Notbetreuung, Schichtmodelle, Kurzarbeit oder das Schutz- und Hygienekonzept bestimmten bei der Lebenshilfe im vergangenen Jahr die tägliche Arbeit. Aktuell finde in allen Einrichtungen annähernd wieder eine Art Regelbetrieb statt, sagte Vorsitzende Inge Minich am Donnerstag bei der Mitgliederversammlung. Es war ihre erste Versammlung als Vorsitzende der Einrichtung. Sie berichtete von einigen Veränderungen, einem großen Bauprojekt für die Elisabethschule und einem anstehenden Jubiläum: Im kommenden Jahr wird die Lebenshilfe im Landkreis 50 Jahre alt.
Die drei schulvorbereitenden Gruppen, die es seit September vergangenen Jahres in der Sonderpädagogischen Tagesstätte gibt, sind voll belegt. Sie sind in der Edith-Stein-Schule untergebracht. Die vergrößerte Schulgruppe hatte bisher in der Schulstraße bei der Berufsschule ihre Heimat. Die Vorsitzende sagte: "Im Laufe der Zeit hat sich immer mehr gezeigt, dass die vorhandenen Räume und Kapazitäten kaum ausreichen." Verstärkt wurde das durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auflagen. Die Lösung war die Anmietung eines Gebäudes in der Acherstraße in Aichach.
Viele Anfragen und Neuaufnahmen bei Tagesbetreuung
Viele Anfragen und Neuaufnahmen gab es bei der Tagesbetreuung von Menschen aus dem Autismusspektrum (Tass). Die Zahl der betreuten Klienten stieg innerhalb eines Jahres von 24 auf 32 an. Um dem gerecht zu werden, habe man ein weiteres Gebäude in Aichach angemietet, berichtete die Vorsitzende. Eine große Veränderung steht ab dem kommenden Jahr an. Der Bezirk Schwaben stimmte vor einigen Monaten zu, die Tass als eigenständige Einrichtung der Lebenshilfe zu führen. Bisher arbeitete die Tass im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Ulrichswerkstatt Aichach zusammen.
Langsam aber sicher kann ein anderes Projekt realisiert werden: Der Bau eines Hauses mit fünf Wohnplätzen für das ambulant unterstützte Wohnen von geistig behinderten Menschen an der Wallbergstraße. Die bisherigen Planungen hätten immer wieder angepasst werden müssen, erklärte die Vorsitzende. Sie war zuversichtlich: "Mit der überarbeiteten Fassung dürften alle Vorgaben eingehalten werden." Sie ging davon aus, dass das neue Gebäude im Laufe des Jahres 2022 bezugsfertig sein werde.
Machbarkeitsstudie: Teilabriss der Schule und dafür ein mehrstöckiges Gebäude
Die Erweiterung der Elisabethschule ist ein großes Projekt, das die Lebenshilfe im Laufe des kommenden Jahres angehen will. Die Schule ist ein staatlich anerkanntes privates Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Unterrichtet werden dort Kinder und Jugendliche, die zu ihrer individuellen Lebensbewältigung eine spezielle, intensive und umfassende Förderung benötigen. Um ein zukunftsträchtiges Gesamtkonzept zu entwickeln, habe man sich nach Gesprächen mit der Regierung von Schwaben dazu entschlossen, eine Machbarkeitsstudie durchführen zu lassen, sagte Minich. "Die Ergebnisse dieser Studie sind sowohl beim Vorstand als auch bei der Regierung von Schwaben auf große Zustimmung gestoßen." Das neue Konzept sieht nun einen Teilabriss der Schule vor, um an dem Platz ein mehrstöckiges Gebäude zu bauen, das den gesamten Raumbedarf abdecken soll. Die Genehmigung für das neue Raumprogramm liege seit kurzem vor, teilte die Vorsitzende mit. Im nächsten Schritt wird nun ein Entwurf ausgearbeitet.
Das ist die Lebenshilfe Aichach-Friedberg
Vorstand: Vorsitzende Inge Minich, Stellvertreterin Barbara Simmeth, Schatzmeister Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann, Schriftführerin Sophie Behmenburg.
Beiräte: Jürgen Aidelsburger, Willibald Augustin, Hermann Kefer, Susanne Reiner-Kelleter, Julia Teynor.
Mitglieder: 307 (Stand 31. Dezember 2020).
Personal: 273 überwiegend Teilzeitbeschäftigte, davon 22 staatlich besoldet.
Einrichtungen: Kinderhaus mit integrativer Krippe (13 Kinder), integrativem Kindergarten (32 Kinder) und integrativem Hort (32 Kinder), Elisabethschule (129 Schüler), Schulvorbereitende Einrichtung (SVE-G) (28 Kinder), Heilpädagogische Tagesstätte (116 Klienten), Sonderpädagogische Tagesstätte (40 Klienten), Wohnheim (29 Bewohner), Außenwohngruppe (5 Bewohner), Ambulant unterstütztes Wohnen (14 Bewohner), TASS (Tagesstruktur für Menschen aus dem Autismusspektrum) (32 Klienten).
Spenden: Im vergangenen Jahr erhielt die Lebenshilfe rund 53.000 Euro Spenden sowie Bußgeld in Höhe von 50.000 Euro.(drx)
Die Auswirkungen der Pandemie zeigten sich in der Lebenshilfe am deutlichsten im Bereich der Offenen Hilfen. "Viele Angebote und Maßnahmen konnten nicht stattfinden", so die Vorsitzende. Nur langsam konnten erste Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Eine weitere Folge der Pandemie war und ist, dass der große Pool an Helferinnen und Helfern deutlich zurückgegangen ist. Minich sagte: "Eine Verbesserung zeichnet sich nur langsam ab."
Leichtes Plus in der Kasse: Rücklagen steigen
Auch finanziell spürte die Einrichtung die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Geschäftsführer Konrad Schwegler sagte: "Sie hat Spuren hinterlassen in einzelnen Bereichen. Wir konnten das aber ganz gut auffangen." Das vergangene Geschäftsjahr schloss er mit einem leichten Plus ab und konnte sogar die Rücklagen um rund 13.000 Euro aufstocken. Schwegler sagte: "Unter den schwierigen Rahmenbedingungen ist es ein Ergebnis, mit dem wir sehr zufrieden sein und mit Zuversicht in das laufende Jahr blicken können."
Im nächsten Jahr steht bei der Lebenshilfe im Landkreis ein Jubiläum an. Dann ist es 50 Jahre her, dass sie gegründet wurde. Vorsitzende Minich zu den Plänen: "Wir wollen uns mit unserer ganzen Vielfalt und Kompetenz präsentieren."