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Baar: Wohnen in Baar: Erst die Infrastruktur, dann neue Bauplätze

Baar

Wohnen in Baar: Erst die Infrastruktur, dann neue Bauplätze

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    Längst sind im Baugebiet Zeintl alle Bauplätze verkauft; auch die meisten Bautätigkeiten sind abgeschlossen.
    Längst sind im Baugebiet Zeintl alle Bauplätze verkauft; auch die meisten Bautätigkeiten sind abgeschlossen. Foto: Stefanie Brand

    Wenn Baars Bürgermeister Roman Pekis einen Blick auf den Flächennutzungsplan wirft, dann muss er zugeben: "Wir haben leider keine Bauplätze im Ort." Das, was die Einheimischen und viele von auswärts enttäuscht, ist aktuell aber auch ein Segen für den Rathauschef, denn er weiß: "Unsere Infrastruktur wäre mit weiteren Familien vollkommen überlastet."

    Baar: Für die Kinderbetreuung gibt es keine freien Plätze

    Festmachen kann Pekis das an Zahlen: Die Mini-Kita, die erst heuer eröffnet wurde, ist mit zehn Plätzen voll belegt. Der Kindergarten hat ebenfalls kein freies Plätzchen mehr und in der Schule gibt es ab diesem Schuljahr drei Doppelklassen. Eine Alternative für die neue Mini-Krippe in Baar hat Pekis bereits vorbereitet. Die Gemeinde hat ein Grundstück in der Schulstraße gekauft für einen zweigruppigen Krippenbau. Im Kindergarten sollen langfristig weniger auswärtige Kinder betreut werden, um Platz zu gewinnen.

    Der Kindergarten in Baar ist voll besetzt. Um Platz für die Kinder aus dem Ort zu schaffen, sollen hier künftig keine auswärtigen Kinder mehr betreut werden.
    Der Kindergarten in Baar ist voll besetzt. Um Platz für die Kinder aus dem Ort zu schaffen, sollen hier künftig keine auswärtigen Kinder mehr betreut werden. Foto: Stefanie Brand

    Nötig könnte das bald auch ohne neue Bauplätze werden. Denn bereits für 2021 erwartet Pekis eine Geburtenzahl von 15 bis 20 Kindern - mit Anspruch auf Betreuung. Das wurde bei der Ausweisung des Baugebiets Zeintl im Jahr 2015, wo 25 Baugrundstücke zu einem Quadratmeterpreis von rund 130 Euro gechaffen wurden, nicht ausreichend bedacht, findet Pekis.

    Wenn Baars Bürgermeister Roman Pekis den Flächennutzungsplan und das Bild des Orts sieht, kann er aktuell nur Pläne für die Zukunft schmieden. Bauplätze gibt es im Moment nicht.
    Wenn Baars Bürgermeister Roman Pekis den Flächennutzungsplan und das Bild des Orts sieht, kann er aktuell nur Pläne für die Zukunft schmieden. Bauplätze gibt es im Moment nicht. Foto: Stefanie Brand

    Gerne würde der Bürgermeister jungen Familien Wohnraum anbieten, doch zuerst müssten die Strukturen geschaffen werden, stellt er klar. Was das ist, weiß der Wahl-Baarer nur zu genau. Denn als er mit seiner Familie nach einem Bauplatz suchte, hatte er klare Vorstellungen für die künftige Heimat seiner Familie mit drei Kindern. Kindergarten und Grundschule sollten im Ort sein; weiterführende Schulen in erreichbarer Nähe. Heute weiß Pekis, der 2014 den letzten Bauplatz im Baugebiet Elendweg am Germanenring ergatterte, dass Baar gerade Familien viel mehr zu bieten hat. Es gebe diverse Möglichkeiten der sportlichen oder musikalischen Freizeitgestaltung, schwärmt er.

    Verkannt wird Baar von Auswärtigen oft wegen der Lage. Auf der Karte sieht es so aus, als läge Baar am "letzten Zipfel" des Landkreises Aichach-Friedberg und am Rand der Landkreise Augsburg und Donau-Ries. De facto aber sorge eben das für eine gute Anbindung, erklärt Pekis. Die Bewohner und Bewohnerinnen, die um eben diese Vorteile wissen, fragten ganz gezielt nach, wann die Gemeinde neue Bauplätze ausweisen wird. "Doch häufig erliegen sie dem Trugschluss, dass ein Baugebiet der Gemeinde Geld bringt", erklärt der Rathauschef. Stattdessen jedoch lägen die Kosten für die Infrastruktur, die geschaffen werden müsse, deutlich über den Einnahmen für Baugrund. Die Gemeinde brauche zunächst Einnahmen, um ein Baugebiet umzusetzen, stellt Pekis klar.

