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Corona-Pandemie
09.08.2022

Wann kommt ein Impfstoff gegen Omikron?

Bislang gilt Boostern als bester Schutz gegen Omikron. Doch wann kommen Impfstoffe, die an die Virusvariante angepasst sind?
Foto: Michael Matthey, dpa (Symbolbild)

Omikron ist in Deutschland die vorherrschende Virusvariante. Doch wie gut schützt die Impfung – und wann kommt ein Impfstoff gegen Omikron?

Keine Variante des Coronavirus hat sich bisher so schnell ausgebreitet wie die Omikron-Variante. Immerhin führt die hochansteckende Coronavirus-Version nach aktuellem Wissensstand nicht zu schwereren Krankheitsverläufen. Dennoch ist sie so hochansteckend, dass eine große Gefahr von ihr ausgeht. Zwar hat die Pandemie derzeit ihren Schrecken ein wenig verloren, doch langfristig kann wohl weiterhin nur die Impfung aus der Pandemie helfen.

Stellen sich die Fragen: Schützen alle Impfstoffe gleich gut vor einer Omikron-Infektion? Und wann kommt ein Impfstoff gegen Omikron?

In Deutschland werden Totimpfstoffe eingesetzt

In Deutschland sind bislang die Corona-Impfpräparate der Hersteller Biontech und Pfizer, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson sowie Novavax zugelassen. Bei den Impfstoffen von Moderna und Biontech handelt es sich um mRNA-Impfstoffe, die von Astrazeneca und Johnson & Johnson sind Vektorimpfstoffe und Nuvaxovid vom Hersteller Novavax ist ein Proteinimpfstoff. Alle Präparate können laut Robert Koch-Institut (RKI) mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden. Grund dafür: Sie enthalten keine vermehrungsfähigen Viren.

Video: SAT.1

Doch wirken die zugelassenen Impfstoffe alle gleich gut gegen die neue Virusvariante? Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass dem nicht so ist. Immerhin: Die Booster-Dosis schützt wenige Monate wirksam vor einer Omikron-Infektion, heißt es auf einem Blogeintrag der TU Bergakademie Freiberg.

Bislang bester Schutz gegen Omikron-Variante: Boostern

Derzeit sind sich viele Wissenschaftler und Mediziner einig, dass eine Dreifach-Impfung bislang der beste Schutz gegen Omikron ist. Dr. Rolf Hömke, Forschungssprecher des Verbands forschender Arzneimittelhersteller sagt: „Die Erstimpfung aus zwei Injektionen reicht nicht, aber wenn noch eine Booster-Impfung hinzukommt, dann sind doch so viele Antikörper da, die auch das Omikron greifen, dass man wieder einen guten Schutz hat“. Auch Franz-Xaver Reichl rät als Beauftragter für die biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Booster: „Der optimale Schutz gegen Omikron entsteht erst nach der dritten Impfung.“ Allerdings sei jede Impfdosis, auch wenn es die zweite ist, besser als keine.

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Drosten fordert "Update-Impfung" gegen Omikron

Die Hersteller der bereits in Deutschland zugelassenen Impfstoffe prüfen momentan, wie gut der Schutz gegen Omikron nach der Impfung ihrer Vakzine ausfällt. Der Charité-Virologe Christian Drosten sagte setzt dagegen auf kommende Omikron-Impfungen: „Es wird eine angepasste Impfung geben müssen und wir werden möglicherweise ab dem zweiten Quartal große Teile der Bevölkerung, vielleicht sogar alle, noch einmal mit einer Update-Impfung gegen Omikron versehen müssen.“

Omikron: Hersteller passen Impfstoffe an

Wann aber kann man mit einem eigenen Omikron-Impfstoff rechnen?  Astrazeneca und Novavax wollen ihre Präparate an die Variante anpassen und haben bereits mit der Entwicklung einer Omikron-Version ihrer Impfstoffe begonnen. Das teilte der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen mit. Auch der US-Hersteller Moderna hat im November begonnen, mehrere angepasste Impfstoff-Varianten zu entwickeln und erprobt sie zum Teil an Probanden.

Biontech nannte nun erstmals einen konkreten Zeitpunkt. Das Biotechunternehmen bereitet sich auf die Markteinführung von gleich zwei angepassten Omikron-Impfstoffen vor. Deren Auslieferung könnte im Oktober beginnen.

Eigenes Risiko: Biontecht stellt Omikron-Impfstoff her

Die Mainzer Pharmafirma Biontech und der US-Partnerkonzern Pfizer stellen einen an Omikron angepassten Impfstoff her – jedoch ohne zu wissen, ob das Mittel überhaupt zugelassen wird. Zwar laufen für entsprechende mRNA-Impfstoffe schon Zulassungsverfahren, die europäische Zulassungsbehörde EMA hat aber noch gar nicht erklärt, ob sie an Omikron angepasste Impfstoffe überhaupt für nötig hält.

