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Coronavirus

31.12.2020

Sollte ich mich impfen lassen, wenn ich schon infiziert war?

Der Impfstoff sorgt dafür, dass sich der menschliche Körper gegen das Virus immunisiert.
Bild: Sina Schuldt, dpa

Immun ist entweder, wer sich impfen lässt oder wer bereits eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hat. Braucht es also eine Impfung trotz Infektion?

Das Wort Herdenimmunität ist quasi gleichbedeutend mit dem Ende der Pandemie. Um sie zu erreichen, sollten etwa 70 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt haben. Damit wären sie vorerst immun.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege zur Immunität. Entweder man infiziert sich mit dem Virus oder man lässt sich impfen. Aber ergibt es Sinn, dass sich auch Menschen impfen lassen, die nachweislich eine Infektion durchgemacht haben? Das Robert-Koch-Institut sagt vorsichtig "nein", das Gesundheitsministerium will nichts an der Impfreihenfolge ändern.

Die Schwere der Erkrankung hat Einfluss auf die Konzentration von Antikörpern

Wenn sich der Körper mit dem Virus infiziert, wehrt sich das Immunsystem. Es bilden sich Antikörper. Die schützen den Körper vor einer erneuten Erkrankung. Zumindest für eine gewisse Zeit. „Bei der Mehrzahl der untersuchten Personen bleibt die Antikörperkonzentration über einen Zeitraum von mindestens fünf Monaten relativ stabil“, schreibt das Robert-Koch-Institut.

 

Über diesen Zeitpunkt hinaus ließen sich im Moment noch keine Aussagen treffen. Was sich aber sagen lässt: Die Schwere der Erkrankung spielt wohl eine Rolle bei der Persistenz - dem Bestehenbleiben der Antikörper. „Niedrigere Antikörperkonzentrationen und ein schnellerer Rückgang wurden bei Personen beobachtet, die einen asymptomatischen oder sehr milden Verlauf hatten“, heißt es vom RKI.

Eine längere Persistenz wurde beobachtet bei Menschen, die einen moderaten oder schweren Verlauf durchmachen mussten. Wie lange ein Infizierter immun bleibt, ist also weiterhin unklar. Fälle einer erneuten Infektion sind bisher laut RKI nur selten beobachtet worden.

Eine Impfung trotz Infektion ist nicht gefährlich

Zur Frage, ob bereits Infizierte sich impfen lassen sollten, kann die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI deshalb noch keine eindeutige Aussage treffen. Im akademischen Bulletin des RKI heißt es von der STIKO jedoch: „Nach überwiegender Expertenmeinung sollten Personen, die eine labordiagnostisch gesicherte Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben, zunächst nicht geimpft werden.“ Sobald mehr Daten vorliegen, wolle man sich erneut positionieren.

Klar scheint jedoch, dass eine Impfung trotz Infektion keine Gefahren mit sich bringt. „Daher ist es auch nicht notwendig, vor Verabreichung einer Covid-19-Impfung eine akute asymptomatische oder unerkannt durchgemachte SARS-CoV-2 Infektion labordiagnostisch auszuschließen“, schreibt die STIKO.

Bei der Frage nach der Impfung von bereits Infizierten geht es also in erster Linie um die Effizienz bei der Impfstoff-Vergabe. Werden also Menschen geimpft, die nachweislich infiziert waren, könnten der damit ohnehin knappe Impfstoff vergeudet werden - sofern tatsächlich Immunität vorliegt.

Die Impfreihenfolge gilt auch bei einer Infektion mit dem Coronavirus

Das Gesundheitsministerium hat in einer Impfverordnung eine Reihenfolge der Vakzin-Vergabe festgelegt. Besonders gefährdete Risikogruppen fallen unter „höchste Priorität“ und werden als erste geimpft. Danach folgen „hohe Priorität“ und „erhöhte Priorität“. Wer zu keiner dieser Gruppen gehört, kommt als letztes an die Reihe.

Daran will das Gesundheitsministerium festhalten. „Die festgelegten Prioritäten gelten unabhängig von einer durchgemachten Infektion“, sagt ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage unserer Redaktion. Weil es letztlich aber keine Pflicht zur Impfung gibt, kann jeder für sich festlegen, ob er sich trotz Infektion gegen das Virus impfen lassen möchte.

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