    Mögliche neue Wohnbauflächen sind in Baar aktuell nicht greifbar

    Der Blick auf den Flächennutzungsplan aus dem Jahr 2004 zeigt vor allem theoretische Möglichkeiten. Doch keine der möglichen, aber raren Bauflächen gehört der Gemeinde. Westlich des Baugebiets Zeintl befindet sich ein Acker, der in etwa so groß ist wie das jüngste Baugebiet. Dieser ist aber im Privatbesitz. Ein Ankauf oder gar Tauschgeschäft ist für die Gemeinde aktuell nicht möglich. Zudem würden 20 oder gar 25 weitere Einfamilienhäuser die Strukturen im Ort sprengen, so Pekis. Weitere, deutlich kleinere Grundstücke befinden sich beispielsweise nördlich des Elendwegs und im Südosten. Im nördlichen Gemeindegebiet wäre ein Mischgebiet denkbar, doch der Grund und Boden dort gehört zahlreichen Einzelbesitzern, was die Verhandlungen erschwert. Weitere Freiflächen, beispielsweise zwischen Ober- und Unterbaar, sind nicht bebaubar, weil sie als "landwirtschaftliche Fläche mit besonders ökologischer Bedeutung" im Plan stehen. Eine Nachverdichtung innerorts sei nur von privater Seite denkbar, erklärt Pekis. Doch wer ein Grundstück im Ort hat, halte das oft für die Nachkommen zurück.

    Am nördlichen Ortsausgang der Gemeinde Baar, dort, wo die Staatstraße 2047 nach Holzheim führt, befindet sich laut Flächennutzungsplan ein Mischgebiet, das allerdings einem Flickenteppich mit zahlreichen Eigentümern gleicht.
    Am nördlichen Ortsausgang der Gemeinde Baar, dort, wo die Staatstraße 2047 nach Holzheim führt, befindet sich laut Flächennutzungsplan ein Mischgebiet, das allerdings einem Flickenteppich mit zahlreichen Eigentümern gleicht. Foto: Stefanie Brand

    Ginge es nach Pekis, würde es in Baar ein Mehrgenerationenwohnen geben, verrät er seine Vision. Gäbe es ein passendes Grundstück und einen passenden Träger, würde Pekis gerne barrierefreie, kleine Wohnungen für Senioren und Seniorinnen schaffen, die sich beispielsweise die Frei- und Grünflächen mit den Kindern aus der Krippe oder dem Kindergarten teilen. Wie gut das funktionieren kann, weiß er aus seiner alten Heimat. Tochter Anna, die den Montessori-Kindergarten in Meitingen besuchte, der im Haus des Johannesheims untergebracht ist, schloss dort Freundschaft mit einer Bewohnerin des Pflegeheims im betagten Alter.

    Infrastruktur der Gemeinde Baar

    Einwohnerentwicklung Am 30. Juni zählte die Gemeinde Baar 1271 Bewohner und Bewohnerinnen. Darunter waren 47, die lediglich einen Zweitwohnsitz gemeldet haben. Die Bevölkerungszahlen schwanken seit Jahren um plus/minus 100.

    Baulandpreise Die Baulandpreise sind massiv gestiegen. Die aktuellen Bodenrichtwerte liegen zwischen 160 und 190 Euro pro Quadratmeter in Ober- und Unterbaar, bei 160 Euro pro Quadratmeter in Heimpersdorf und bei 120 Euro pro Quadratmeter in Lechlingszell. Zum Vergleich: Ende 2014 lagen die Baulandpreise in Heimpersdorf und Lechlingszell 60 Euro, in Unter- und Oberbaar bei 75 Euro.

    Verkehrsanbindung Die Staatsstraße 2047 führt durch den Ort und ermöglicht eine schnelle Verbindung Richtung Norden und Süden. Die Bundesstraße B2, die westlich des Lechs verläuft, ist binnen zehn Minuten zu erreichen. Auch zur Bundesstraß B16, die in Ost-West-Richtung verläuft, sind es nur zehn Minuten Fahrtzeit.

    Kinderbetreuung und Bildung Es gibt eine Mini-Kita und einen Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft. Die Grundschule ist eine Außenstelle der Grundschule Thierhaupten. Die Mittelschule und oft auch die Realschule besuchen die Kinder aus Baar in Meitingen. Die nächsten Gymnasien sind in Augsburg oder Gersthofen.

    Medizinische Versorgung Seit Oktober 2020 hat die Bäuerle-Ambulanz eine Wache in der Gemeinde Baar.

    Nahversorgung Der Frischeshop Kandler stellt die Nahversorgung im Ort.

    Internet Übertragungsraten zwischen 16 Megabit pro Sekunde und Glasfaser sind in Baar, je nach Wohnort, möglich. Durch die Teilnahme der Gemeinde an einem Förderprogramm soll hier die Infrastruktur künftig deutlich verbessert werden. (brast)

    Auch wenn Pekis der Blick auf die Möglichkeiten und das finanzielle Budget der Gemeinde oftmals frustriert, hat er doch ein klares Ziel vor Augen. Kurzfristig möchte der Rathauschef das rausholen, was im Ort umsetzbar ist. So ist auch die Mini-Kita entstanden. Langfristig betrachtet müsse die Infrastruktur so familienfreundlich werden, dass ein neues Baugebiet nicht die Strukturen sprengt. Eine Neuauflage des Flächennutzungsplans könnte dafür ebenfalls wichtig werden.

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