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Interview

11.07.2019

Sind Smartphones und digitale Medien schädlich für die Konzentration?

Überfordern Smartphones unser Gehirn? Erkenntnisse aus der Neurobiologie sprechen dafür.
Bild:  Sebastian Gollnow, dpa (Symbol)

Neurobiologe Martin Korte hält es für wahrscheinlich, dass wir unser Gehirn mit Smartphones überfordern - und fordert, das eigene Denkvermögen stärker zu nutzen.

Wenn der Mensch große Informationsmengen verarbeiten soll, schaltet sein Gehirn gerne mal auf Abwehr. Fördert die Datenflut im Internet damit Denkblockaden? Mit solchen Aspekten digitaler Medien befasst sich der Braunschweiger Neurobiologe Martin Korte. Im Gespräch rät der Professor, mehr Wissen im eigenen Gedächtnis abzuspeichern, statt sich aufs Internet zu verlassen.   

Herr Prof. Dr. Korte, erleben wir gerade eine Revolution des Gehirns, weil viele Menschen massiv Smartphones und digitale Medien nutzen?

Martin Korte: Ich sehe keine Revolution unseres Gehirns. Das Gehirn ist zwar hoch anpassungsfähig im Laufe unseres Lebens. Menschen können sehr viel lernen. Aber die genetische Grundkonstitution unseres Gehirns verändert sich in Zeiträumen von Zehntausenden von Jahren. Insofern erleben wir hier keine Revolution. Was ich eher glaube ist, dass wir einen Übergangszustand erleben, in dem wir lernen müssen, mit einer neuen Technologie umzugehen. Im Moment sehe ich jedoch Belege dafür, dass wir die digitalen Medien so einsetzen, dass wir unserem Gehirn keinen Gefallen tun.

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Was läuft schief?

Korte: Eine Sache ist, dass wir zu viel Wissen auslagern und nicht mehr selbst versuchen, Wissen abzuspeichern. Das ist wichtig, um über komplexe Probleme nachdenken zu können und selber auf neue Lösungen zu kommen. 

Und was wandelt sich in der digitalen Welt noch in den Köpfen?

Korte: Das Zweite, was sich im Gehirn verändert, ist dass das Arbeitsgedächtnis kleiner wird: Unser Konzentrationsvermögen, die Zeit, wie lange wir uns konzentrieren können, ohne uns abzulenken, wird kleiner.

Neurobiologe Martin Korte.
Bild: Johannes Felsch/TU Braunschweig, dpa

Um wie viel kleiner wird das Arbeitsgedächtnis? 

Korte: Es gibt eine große Studie, dass wir hier von 15 auf 11 Sekunden abgefallen sind. Wenn man Probanden bittet, ohne dass sie wissen, worauf es ankommt, sich einen Begriff eine bestimmte Zeit zu merken, dann sieht man: Früher haben sie es 15 Sekunden geschafft. Jetzt schaffen die meisten nur noch elf Sekunden. Da sind wir deutlich abgefallen.

Sie sagen: Es gibt Berge von Informationen im Internet, die Menschen schwer bewerten können. Zugleich sind Menschen oft unkonzentriert und machen viele Sachen gleichzeitig. Diese Dinge spiegeln sich im Kopf? 

Korte: Das Gehirn ändert seine Verarbeitungswege als Reaktion auf das, was von außen reinkommt. Wenn das Gehirn sich überfordert fühlt von der Informationsmenge, die es verarbeiten soll, dann passiert nicht, dass man sich hinsetzt und versucht, differenzierter zu denken. Stattdessen schaltet das Gehirn in einen Modus, undifferenziert zu denken und die Informationen eher abzuwehren.

Und wie sicher ist, dass das mit den digitalen Techniken zu tun hat? 

Korte: Ganz genaue Messungen dazu gibt es nicht, also keine 100-prozentige Sicherheit über Ursache und Wirkung, weil man nur Korrelationen, also Beziehungen, herstellt. Man kann zum Beispiel sagen, dass es seit 2007/08 deutlich zugenommen hat, dass sich mehr Menschen überfordert fühlen von Informationen. Dieses Datum ist nicht zufällig, weil 2007 das iPhone eingeführt wurde. Kurz danach hatten in den westlichen Gesellschaften mehr als 50 Prozent der Leute ein Smartphone. Seitdem wir das Internet im Telefon bei uns tragen können, ist die Informationsmenge, mit der wir uns ständig umgeben, gewachsen. 

Aber bewiesen ist die Verbindung nicht? 

Korte: Man muss bei Korrelationen immer aufpassen. Es gab auch eine große Wirtschaftskrise und den Bankenzusammenbruch 2008. Für mich ist das mit dem Smartphone jedoch eine sehr überzeugende Korrelation. 

Zur Person: Martin Korte (54) ist Professor in der Abteilung Zelluläre Neurobiologie an der TU im niedersächsischen Braunschweig. Er untersucht die zellulären Grundlagen von Lernen, Gedächtnis und Vergessen. Der Hirnforscher berät Schulbehörden zu Fragen digitaler Medien. (dpa)

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11.07.2019

Man kann sich ja mal überlegen, welche Vereinfachungen durch die ganzen Zusatzprogramme, die man auf dem Smartphone hat möglich sind. Früher fuhr man nach Autoatlas oder Landkarte, da war allerdings einiges an Aufwand nötig, heute mit Navigationsapp. Dafür steht der/die eine oder andere auch mal im See.
Oder einen Terminplaner. Früher hat man sich etwas merken müssen, heute wird man erinnert.
Oder den Taschenrechner. Früher hat man so einiges mit Kopfrechnen gelöst. Wehe der Akku ist leer, dann wird es schnell traurig. Dann wird 5 + 3 zur schwierigen Prüfungsaufgabe. Bitte nicht abwinken, alles schon erlebt.
Oder, oder, oder.........
Und als letztes, wenn es nicht nur schädlich für die Konzentration sondern auch noch für die Gesundheit ist (5G-Ausbau) dann kann es gefährlicher werden als sich viele ausmalen.

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