60-jährige Frau in Aichach erstochen: Anwohner und Nachbarn an Reichenberger Straße reagieren entsetzt
Aichach
„Was, hier?“ Anwohner sind nach Bluttat in Aichach fassungslos
In Aichach wird am Sonntagvormittag an der Reichenberger Straße eine 60-jährige Frau erstochen. Ein 62-jähriger Verdächtiger sitzt in U-Haft. Anwohner reagieren entsetzt.
An der Reichenberger Straße in Aichach wurde nach Polizeiangaben am Sonntag eine 60-jährige Frau in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses erstochen. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter kurz darauf fest. Er sitzt in Untersuchungshaft.Foto: Nicole Simüller
Still ist es an der Reichenberger Straße in Aichach. Wo am Sonntagvormittag und -nachmittag noch viele Fahrzeuge von Polizei und Rettungsdienst für Aufsehen sorgten, ist am Montag kaum jemand zu sehen. Ab und zu zieht ein Anwohner eine Mülltonne auf die Straße. Am Dienstag werden die Restmülltonnen geleert. Doch das, was hier tags zuvor in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses geschah, treibt die Anwohnerinnen und Anwohner um. Hier kam am Sonntag eine Frau bei einer grausigen Bluttat zu Tode.
Gegen 10.30 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein. Wie das Polizeipräsidium Schwaben-Nord berichtet, waren Polizei und Rettungsdienst schnell vor Ort. Dort fanden sie eine leblose 60-jährige Frau mit mehreren Stichverletzungen.
Frau in Aichach erstochen: Zahlreiche Nachbarn bekamen den Polizeieinsatz mit
Die Polizei leitete eine Fahndung ein und nahm nur wenig später gegen 12 Uhr den mutmaßlichen Täter fest. Laut Polizei handelt es sich um einen 62-jährigen Bekannten der Frau. Der Mann wurde am Montagnachmittag einem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Augsburg vorgeführt. Dieser setzte den Untersuchungshaftbefehl wegen Totschlags in Vollzug. Der Tatverdächtige sitzt nun in einer Justizvollzugsanstalt in U-Haft. Die Kriminalpolizei Augsburg hat die Ermittlungen übernommen. Sie ermittelt gegen den 62-Jährigen wegen eines Tötungsdeliktes.
Die Betroffenheit über die Ereignisse ist an der Reichenberger Straße und in der nahen Nachbarschaft am Montag groß. Eine Anwohnerin und ein Anwohner unterhalten sich über einen Zaun hinweg über den Vorfall. Die Frau bekam den Polizeieinsatz am Sonntagvormittag mit: „Ich bin gleich aus dem Haus gegangen und habe die Polizei gefragt, ob was Gefährliches ist.“ Viele Leute seien zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Straße gestanden. Die Polizei habe gesagt, dass keine Gefahr bestehe. „Aber wir wussten lange erst mal nichts.“
Anwohnerin: Mutmaßlicher Täter fiel schon früher durch eigenartiges Verhalten auf
Gegen Mittag habe es die ersten Gerüchte gegeben. „Schockiert“ sei sie, dass es hier zu so einer schlimmen Tat gekommen sei, sagt die Anwohnerin. Sie kennt den mutmaßlichen Täter laut eigener Aussage vom Sehen. Dieser sei in der Vergangenheit bereits mehrfach durch eigenartiges Verhalten aufgefallen, berichtet sie. Dennoch hätte sie nie gedacht, dass eines Tages so etwas passieren könne.
Eine junge Frau läuft mit einem Handy in der Hand die Reichenberger Straße entlang. Sie sei gestern aus dem Urlaub zurückgekehrt, berichtet sie. Da seien die Polizeieinsätze schon vorbei gewesen. Nachbarn hätten ihr erzählt, was passiert sei. „Da habe ich erst mal Panik gehabt.“
Anwohner reagiert fassungslos auf Verbrechen: „Was, hier? Dort drüben?“
Ein Anwohner, der an der Straße gegenüber gerade unter der Kühlerhaube seines Transporters hantiert, erzählt, dass er lediglich ein Polizeiauto und einen Rettungswagen gesehen habe. Vom Tod der Frau erfährt er durch das Gespräch mit unserer Redaktion. Der Mann kann es nicht glauben: „Was, hier? Dort drüben?“, fragt er und schüttelt fassungslos den Kopf. Obwohl die sogenannten „Blauen Häuser“, die längst nicht mehr blau sind, auf der anderen Straßenseite des Plattenbergs stehen, bekomme er von dort nichts mit, sagt er.
Am Sonntagvormittag gab es einen größeren Polizeieinsatz in Aichach in der alten Mädchenschule an der Ecke Schulstraße/Martinstraße. Die Polizei suchte dort wohl nach dem Mann, der eine 62-jährige Frau erstochen haben soll. Foto: Carmen Jung
Getötete Frau war offenbar die Partnerin des mutmaßlichen Täters
Die alte Mädchenschule dient heute unter anderem als Sozial- und Obdachlosenwohnhaus. Am frühen Nachmittag berichteten Bewohner unserer Redaktion, dass ein knappes Dutzend Polizeikräfte jemanden gesucht habe, der zwar nicht in dem Gebäude wohne, dort aber gelegentlich zu Besuch gewesen sei. Die Polizei habe den Gesuchten jedoch nicht im Haus angetroffen. Dieser lebte nach Informationen unserer Redaktion in den „Blauen Häusern“ an der Reichenberger Straße, wo die Tat geschah. Die zu Tode gekommene Frau war offenbar seine Partnerin, wohnte aber nicht bei ihm.
Die „Blauen Häuser“ waren 1996 von der Kreiswohnbau errichtet worden. Später übergab sie sie an die Baugenossenschaft. Diese sanierte die soziale Wohnanlage mit 48 Wohnungen und steckte eine Menge Geld hinein – um ihr äußeres Erscheinungsbild ebenso zu ändern wie ihr schlechtes Image. Später übernahm sie dort zudem ein Reihenhaus. Noch immer gibt es in der Wohnanlage ein Quartiersmanagement. Damit hätten sich die Verhältnisse „deutlich gebessert“, sagt der geschäftsführende Vorstand Robert Englmeier, der am Montag von dem Vorfall erfuhr. Die Mitarbeiterin sei viel vor Ort und nehme sich auch der Kinder stark an. Sie werde in den nächsten Tagen voraussichtlich das Gespräch mit den Anwohnerinnen und Anwohnern suchen, um Ängste zu nehmen und Sorgen vorzubeugen. (mit jca)
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