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Handy

05.07.2012

Streit um die Strahlen

Kostenschutz für Datenverbindungen - damit es nach dem Urlaub kein böses Erwachen mit der Handyrechnung gibt. Foto: Angelika Warmuth dpa

Behörden halten die Mobilfunk-Strahlung für harmlos. Wissenschaftler sehen das anders.

Christian Magerl von den bayerischen Landtagsgrünen macht es kurz, aber deutlich an diesem Morgen im Münchner Maximilianeum: „Handys ausschalten“, sagt er zu Beginn der Sitzung. Nicht leise, nicht auf Vibration, sondern ganz aus. Der Grund: Einige der Besucher im Raum wollen sich der Strahlung nicht aussetzen. „Bitte nehmen Sie Rücksicht.“

Harmlos oder gefährlich?

Magerl leitet an diesem Morgen die Expertenanhörung zum Thema Auswirkungen von Mobilfunk. Neun Fachleute sollen erklären, wie gefährlich die Strahlen wirklich sind. Und in den nächsten Stunden wird klar: Glaubt man den Wissenschaftlern, sind sie sehr gefährlich. Glaubt man den Vertretern der staatlichen Behörden, sind sie harmlos.

Tumore und Unfruchtbarkeit

Am eindringlichsten warnt der Konstanzer Umweltmediziner Joachim Mutter: „Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Handytelefonieren und Krebs.“ Dies hätten mehr als 400 internationale Studien belegt. Bösartige Hirntumore und Unfruchtbarkeit bei Männern hätten in den vergangenen Jahren in Ländern mit starker Handynutzung zugenommen.

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Belastung für Kinder besonders hoch

Vor dem Risiko, das besonders für Kinder besteht, warnt der Messtechniker Rainer Müller: „Die Belastung für einen Kinderkopf ist dreimal so hoch wie für Erwachsene.“ Der Saarbrücker Physiker Ulrich Warnke appellierte mit Blick auf die geltenden Grenzwerte sogar: „So kann es nicht weitergehen.“ Solange unklar sei, wie gefährlich die Langzeitwirkungen sind, müsse zumindest Vorsorge in Form funkfreier Zonen und niedrigerer Grenzwerte getroffen werden.

Doch genau diese Grenzwerte würden nicht einmal erreicht, bekräftigen die Vertreter der Behörden. „Wir liegen tausendfach darunter“, sagt Josef Opitz von der Bundesnetzagentur. Die Netze umzurüsten wäre für die Mobilfunkbetreiber zudem aufwendig. „Es gibt keine nachgewiesenen Gründe, warum sich etwas ändern sollte“, sagt auch Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz.

In Bayern ist die Angst vor Handystrahlen offenbar besonders groß. Von bundesweit 700 Bürgerinitiativen sind 306 im Freistaat registriert. „Das wird uns noch lange beschäftigen“, sagt auch Sitzungsleiter Christian Magerl, kurz bevor alle aufstehen und das Handy wieder einschalten.

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