Schüler mobben eine Mitschülerin. So etwas passiert heute nicht mehr nur analog auf dem Schulhof, sondern seit es Internet und Nachrichten-Dienste wie WhatsApp oder soziale Netzwerke wie Facebook gibt auch vermehrt digital – in einem Gruppenchat. Die Schüler versehen ihn mit dem Namen „Schlampe“, extra für diese Schülerin, und laden sie in die Gruppe ein. Sie beleidigen und diffamieren sie mit Worten und Emoticons. Das ist eine Form des Cybermobbings.
Dieses Szenario haben Schüler der Mittelschule Aindling durchgespielt und in einem Video festgehalten. Anstatt Vokabeln zu pauken, haben sie sich drei Tage lang mit digitalen Medien beschäftigt: mit Youtube-Videos, Instagram und Blogg-Einträgen. 60 Schüler der Jahrgangsstufe acht der Aindlinger Schule nahmen an dem Kurs teil. Organisiert hat ihn BG3000, ein Start-up-Unternehmen aus Bonn, dessen Ziel es ist, die Digitalisierung für alle Gesellschaftsschichten voranzutreiben. Die Barmer-Krankenkasse und der TÜV-Rheinland unterstützten die Aktion an der Aindlinger Schule.
Digital-Kurs: Gefahren lauern im Netz überall
„Die Gefahr von Neuen Medien ist groß“, sagt Klassenlehrer Stefan Atzenbeck. „Jeder Schüler sollte in seiner Schulzeit einmal so eine Schulung gemacht haben.“ Digitale Medien sollten Bestandteil des Lehrplans sein, findet er. Den Schülern sei während der drei Tage bewusst geworden, wie viel Zeit sie für ihr Handy aufwendeten, und dass das mitunter verplemperte Zeit sei, hat er festgestellt. Auch hätten sie gelernt, dass man nicht einfach ein Foto von jemandem in den sozialen Medien posten darf, ohne ihn vorher gefragt zu haben.
Ein Programmpunkt drehte sich um sogenannte Influencer, also Menschen, die viel posten und damit Werbung machen. Die Schüler sollen diese kritisch sehen, wird ihnen vermittelt. Influencer zeigen oft eine heile Welt und verstellen sich, um Fans zu gefallen und Geld zu verdienen.
Schüler Florian Hammerl, 14 Jahre alt, und seine Mitschüler führten zu dem Thema eine Umfrage durch. „Wir haben zum Beispiel unseren Hausmeister gefragt“, sagt Florian. „Er hat uns gesagt, dass man lieber so bleiben sollte, wie man sei.“ Dem stimmten Florian und seine Mitschüler zu.