"Wir machen auf" steht groß auf den gelben oder schwarzen Plakaten. Dem "Auf" folgt kleiner geschrieben der Zusatz "merksam". Denn Aufmachen, das dürfen die Läden derzeit wegen der Corona-Beschränkungen nicht. Die Aktion soll deshalb mit Plakaten und Beiträgen in sozialen Medien wie Facebook und Instagram auf die schwierige Lage der Mode-, Sport- und Schuhhändler hinweisen. Entstanden ist die Kampagne in Aichach: in der Werbeagentur Now Communication.
Inhaber Günter Nowodworski sagt: "Wir wollen mit der Aktion auf die prekäre Situation im Handel aufmerksam machen." Die Lager seien voll mit Winterware, die Türen geschlossen, die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in keiner Weise ausreichend und die Frühjahrsware werde bereits ausgeliefert. Trotz leerer Kassen müssten die Händler die neue Ware nun bezahlen und könnten das vielfach nicht. "65 Prozent der stationären Händler in Deutschland sehen sich in ihrer Existenz unmittelbar bedroht", so Kommunikationswirt Nowodworski. Dies treffe auch auf jene zu, die bereits online verkaufen, denn mehr als zehn Prozent der Umsätze sei für die allermeisten der Händler online nicht zu erzielen. Dort würden die großen Plattformen wie Zalando, Amazon und Asos dominieren.
Die Ladentüren bleiben auch in Aichach zu
"Wenn der Handel nicht öffnen darf und der Staat nicht stärker hilft, sterben die Innenstädte, wie wir sie kennen", orakelt Nowodworski. Die Kampagne soll darauf aufmerksam machen. Niemand öffne tatsächlich, betont Nowodworski. Am Montag, 11. Januar, um 11 Uhr, würden die Händler, die sich beteiligen wollen, lediglich kurz die Türen aufsperren, das Aktionsplakat anbringen und sich davor fotografieren. Dieses Bild werde dann in den sozialen Netzen hochgeladen. Niemand dürfe die Läden betreten und dort einkaufen.
"Wir stehen voll hinter den staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus und halten uns selbstverständlich an alle Gesetze penibel", erklärt Günter Nowodworski, der an der dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn doziert. Bei Demonstrationen sei die Gesundheit nicht gewährleistet, deshalb erfolge die Aktion lediglich über die sozialen Netzwerke, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Aichacher Kampagne setzt auf Gleichbehandlung mit der Gastronomie
Das hat sie bereits: Über die Kampagne berichteten bereits Fach-Publikationen wie "Werben & Verkaufen" oder "Textilwirtschaft". Nähere Informationen gibt es auf einer eigens für die Aktion gestaltete Internetseite. Auf dieser Seite wird Gleichbehandlung mit der Gastronomie gefordert und ebenso die Wiederöffnung des derzeit geschlossenen lokalen Einzelhandels. "Alternativ fordern wir angemessene Entschädigungen", heißt es auf der Seite weiter.
Die Aktion wird auch in Aichach umgesetzt und findet laut Nowodworski die Zustimmung der Aktionsgemeinschaft Aichach (AGA). "Wir sind dabei", bestätigt Susanne Müller vom Modegeschäft Lieblingsteil, die die Onlinebeiträge ebenfalls geteilt hat ebenso wie Nina Burkhard von Mode Burkhard.
Now Communication hat die Aktion "Wir machen auf-merksam" gemeinsam mit Uwe Bernecker, Inhaber des Frankfurter Modelabels Funky Staff, initiiert. Die Aichacher Werbeagentur arbeitet seit 25 Jahren für die Mode-, Sport- und Schuhbranche, in den Anfangsjahren auch für Mea Meisinger aus Aichach. (AZ)
Lesen Sie dazu auch:
- Bestellen und abholen: Was Einzelhändler zu "Click & Collect" sagen
- Corona: Einzelhändler und Schulen im Landkreis bereiten sich auf Lockdown vor
- So geht es Gastronomen im Wittelsbacher Land im zweiten Lockdown