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Gesundheit

20.10.2014

Sodbrennen: Wie es dazu kommt und was Sie dagegen tun können

Der Allgemeinarzt und Naturheilkundler Dr. Robert M. Bachmann erklärt, was gegen Sodbrennen hilft und wie es dazu kommt.
Bild: Patrick Pleul (dpa)

Bei Sodbrennen setzt die ganzheitlich orientierte Medizin auf eine behutsame, abgestufte Therapie. Ziel ist es, die zugrunde liegenden Ursachen zu beseitigen.

Aus naturheilkundlicher Sicht – womit hängt Sodbrennen zusammen?

Dr. Robert M. Bachmann: Das Hauptproblem auch fürs Sodbrennen ist der Darm. Es kommt zu Sodbrennen, wenn der Darm überlastet ist und signalisiert, dass er nichts mehr aufnehmen will. Die Schulmedizin setzt auf moderne Medikamente wie die Protonenpumpenhemmer, die aber nicht frei von Nebenwirkungen sind. Die Naturheilkunde kennt andere, erfolgreiche Wege, um den Darm wieder aufnahmefähig zu machen und so auch das Sodbrennen zu beseitigen.

Experte: Probleme im Darm sind oft die Ursache für Sodbrennen

Wodurch wird der Darm überlastet?

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Dr. Bachmann: Die Menschen machen Ernährungsfehler. Zurzeit werden sie zudem mit Ballaststoffen, die vielen Lebensmitteln zugesetzt sind, regelrecht überfüttert. Die Überernährung allgemein, zusammen mit einem Zuviel an Ballaststoffen, aber auch an Fructose, Sorbit und anderem, sorgt für einen Rückstau der Nahrung und für Gärungs- und Fäulnisprozesse vor allem im Dünndarm. Dadurch wird der Darm überlastet und gelähmt. Es kommt zur Obstipation, also Verstopfung – mit der Verdauung geht nichts mehr voran.

Das ist ja ein Problem, das viele Menschen belastet. Die Obstipation ist also letztlich am Sodbrennen mit schuld?

Dr. Bachmann: Ja, so kann man das sagen. Man muss bei diesem Problem den gesamten Darm betrachten, nicht nur den Magen. Ein Vergleich aus unserem Alltag: Wenn das Waschbecken überläuft, liegt das Problem unter Umständen auch nicht im Waschbecken selbst, sondern in der nachgeschalteten Kanalisation. Ähnlich verhält es sich mit dem Sodbrennen: Wenn der Darm wieder durchgängig und mobil ist, funktioniert das ganze System wieder, und das Sodbrennen verschwindet meist nach wenigen Tagen.

Experte rät bei Sodbrennen und Darmproblemen von Ballaststoffen ab

Wie bringt man den Darm wieder dazu, dass er seine Arbeit tut?

Dr. Bachmann: Die Darmbeweglichkeit – Motilität – ist gebunden an die Muskulatur der Darmwand, die von den Nerven in der Darmwand aktiviert wird. Wenn dieses Zusammenspiel gestört ist, etwa durch Stress und Verkrampfungen, gelingt es nicht von heute auf morgen, es wieder in Gang zu setzen. Man muss es erst langsam „trainieren“, und zwar stadiengerecht – jedenfalls, wenn man natürlich vorgehen will. Wenn man das nicht will, nimmt man Laxantien, also Abführmittel, und „peitscht“ den Darm gewissermaßen. Bei der natürlichen Vorgehensweise dauert es drei bis vier Wochen, bis sich Muskulatur und Nervensystem des Darmes nachhaltig regenerieren.

Welche Methoden setzt die Naturheilkunde dabei ein?

Dr. Bachmann: Die Naturheilkunde kennt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die vagotonisierend, also stimulierend auf den Vagusnerv wirken, der unter anderem die Verdauung reguliert. Durch diese Maßnahmen lassen sich zunächst die Verkrampfungen des Darmes lösen. Beispiele sind Kneippsche Fußbäder, Leibwickel, Atemtherapie, die Colonmassage oder leichte Kräutertees mit Bitterstoffen. Wir geben auch bicarbonathaltige Heilwässer oder Heilwässer, die Magnesiumsulfat enthalten. Wenn man sie lange genug kurmäßig trinkt, nimmt der Darm auch nach langjähriger Verstopfung seine Beweglichkeit wieder auf, und die Probleme weiter oben – in Form von Sodbrennen – verschwinden.

Menschen, die unter Obstipation leiden, meinen ja oft, sie sollten reichlich Ballaststoffe zu sich nehmen, um die Verdauung wieder in Schwung zu bringen...

Dr. Bachmann: Ja, viele denken, sie stellen ihre Ernährung von Schweinsbraten auf was „Gesundes“ um. Aber genau da liegt der Fehler, denn: Ein kranker Darm verträgt keine gesunde Kost, also reichlich Vollkornprodukte, Rohkost und Ähnliches. Solch eine Ernährung setzt eigentlich einen gesunden Darm voraus! Deshalb muss man abgestuft vorgehen und zunächst den Darm sanieren.

Bei Sodbrennen muss man nicht auf Kaffee oder Zucker verzichten

Was halten Sie von Ratschlägen wie dem, dass man nachts mit erhöhtem Oberkörper schlafen sollte, um den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre zu verhindern?

Dr. Bachmann: Damit bekämpft man nur die Symptome, das eigentliche Problem jedoch wird nicht beseitigt.

Hilft es, bestimmte Lebensmittel zu meiden?

Dr. Bachmann: Sodbrennen verursacht oft einen hohen Leidensdruck, und Betroffene machen die Beschwerden dann an bestimmten Lebensmitteln fest – sie verzichten zum Beispiel auf Kaffee oder Zucker. Aber das alleine ist nicht zielführend. Die Nahrungsauswahl bietet keinen Lösungsansatz – denn das Problem ist nicht das, was auf dem Teller ist, sondern das, was sich im Darm abspielt.

Experte: Gut kauen kann gegen Sodbrennen helfen

Was können Betroffene selbst tun? Welche Tipps hat die Naturheilkunde?

Dr. Bachmann: Zunächst mal: alles gut kauen , jeden Bissen ungefähr 40-mal. Außerdem: Ernährungsfehler vermeiden, also nicht zu viel, zu fett, zu süß, zu sauer, zu salzig, zu oft, zu spät oder unter Stress essen. Man sollte reichlich trinken, aber nicht zum Essen, um die Verdauungssäfte nicht zu verdünnen, sondern zwischen den Mahlzeiten. Hilfreich sind außerdem die schon erwähnten Heilwässer und Kräutertees mit Fenchel, Kümmel, Kamille oder Pfefferminze. Damit der Darm regenerieren kann, muss er zudem eine Weile geschont, das heißt weitgehend von Verdauungsleistungen freigestellt werden, etwa durch Heilfasten.

Muss Sodbrennen behandelt werden?

Dr. Bachmann: Einmal sauer aufstoßen macht sicher nichts aus. Aber wenn es sich um ein längerfristiges Problem handelt, muss man etwas tun. Denn wenn die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt wird, bildet sie Zellen nach, was vom Körper eigentlich gut gemeint ist. Doch diese Zellen können entarten – und so zu Speiseröhrenkrebs führen.

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