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Krankschreibung

16.02.2015

Wissenschaftler: Arbeitnehmer sollten sich selbst krankschreiben

34 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland ließen sich im ersten Halbjahr 2014 mindestens einmal krankschreiben.
Bild: Arno Burgi (dpa)

Wer nur wegen eines Attests zum Arzt kommt, kostet diesen unnötig Zeit. Eine Lockerung der Regeln zur Krankschreibung könnte Hausärzte in Zukunft entlasten.

Ab dem vierten Tag einer Krankheit verlangen Arbeitgeber in der Regel eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Doch oft gehen kranke Arbeitnehmer dann nur zum Arzt, um ein Attest für die Krankschreibung zu bekommen. Für die Hausärzte sind diese Besuche eine Belastung. Deshalb soll in Pilotprojekten ein neues Vorgehen zur Krankschreibung getestet werden.

Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" hat Wolfram Hermann, Leiter eines Forscherteams der Universität Magdeburg, betont, dass Hausärzte sich besser um Patienten mit langwierigen Erkrankungen kümmern könnten, wenn die zusätzliche Belastung durch Arztbesuche aufgrund der Attestpflicht wegfallen würde. Deshalb haben die Mediziner vorgeschlagen, die Regeln für Krankschreibungen zu lockern. Beschäftigte sollen sich demnach in Zukunft bis zu einer Woche lang selbst krankmelden können.

Eigenständige Krankschreibung könnte bald fünf Tage umfassen

Bislang brauchen Beschäftigte drei Tage lang keine Krankschreibung vom Arzt, ab Tag Vier aber wollen Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. In Pilotprojekten soll jetzt ausprobiert werden, ob eine Ausweitung der Attest-freien Tage sinnvoll ist.

Zahlen aus Norwegen zeigen nach Angaben von Wolfram Hermann, dass eine Ausweitung der eigenständigen Krankmeldung keine Auswirkung auf die Zahl der Fehltage hat.

CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn ist der neuen Idee gegenüber aufgeschlossen.  "In Deutschland ist die Zahl der durchschnittlichen Arztbesuche auch deswegen so hoch, weil Patienten nur für Rezepte, Verlaufskontrollen oder auch Kurzzeitkrankschreibungen immer zum Arzt müssen", sagte er. Jeder kluge Vorschlag, das zu reduzieren, solle  ergebnisoffen geprüft werden. "Allerdings sollte das die eh schon hohe Zahl an Fehltagen nicht weiter erhöhen."

Die Arbeitgeber dagegen sehen keinen Handlungsbedarf. "Die gesetzlichen Regelungen zu Krankschreibungen haben sich in Deutschland insgesamt bewährt", erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Sie führen nicht zu unnötigen Arztbesuchen." dpa/afp/sh

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