Blond, hübsch und intelligent – für manche ist das ein Widerspruch. Die 23-jährige Bettina Müller aus München vereint alle drei Attribute. Die gebürtige Aichacherin ist nicht nur Model aus Leidenschaft, sondern studiert Lehramt für Gymnasium (Anglistik und Wirtschaftswissenschaften) an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Dass sie heute als Model arbeitet, hat sie ihrer Mutter zu verdanken. „Das, was die Mädchen im Katalog können, das kannst du auch“, waren die Worte ihrer Mutter, als die damals 17-jährige Bettina auf der Suche nach einem Job war, um ihr Taschengeld aufzubessern. Zuerst skeptisch, da sie sich mit 1,72 Metern zu klein fürs Modeln hielt, beschloss sie, es trotzdem zu versuchen. Mit einer Freundin schoss sie Fotos vor dem heimischen Holzhaufen und schickte diese an alle Modelagenturen in München. Diese lehnten sie jedoch ab – wie befürchtet mit der Begründung, sie sei zu klein. Eine einzige Agentur sah das anders und so bekam Bettina ihren ersten Job: ein Shooting in Salzburg.
Dabei begleitete sie ihre Mutter, da diese der Branche noch nicht ganz vertraute. Bettina erinnert sich an ihren ersten Einsatz: „Das Posing war anfangs noch richtig spannend. Ich habe andere beobachtet und selbst zu Hause geübt, bis es zur Routine wurde.“ Die anfängliche Euphorie, sich im Fernsehen, auf Plakaten oder im Katalog wiederzuerkennen, hat bei Bettina inzwischen jedoch etwas abgenommen. Für sie ist Modeln nun ein Job, mit dem sie sich ihr Studium, ihre Reisen und ihren Lebensunterhalt in München finanziert. Sie betont: „Es ist mir wichtig, finanziell unabhängig von meiner Mama sein zu können.“
Die 23-Jährige schwärmt von ihrem Job
Mit leuchtenden Augen schwärmt die 23-Jährige von der Abwechslung in ihrem Job, denn durch die Arbeit mit verschiedenen Kunden variieren auch die Teams, mit denen sie arbeitet. So lerne sie ständig neue Leute kennen: aus der Modebranche wie aus der Industrie. Den Vorwurf, dass viele Leute in der Branche oberflächlich seien, weist Bettina zurück: „Die gibt es auch, wie überall. Aber die meisten haben studiert oder eine Ausbildung, sind jedoch extrovertiert und lieben die Selbstdarstellung, was nach außen hin oft oberflächlich wirkt.“
Besonders begeistert ist sie von ihrer Freiheit, ihre eigene Chefin zu sein: „Wenn ich eine Anfrage bekomme, kann ich selbst entscheiden, ob ich den Job annehmen möchte.“ Anfangs noch froh darüber, einen Job im Monat zu ergattern, lässt sie sich heute mehrmals die Woche ablichten. Sie stand bereits für Firmen wie Erima, Samsung oder Planet Sports vor der Kamera. Laufstegshows hingegen läuft Bettina wegen ihrer Größe sehr selten. Sie ist ein kommerzielles Model, mit dem sich die Menschen in der Werbung identifizieren sollen.
Bei ihren vielen Terminen, Reisen und Pflichtveranstaltungen an der Universität kann es für Bettina schon einmal stressig werden, Zeit für Freunde und Familie zu finden. „Ohne meinen Terminkalender und mein Handy geht gar nichts, Zeitmanagement ist alles in diesem Beruf“, stellt die 23-Jährige klar. Ihre Familie als Basis ist ihr dennoch sehr wichtig: „Wenn ich nach Aichach komme, kann ich einfach abschalten und runterkommen.“
Bettina sieht Modelshows im Fernsehen kritisch
Von Modelshows im Fernsehen hält Bettina relativ wenig. „Sie übermitteln ein falsches Bild des normalen Modelalltags“, kritisiert sie. Bei Castings zicke sich niemand an und ausgefallene Shootings wie bei „Germany’s Next Topmodel“ seien die Ausnahme. Meist stehen auf der Tagesordnung 50 verschiedene Outfits, die nacheinander im Akkord durchfotografiert werden. Das dauert manchmal bis zu zehn Stunden. Modeln ist daher kein Traumjob für jeden: „Man muss ständig funktionieren, oft ohne Pause. Auch nach sechs Stunden muss man noch fähig sein, das allerschönste Lächeln zu zeigen.“ Gutes Aussehen alleine reicht nicht. Die Agenturen und deren Kunden achten neben Charakter, Persönlichkeit und Ausstrahlung auch auf Zuverlässigkeit und Professionalität.
Um dem Ganzen noch ein i-Tüpfelchen aufzusetzen, steckt Bettina ihr Herzblut nun in ihr neuestes Projekt: ihren Blog „Honestly“. Dort veröffentlicht sie Texte über ihre Erfahrungen, die Kleinigkeiten des Alltags und regt zum Nachdenken an. „Ich wollte nicht den tausendsten Modeblog machen, sondern Anreize und andere Perspektiven auf das Leben geben, damit die Leute wieder mehr in sich hineinspüren“, erklärt die 23-Jährige. „Wenn es auch nur einem Menschen hilft, bin ich schon zufrieden.“ Bewusst hat Bettina ihren Instagram-Account verlinkt, damit die Leser sehen können, wer hinter den Worten und Bildern steckt.
Auch wenn sie gut im Geschäft ist: Hauptberuflich zu modeln kann sich Bettina nicht vorstellen: „Ich mag das ganze Modezeug wirklich gerne, doch ich brauche den geistigen Input, das Bücherlesen und Diskutieren mit anderen. Die Balance zwischen beidem ist das Beste für mich.“
Ihr wollt mehr über Bettina erfahren? Ihr findet sie auch im Internet:
Instagram: bettina.miller
Blog: www.honestly.love
Facebook: Bettina Müller