Der Impfstoff wird also auf eigenes Risiko hin produziert. Bis Ende März oder Anfang April sollen 50 bis 100 Millionen Impfdosen lieferbar sein – bei Bedarf sogar deutlich mehr. Biontech und Pfitzer rechnen damit, dass sie 2022 insgesamt vier Milliarden Dosen Impfstoff herstellen können. Ob der nötig ist, ist jedoch noch unklar. Denn Experten befürchten, dass die angepassten Vakzine für die fünfte Welle zu spät kommen.

Bis die Omikron-Impfstoffe in der Breite verfügbar sind, hat sich vermutlich ein großer Teil der Menschen schon mit der hochansteckenden Variante infiziert.

Dennoch könnten die angepassten Mittel gerade für Risikogruppen wichtig sein, die sich unter keinen Umständen mit dem Virus infizieren sollten. Möglicherweise fordert die EMA keine reinen Omikron-Impfstoffe, sondern solche, die von vornherein besser gegen neu aufkommende Virusvarianten schützen.

Die meisten Totimpfstoffe schützen nicht gegen Omikron

Im EU-Zulassungsprozess befinden sich zurzeit zudem die Totimpfstoffe CoronaVac aus China und VAL2001 aus Europa. In China bereits zugelassen ist ein Totimpfstoff von Sinopharm. Dabei wird der Körper mit Teilen abgetöteter Coronaviren konfrontiert, um eine Immunreaktion auszulösen. Das Problem mit Omikron: Für die aktuellen Totimpfstoffe wurden frühere Varianten von Sars-CoV-2 verwendet – nicht die Omikron-Variante. Die Folge: Totimpfstoffe schützen kaum gegen Omikron.

Totimpfstoff gegen Omikron: Valneva macht Hoffnung

Dennoch hat das französische Biotechnologie-Unternehmen Valneva neueste Labordaten zu seinem sogenannten Totimpfstoff „VLA2001“ veröffentlicht, die Hoffnung geben könnten. Demnach soll das Präparat wirksam gegen die Omikron-Variante sein. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, wiesen in einer Studie nach drei Dosen Vakzin 26 von 30 Proben und damit „87 Prozent neutralisierende Antikörper gegen die Omikron-Variante auf. Die durchschnittliche Verringerung durch Neutralisation im Vergleich zum Stammvirus betrug das 2,7-fache für Delta und das 16,7-fache für Omikron“. Bestätigen sich die Ergebnisse dieser Studie, wäre dies ein weiterer wichtiger Schritt im Kampf gegen das Virus.

Valneva rechnet damit, dass sein Corona-Impfstoff im April von EU zugelassen wird. Das französisch-österreichische Unternehmen geht von einer "bedingten Marktzulassung" für den Impfstoff VLA2001 zur Immunisierung von Erwachsenen im Alter von 18 bis 55 Jahren aus. Das teilte Valneva am 11. März mit. Die Belieferung europäischer Länder solle dann noch im zweiten Quartal 2022 beginnen.

Braucht es wirklich eigene Omikron-Impfstoffe?

Die Angstvor größeren Schäden durch die Omikron-Variante hat die Hersteller also zur Entwicklung von angepassten Impfstoffen inspiriert. Aber braucht es überhaupt einen eigenen Omikron-Impfstoff? Die bisherige Studienlage legt tatsächlich nahe, dass die bisher in der Forschung untersuchten Omikron-Impfstoffe kaum besser wirken als die bisherigen Vakzine. So wurden vier Omikron-Impfstoffe, drei davon mRNA-Wirkstoffe, in unterschiedlichen Studien an Tieren getestet, berichtet das Fachjournal Nature.

Das Ergebnis: Auch wenn die Anzahl der Versuchstiere insgesamt gering war, zeigte sich, dass die neueren Omikron-Impfstoffe "nicht wirklich besser wirken als ein Booster mit einer herkömmlichen Impfung", fasste David Montefiori, Direktor des Labors für AIDS-Impfstoffforschung an der DUKE University in North Carolina gegenüber Nature die Ergebnisse zusammen.

So stellt sich für die Impfstoffhersteller zunehmend die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, einen speziellen Omikron-Impfstoff bis zur Zulassung zu entwickeln. Gerade in Anbetracht der schnellen Entwicklung der aktuellen Welle könnte es durchaus sein, dass Omikron längst überstanden wäre, wenn ein passender Impfstoff verfügbar ist.

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