Aichach: Wohnen statt Autos: Großes Bauprojekt in exponierter Lage
Aichach
Wohnen statt Autos: Großes Bauprojekt in exponierter Lage
Wo jetzt noch ein Autohaus an der Schrobenhausener Straße in Aichach steht, sollen Mehrfamilien- und Reihenhäuser entstehen. Auch sozialer Wohnungsbau ist Thema.
Auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Aichach an der Schrobenhausener Straße ist ein großes Bauprojekt geplant. Vier mehrgeschossige Gebäude und bis zu neun Reihenhäuser sollen hier entstehen.Foto: Erich Echter
Ein großes Bauprojekt ist an der Schrobenhausener Straße in Aichach geplant. Auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Aichach sollen vier Mehrfamilienhäuser und bis zu neun Reihenhäuser entstehen. Der Bauausschuss des Aichacher Stadtrats hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, für das Projekt einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Bis zu einem Baubeginn wird also noch geraume Zeit vergehen.
Ein Sockelgeschoss mit Gewerbeeinheiten
Das Autohaus Aichach hat im Dezember 2019 geschlossen. Auf dem 4590 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Schrobenhausener Straße und Krankenhausstraße will der Eigentümer nun vier mehrgeschossige Häuser bauen, wie Bauamtsleiterin Carola Küspert im Ausschuss erläuterte. Alle vier sind mit zwei Vollgeschossen und einer zurückgesetzten Dachetage geplant. Ein Sockel soll den Höhenunterschied zwischen der Schrobenhausener Straße und der Krankenhausstraße überbrücken. Insgesamt sollen in den Gebäuden etwa 43 Wohnungen unterschiedlicher Größe entstehen, acht bis zehn Wohnungen davon als sozialer Wohnraum. In dem Sockelgeschoss sollen eine Tiefgarage und zur Schrobenhausener Straße hin Gewerbeeinheiten Platz finden.
Auf dem Gelände des Autohauses Rapp ist ein großes Bauprojekt geplant. Das Modell mit Blick stadtauswärts zeigt die geplante Bebauung hellere Gebäude mit vier Mehrfamilienhäusern und zwei Reihenhauszeilen mit insgesamt bis zu neun Häusern. Links neben den Reihenhäusern liegt der Frischemarkt Osso, links verläuft die Schrobenhausener Straße, oben - hinter den mehrgeschossigen Gebäuden - die Krankenhausstraße.Foto: Claudia Bammer
Auf einem weiteren Grundstück südöstlich des Osso-Frischmarktes, das an die Weißstraße angrenzt, sehen die Pläne zwei Reihenhauszeilen mit insgesamt bis zu neun Häusern vor, die versetzt angeordnet sein sollen. Auch die Reihenhäuser sollen zwei Vollgeschosse und eine zurückgesetzte Dachebene haben. Angefahren werden sollen die beiden Grundstücke über die nördliche Schrobenhausener Straße und über die südliche Weißstraße.
Sozialer Wohnraum auch auf städtischem Grund
Auch die Stadt selbst könnte in dem Bereich aktiv werden: Auf dem angrenzenden städtischen Parkplatz entlang der Schrobenhausener Straße wäre laut Carola Küspert ein lang gezogenes, zwei- bis dreigeschossiges Gebäude für sozialen Wohnraum denkbar. Weil bei einem solchen Projekt eine Tiefgarage wirtschaftlich schwer darstellbar sei, könnten die vorhandenen Stellplätze überbaut und somit weiterhin zur Verfügung stehen, so die Bauamtsleiterin. Bauen könnte dort die Baugenossenschaft Aichach. Wie Küspert berichtete, habe diese schon Interesse bekundet. Sie schlug vor, das Grundstück gleich mit aufzuplanen.
Vier mehrgeschossige Gebäude und bis zu neun Reihenhäusern sollen auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Aichach entstehen. Hier der Blick an der Schrobenhausener Straße stadtauswärts. Foto: Stadt Aichach
Dass auf dem Autohaus-Gelände in exponierter Lage an der Stadteinfahrt von Norden her gebaut werden soll, stieß im Bauausschuss auf positive Resonanz. Insbesondere, dass auch der soziale Wohnungsbau berücksichtigt wird, gefiel zum Beispiel Kristina Kolb-Djoka (SPD). Insbesondere die Freie Wählergemeinschaft (FWG) wollte aber die Planung für das städtische Grundstück lieber getrennt behandeln.
Einige wollen das städtische Grundstück lieber separat aufplanen
Georg Robert Jung fehlten genauere Informationen zu den Konditionen, zu denen die Baugenossenschaft bauen würde. Er verwies auf die kürzlich beschlossene Erweiterung des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) auf die Schrobenhausener Straße. Solange das noch nicht so weit gediehen sei, sei es eine zweischneidige Sache, dort zu planen, meinte er. Marc Sturm befürchtete er, dass der soziale Wohnungsbau dort, sollte das größere Projekt aus irgendeinem Grund nicht verwirklicht werden, zu einer "Abwertung des Quartiers" führen könnte. Er plädierte deshalb dafür, erst die Autohaus-Grundstücke aufzuplanen, und erst in einem zweiten Schritt das städtische Grundstück. Er sah zudem Probleme bei der Kostenaufteilung.
Vier mehrgeschossige Gebäude und bis zu neun Reihenhäuser sollen auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Aichach entstehen. Hier der Blick an der Schrobenhausener Straße stadteinwärts. Foto: Stadt Aichach
Bürgermeister Klaus Habermann konnte ebenso wie Helmut Beck (CSU) in einer gleichzeitigen Aufplanung keinen Nachteil sehen. Deshalb sei ja noch nicht gebaut, so Habermann. Ender Aydin vom Bauamt erläuterte, bei einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan müsse das Gelände in absehbarer Zeit bebaut werden. Für das städtische Grundstück werde ein qualifizierter Bebauungsplan aufgestellt. "Städtebaulich könnte man jetzt aus einem Guss planen", plädierte er für den größeren Umgriff.
Gebaut wird wohl nicht vor 2023
Der Ausschuss beschloss schließlich mit 8:3 gegen die Stimmen von Jung, Sturm und Erich Echter von der Christlichen Wählergemeinschaft (CWG) den größeren Umgriff für den Bebauungsplan mit dem städtischen Parkplatz-Grundstück. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis erging die Beschlussempfehlung an den Stadtrat, den Bebauungsplan aufzustellen.
Bis dort gebaut wird, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Bauamtsleiterin Carola Küspert rechnet wegen der Dauer des Bebauungsplanverfahrens nicht mit einem Baubeginn vor 2023.