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WNV-Infektion

12.09.2018

West-Nil-Virus erreicht Deutschland: 800 Fälle in Europa mit 70 Toten

Das West-Nil-Fieber wird hauptsächlich von Mücken übertragen. Griechische Behörden raten daher, Verdampfer oder andere Mittel gegen Insekten zu nutzen.
Bild: dpa (Archiv)

Das West-Nil-Virus ist nach Italien und Kroatien auch in Deutschland nachgewiesen. In der EU ist die Zahl der Infizierten auf 800 gestiegen. Die Gebiete und Symptome des WNV.

Gesundheitsbehörden haben in diesem Jahr in der Europäischen Union fast 800 Fälle von West-Nil-Fieber bei Menschen registriert. In ganz Europa seien bis Donnerstag mindestens 71 Todesfälle gemeldet worden, teilte das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) am Freitag auf seiner Website mit. Demnach starben an der Viruserkrankung 26 Menschen in Serbien, 13 in Italien, 12 in Rumänien und jeweils einer in Ungarn und im Kosovo. Für Griechenland wurden 18 Tote genannt, das griechische Gesundheitsministerium sprach dagegen am Freitag von 21 Toten.

Erstmals ist in Deutschland das auch für Menschen gefährliche West-Nil-Virus (WNV) bei einem Vogel gefunden worden. Der Erreger des West-Nil-Fiebers wurde bei einem Bartkauz in Halle (Saale) nachgewiesen, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems am Mittwoch mitteilte. Südeuropäische Länder melden derzeit verstärkt tödliche Fälle von West-Nil-Fieber vor allem bei älteren Menschen. In Deutschland tritt die Erkrankung nur sehr selten auf, bisher hatten sich alle Betroffenen im Ausland infiziert.

West-Nil-Virus in Deutschland: Wie landete der Erreger in Halle?

Der Bartkauz sei Mitte August tot in seiner Voliere gefunden worden, hieß es vom FLI. Das West-Nil-Virus infiziert hauptsächlich Vögel, von Stechmücken kann es aber auch auf andere Wirte wie Pferde und den Menschen übertragen werden. Wie der Erreger nach Halle gelangte, sollen nun detaillierte Untersuchungen zeigen. Geprüft wird auch, ob Stechmücken in der Umgebung das Virus in sich tragen.

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In südeuropäischen Ländern erkranken in diesem Jahr vergleichsweise viele Menschen, wie der Epidemiologe Klaus Stark vom Robert Koch-Institut in Berlin sagte. Die Gründe seien unklar, Einfluss hätten zum Beispiel bestimmte Mücken - und Vogelpopulationen sowie das auch dort schon lange anhaltende Sommerwetter.

West-Nil-Virus, Gebiete: Vor allem Italien und Griechenland sind betroffen

Allein in Serbien gibt es seit Jahresbeginn 21 bestätigte Todesfälle, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. In Griechenland starben bisher 16, in Italien mindestens zehn Menschen nachweislich an dem Virus. In den drei Ländern wurden insgesamt rund 400 weitere Infektionen nachgewiesen. Auch aus Rumänien, dem Kosovo, Bosnien, Kroatien, Ungarn und Frankreich wurden bestätigte Fälle gemeldet.

Die tatsächliche Zahl der Infizierten dürfte noch weitaus höher liegen: Die meisten Erkrankten haben keine oder nur harmlose Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen - und gehen deshalb nicht zum Arzt. Bewohnern betroffener Gebiete wurde im griechischen Staatsrundfunk geraten, Verdampfer oder andere Mittel gegen Insekten zu nutzen. 

Von der Infektionswelle sind in Italien vor allem der Norden und Teile Sardiniens betroffen. In Griechenland wurden die meisten Fälle auf der Halbinsel Peloponnes sowie um Athen und Thessaloniki erfasst. In Serbien ist vor allem die Hauptstadt Belgrad betroffen.

Die Symptome des West-Nil-Virus

Typische Symptome von West-Nil-Fieber sind Muskelschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Fieber. Bei etwa einer von 100 Infektionen komme es zu einem schweren, das Gehirn betreffenden Krankheitsverlauf, erklärte RKI-Experte Stark. Ein Teil dieser Erkrankungen ende tödlich.

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts werden deutschlandweit vermehrt tote Wildvögel gefunden - meist am Usutu-Virus verendete. Das West-Nil-Virus ist eng verwandt mit diesem Erreger. Wildvogel-Proben, die an das Nationale Referenzlabor für West-Nil-Virus-Infektionen am FLI geschickt werden, werden stets auf beide Viren untersucht.

Bei Vögeln bleibe eine Infektion mit dem West-Nil-Virus meist symptomlos, erläuterte das Institut. Eine Reihe von Vogelarten sei jedoch empfänglich für den Erreger, so dass es zu massiven Epidemien mit Todesfällen kommen könne. (mit dpa)

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