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Diabetes

04.08.2017

Studie: Zu dünne Beine erhöhen das Risiko für Diabetes

Der Schlankheitswahn kann auch einen Nachteil haben, denn schlanke Menschen sind nicht automatisch gesünder.
Bild: Hans-Jürgen Wiedl (dpa)

Bei Diabetes spielt offenbar nicht allein krankhaftes Übergewicht eine Rolle. Forschern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung zufolge können auch Schlanke betroffen sein.

Dass Übergewicht zu einer Diabetes-Erkrankung führen kann, ist bereits oft von Wissenschaftler und Medizinern unter Beweis gestellt worden. Dabei spielt auch die Ernährung eine große Rolle. Doch Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) aus Tübingen sollen nun herausgefunden haben, dass auch schlanke Menschen ein erhöhtes Diabetes-Risiko aufweisen können.

Diabetes: Jeder fünfte Schlanke hat ein erhöhtes Risiko

Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Cell Metabolism". Dabei kamen sie zum Schluss, dass fast jeder fünfte schlanke Mensch ein erhöhtes Risiko für Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen hat.

"Schlank ist gesund – diese Faustformel gilt nicht immer", das teilten die Forscher mit. 18 Prozent der schlanken Menschen haben nach Erkenntnissen der Forscher einen geschädigten Stoffwechsel. Ihr Risiko, Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere kardiovaskuläre Erkrankungen zu erleiden und daran zu sterben, sei im Vergleich zu Menschen mit gesundem Stoffwechsel um mehr als das Dreifache erhöht. Es sei sogar höher als das von übergewichtigen Menschen mit gesundem Stoffwechsel.

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Kaum Fett an den Beinen: Darum können Schlanke Diabetes bekommen

Bei der Suche nach den Ursachen fanden die Forscher um Norbert Stefan vom Universitätsklinikum Tübingen und dem DZD heraus, dass die betroffenen Schlanken nur wenig Fett an den Beinen speichern - eine Funktionsstörung. Ärzte sollten nach Meinung der Forscher schlanke Menschen, die kaum Fett an den Beinen speichern und zusätzlich Hinweise auf ein metabolisches Syndrom haben, auf eine Schädigung des Stoffwechsels hin untersuchen. Das metabolische Syndrom äußert sich etwa durch Fettablagerungen an den inneren Organen oder Bluthochdruck.

"Die Ergebnisse zeigen, dass Typ-2-Diabetes eine sehr heterogene Erkrankung ist", sagt der ehemalige Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Baptist Gallwitz. In Studien habe sich bereits angedeutet, dass auch schlanke Leute eine schlechte Wirkung des Insulins im eigenen Körper haben können. "Lange gab es aber keine Antworten darauf, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind", so Gallwitz, der in Tübingen stellvertretender Leiter der Klinik für Diabetologie ist. Das ändere sich mit den aktuellen Forschungsergebnissen.

Diabetes: Größter Risikofaktor bleibt immer noch Übergewicht

Doch nur weil Schlanke ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Diabetes aufweisen, bedeutet das nicht, dass Übergewichtige nicht mehr betroffen sind. Gallwitz stellt klar: "Krankhaftes Übergewicht ist immer noch der größte Risikofaktor für Diabetes."

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt diabetesgefährdeten Menschen bislang, Normalgewicht anzustreben. "Das trifft für diese Menschen nicht zu", sagt DGE-Pressesprecherin Antje Gahl. Für alle, auch für schlanke Menschen gelte aber, dass der Verzehr beispielsweise von rotem, verarbeitetem Fleisch, zuckergesüßten Getränken und Eiern das Diabetes-Risiko erhöhe. Wer Vollkorngetreideprodukte, Gemüse, Obst und Milchprodukte esse, senke das Risiko hingegen. AZ/dpa

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