Rückenschmerzen, etwa mit Medikamenten, über vier Wochen keinen Erfolg, sei eine weitergehende Diagnostik mit bildgebenden Verfahren nötig. Auch wenn der Schmerz ins Bein ausstrahle oder mit Fieber und Lähmungen verbunden sei, müssten die Alarmglocken schrillen: In diesen Fällen sei eine Bildgebung bei dieser Art von Rückenbeschwerden „notwendig und richtig“, so Wild.

Fast alle Rückenschmerzen seien jedoch statisch, durch Fehlhaltungen bedingt, unterstreicht der Orthopäde, und gingen üblicherweise binnen vier bis acht Wochen nur durch Bewegung, ohne weitere Therapie, wieder weg. Deshalb sei es wichtig, mit dem Patienten (der oft eine Bildgebung wünsche) zu sprechen und ihn über die Ursache seiner Beschwerden aufzuklären: „Aufklärung ist viel wichtiger als ein Röntgenbild“, betont Wild.

Doch komme die Aufklärung über Rückenschmerzen derzeit zu kurz, auch in der Abrechnung. Die Bertelsmann Stiftung erklärt hierzu, es bedürfe Korrekturen im ärztlichen Vergütungssystem, die gründliche körperliche Untersuchung und das persönliche Gespräch müssten wieder mehr Gewicht erhalten.

Bildgebung kann trügerisch sein, wie Studien zeigen: Schiebe man gesunde, beschwerdefreie Personen in den Kernspintomografen, sehe man bei etwa 15 Prozent Veränderungen, die man bei Kranken behandeln würde, so Wild. mit dpa

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