Es ist dem 19-Jährigen sicher nicht leicht gefallen. Er wirkte beklemmt, als er gestern als wichtigster Zeuge vor dem Amtsgericht Aichach saß. Auf der Anklagebank neben ihm redete sich der Beschuldigte immer weiter in Rage. Angeklagt war der Vater des 19-Jährigen.
Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, seinem Arbeitgeber, einem Metallbauunternehmer, einen Laptop gestohlen zu haben. Am Ende wurde der vorbestrafte 42-Jährige zu vier Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.
„Mein Vater wollte, dass ich den Laptop klaue, das habe ich nicht gewollt“, sagte der 19-Jährige. Also habe es der Angeklagte selbst gemacht. Der junge Mann im Zeugenstand erzählte bereitwillig über den Fall – von den Anstiftungsversuchen, vom Diebstahl, von vergeblichen Bemühungen, das Passwort zu knacken, von dem Freund, der dabei half. Seinen Worten zufolge, hat sein Vater das Gerät nach dem Diebstahl im Dezember 2009 mit auf eine Reise in die Türkei genommen und dort gelassen. Der Diebstahl wurde vermutlich im November 2009 begangen. Aufgedeckt wurde er aber erst im Januar 2010. Der Arbeitgeber des Angeklagten sagte gestern im Zeugenstand aus, dass ihn dessen Schwester an einem Abend Ende Januar 2010 gegen 23 Uhr angerufen habe.
Sohn packt aus und Vater verliert den Arbeitsplatz
Sie habe ihm von den Diebstählen erzählt und dass der Sohn des Angeklagten, der bei dem Metallbauer eine Ausbildung macht, jetzt mit ihm reden wolle. „Am nächsten Tag ist der Sohn dann zu mir gekommen und hat mir alles erzählt“, sagte der 33-Jährige. Es folgten die Entlassung des Angeklagten und einige Tage später eine Anzeige wegen Diebstahls.
Schon vor dem Laptop soll der 42-Jährige in der Firma mehrere Werkzeugkoffer und Bohrmaschinen geklaut haben, die sein Sohn zum Teil zurückgebracht hat. Den Rest entdeckte der Arbeitgeber bei einem Hausbesuch im Keller seines Angestellten.
Vom Angeklagten war in der Verhandlung immer wieder zu hören, dass sein Vater und seine Schwester sich gegen ihn verschworen hätten. „Mein Sohn arbeitet mit mir zusammen, das will meine Familie nicht“, sagte der 42-Jährige. Er lebt von seiner Frau geschieden und liegt mit seinem Vater und seiner Schwester im Streit.
Sohn und Arbeitgeber
waren glaubwürdiger
Für das Gericht waren die Aussagen des Sohnes und des Arbeitgebers glaubwürdiger. Richter Dieter Gockel verhängte vier Monate Haft ohne Bewährung. Zu diesem Urteil kam es, weil der Angeklagte noch unter Bewährung stand. Staatsanwältin Stefanie Marder hatte in ihrem Plädoyer sogar 6 Monate Haft gefordert.