1. Startseite
  2. Wissenschaft
  3. "Tinnitracks" gegen Tinnitus gibt es auf Rezept

App

17.09.2015

"Tinnitracks" gegen Tinnitus gibt es auf Rezept

Pfeifen, Brummen, Rauschen: Ein Tinnitus macht den Betroffenen das Leben schwer. Mit der neuen App Tinnitracks können Patienten den Tinnitus per Smartphone bekämpfen.
Bild: Silvia Marks (dpa)

Die App "Tinnitracks" bietet Tinnitus-Patienten eine digitale Alternative zu konventionellen Behandlungen. Und so funktioniert die neue Gesundheits-App.

Für Tinnitus-Patienten gibt es erstmals eine App auf Rezept für Tinnitus-Patienten, die unter einem ständigen Pfeifton oder Rauschen im Ohr leiden. Die Gesundheits-App kann ab Oktober von Hamburger Hals-Nasen-Ohren-Ärzten verschrieben werden und wird von der Techniker Krankenkasse (TK) erstattet, wie die Versicherung am Mittwoch mitteilte. "Das Smartphone wird zum Medizinprodukt - das hat es so vorher nicht gegeben", sagte ein Sprecher der TK.

Die App mit dem Namen Tinnitracks wurde von dem Hamburger Start-up-Unternehmen Sonormed entwickelt und soll zunächst von rund 30 Hamburger HNO-Ärzten getestet werden, bevor das Behandlungskonzept möglicherweise bundesweit angeboten wird. Deutschlandweit leiden laut TK rund drei Millionen Menschen unter einem Tinnitus - jeder hundertste so stark, dass er ärztlich behandelt werden muss.

Tinnitracks: Mit Lieblingsmusik den Tinnitus bekämpfen

Da derzeit nicht alle Behandlungsmethoden für Tinnitus-Patienten erfolgreich seien, biete die App Betroffenen "jetzt eine verblüffend einfache Behandlungsalternative", erklärte die TK. Wenn sie über einen Zeitraum von zwölf Monaten mindestens 90 Minuten pro Tag ihre Lieblingsmusik hören würden, könnten sie ihrem Hörzentrum den störenden Ton abgewöhnen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der sogenannte eingebildete Tinnitus entstehe nicht durch ein echtes Geräusch, sondern durch eine Überaktivität bestimmter Nervenzellen im Hörzentrum des Gehirns. Diese seien - vergleichbar mit den Tasten eines Klaviers - nach ihrer Frequenz angeordnet und verursachten bei Überreizung ein entsprechendes Geräusch. Für die Therapie mit Tinnitracks ermittelt der HNO-Arzt nach Angaben der TK die individuelle Tinnitus-Frequenz, die dann von der App aus der Lieblingsmusik herausgefiltert wird, um die betroffenen Zellen zu schonen. Das regelmäßige Hören der gefilterten Musik soll die Überaktivität der betroffenen Nervenzellen verringern und so den Tinnitus nachhaltig lindern.

Techniker Krankenkasse bezahlt die Tinnitus-App

Die Therapie könnte eine Alternative zu den konventionellen Behandlungsmöglichkeiten sein, wie Klaus Rupp von der TK erklärte. In klinischen Tests habe sich das Verfahren bei Patienten zwischen 18 und 65 Jahren und einer Tinnitus-Frequenz unter 8500 Hertz bereits als wirksam erwiesen. Nun solle es unter Routinebedingungen erprobt werden. "Das wird unter ärztlicher Kontrolle sein", sagte der HNO-Arzt Dirk Heinrich dem "Hamburger Abendblatt" vom Mittwoch. Tinnitus-Patienten können laut TK auch unabhängig von ihrem Wohnort an dem Test teilnehmen, wenn sie bei einem der Hamburger Ärzte in Behandlung sind.

Die App kann in den App-Stores von Google und Apple von jedem gekauft werden. TK-Kunden bekommen die Kosten in Höhe von 19,90 Euro erstattet. "In unseren Augen bietet sie eine neue digitale Möglichkeit als Alternative zu konventionellen Therapien", sagte der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, dem "Hamburger Abendblatt".

Viele Gesundheits-Apps sind nutzlos oder sogar gefährlich

Gleichzeitig warnte Baas aber, dass es auch viel "Humbug" bei den derzeit angebotenen Gesundheits-Apps gebe. "Idealerweise ist ein Nutzen für Patient und Arzt gegeben." Dies sei zum Beispiel bei einer Diabetes-App der Fall, die der Patientenversorgung diene, nicht aber bei Lifestyle-Produkten.

Aus Datenschutzgründen wird immer wieder vor Gesundheits-Apps gewarnt. Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff warnte im Sommer vor Fitness-Apps, die teilweise sehr sensible Gesundheitsdaten von Versicherten vor allem an private Krankenkassen übermitteln. AFP

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.