Aichach-Klingen Mit gemischten Gefühlen war das Weihnachtsfest der Familie Pfisterer im Aichacher Stadtteil Klingen verbunden. Noch immer sehr präsent sind die Erinnerungen an den Heiligabend vor einem Jahr. Kurz vor Weihnachten machte sie damals ein Brand von einem Tag auf den anderen praktisch obdachlos. Heuer hat die vierköpfige Familie den Heiligabend im neu gebauten Haus gefeiert – obwohl es noch nicht ganz bezugsfertig ist. „Hauptsache daheim“ war der Gedanke, der sie das ganze Jahr über begleitete.
Einige Szenen, die sich in der Nacht zum 15. Dezember abspielten, haben sich ins Gedächtnis von Familienvater Andreas Pfisterer eingebrannt. Zum Beispiel die Schreie der heute 17-jährigen Lena, die das Prasseln des Feuers im Anbau als erstes bemerkte und ins Schlafzimmer der Eltern stürzte. Oder wie seine Mutter, die ein paar Häuser weiter wohnt, im Schlafanzug die Straße entlang gerannt kam.
Defekte Batterie des Rasenmähers war Brandursache
Eine defekte Batterie des Rasenmähers war die Brandursache, stellte die Kriminalpolizei später fest. Das Feuer zerstörte damals nicht nur den kompletten Anbau, in dem der Rasenmäher stand. Auch das Wohnhaus war ein Totalschaden. Bis auf die Mauern stand praktisch nichts mehr. Außer ein paar Ordnern mit wichtigen Unterlagen, dem Laptop und den Handys mit den gespeicherten Daten konnte die Familie fast nichts retten.
Es war ein traumatisches Erlebnis, das die Vier noch immer nicht ganz verarbeitet haben. Zehn Jahre lang hatten sie an „ihrem“ Heim, einem 70 Jahre alten Häuschen an der Deutschherrnstraße, gebaut und gearbeitet. Die Pflasterarbeiten im Sommer 2015 waren der Abschluss der Arbeiten. Dann kam das Feuer und vernichtete alles.
Familie, Freunde, Bekannte und Vereine halfen der Familie
Familie, Freunde, Bekannte und die Ortsvereine unterstützten die Pfisterers danach von Anfang an. Das half den Vieren, dieses schwierige Jahr zu überstehen. Feuerwehr und Vereine stifteten der Familie, die vorläufig bei den Eltern von Monika Pfisterer in Affing wohnte, zum Beispiel einen kleinen Weihnachtsbaum. An ihm hingen Gutscheine und Geschenke für die Kinder. Die Organisatoren des Klingener Glühweinmarktes spendeten der Familie den Reinerlös.
Einen Teil des Geldes steckte die Familie in den Kauf eines Wohnwagens, den sie auf dem Grundstück aufstellte. Der 40-jährige Familienvater erzählt: „Wir wollten etwas haben, um hier bleiben zu können.“ Bis auf eine Woche, in der sie Urlaub machten, waren Monika und Andreas Pfisterer und die beiden Kinder jeden Tag in Klingen. Die heute sechsjährige Isabella ging weiterhin in den Ecknacher Kindergarten und Lena hatte ihr Abschlussjahr an der Schule.
Alltag machte immer wieder deutlich, was fehlt
Erst so nach und nach realisierte die Familie, was sie alles verloren hatte. Gerade Kleinigkeiten, wie der fehlende Schneebesen beim Kochen oder der Rasierapparat, der neu gekauft werden musste, führten ihnen das im Alltag immer wieder vor Augen. Isabella schläft momentan in einem geschenkten Prinzessinnenbett im Zimmer der Eltern. Das würde sie am liebsten auch nach dem Einzug ins neue Haus als Alternative zu ihrem eigenen Zimmer so beibehalten.
Einen Ratschlag, den die Pfisterers kurz nach dem Brand bekamen, haben sie von Anfang an beherzigt: nach vorne schauen und sich nicht mit der Vergangenheit befassen. Auch ohne diesen Rat wäre eines für sie nie in Frage gekommen: das abgebrannte Haus wieder aufzubauen. Die 38-jährige Monika Pfisterer dazu: „Da hätte keiner von uns wieder einziehen wollen.“ Auch wenn sie für den Neubau, zusätzlich zu den noch vorhandenen Schulden, einen weiteren Kredit aufnehmen mussten. Der Neubau ist für die Familie ein Neuanfang. Ganz losgelassen haben sie das frühere Haus allerdings noch nicht. Der alte Hausschlüssel hängt nach wie vor am Schlüsselbund und auch die alte Haustüre ist noch da.
Das neue Haus ist ein Fertighaus
Das neue Haus ist ein Fertighaus. Innerhalb von einem Monat hätten sie einen Marathon hingelegt, um sich ein Haus auszusuchen, erinnert sich der Familienvater. Parallel zu den vielen Telefonaten und nervenaufreibenden Arbeiten, die der Brand mit sich brachte. Die Firma, für die sich die Familie dann entschied, zog den Bau des Hauses vor, damit die Pfisterers möglichst schnell wieder ein eigenes Dach über dem Kopf haben.
Mitte Januar ist die Schlüsselübergabe. Einziehen will die Familie, die momentan im Wohnwagen und provisorisch im Haus wohnt, dann auf jeden Fall. Auch, wenn noch nicht alle Restarbeiten erledigt sind. Den Wohnwagen wollen die Pfisterers trotzdem auf jeden Fall behalten. Er ist ihnen im Laufe dieses Jahres ein Stück Heimat geworden.