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Gesundheit

28.09.2019

Beim Lipo-Treff ist Platz für alle Emotionen

Nadine Plach

Vor einem Jahr gründete Nadine Plach die Lipödem-Selbsthilfegruppe. Die 36-jährige Sielenbacherin ist selbst Betroffene. Sie will andere unterstützen und schöpft selbst Kraft daraus. Für nächstes Jahr hat sie schon Pläne

Das Lachen von Nadine Plach ist ansteckend. Das wissen auch die Mitglieder ihrer Selbsthilfegruppe. Vor einem Jahr gründete die 36-Jährige, die in Sielenbach wohnt, den Lipo-Treff. Er ist ein Treffpunkt für Betroffene, die an Lipödem, Lymphödem oder Lipo-Lymphödem leiden, sowie deren Angehörige oder Interessierte. Plach leidet selbst unter dem sogenannten Lipödem, einer Fettverteilungsstörung. Mit der Selbsthilfegruppe möchte sie Betroffenen zur Seite stehen, schöpft aber auch selbst viel Kraft daraus.

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Erst seit rund fünf Jahren weiß die 36-Jährige, unter welcher Krankheit sie leidet. Als sie mit etwa 21 Jahren anfing, extrem zuzunehmen, begann für sie eine jahrelange Odyssee durch die Arztpraxen in ganz Deutschland. „Es gibt in Deutschland nur sehr spärlich Ärzte, die sich wirklich auskennen“, ist die Erfahrung von Plach. Darüber, was der Auslöser der Krankheit ist, scheiden sich laut Plach die Geister. Sie hat sich inzwischen intensiv in die Materie eingearbeitet. Lipödem könne vor oder nach der Pubertät ausbrechen oder nach einer Schwangerschaft, zählt sie auf. Auch genetische Veranlagung, hormonelle Störungen oder negativer Stress könnten Auslöser sein.

Bei Plach sind Beine, Hüfte, Bauch und die Oberarme betroffen. Die Krankheit ist weit mehr als nur ein ästhetisches Problem. Sie ist mit starken Schmerzen verbunden, die es den Betroffenen je nach Erkrankungsgrad zum Beispiel fast unmöglich machen, Treppen zu steigen oder längere Strecken zurückzulegen. Plach hat schon mehrere Operationen hinter sich. Es gebe keine Heilung, sagt sie. „Wenn bei den Operationen alles gut geht, gibt es einen Rückgewinn von der Lebensqualität und eine hohe Linderung.“

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Bei den Treffen der Selbsthilfegruppe geht es in erster Linie um die Krankheit. Betroffene haben die Möglichkeit, sich auszutauschen und können ganz offen über die Einschränkungen und ihre Gefühle sprechen. „Es soll für alle Emotionen Platz sein“, betont Plach. Dazu gehört auch das gemeinsame Lachen, das bei den Treffen nicht zu kurz zu kommen scheint.

„Ein organisiertes Chaos“ nennt sie die Zusammenkünfte und meint das durchaus positiv. Wie zum Beispiel bei der Blitzrunde. Hier soll jeder der Anwesenden in ein paar wenigen Sätzen sagen, was ansteht oder welche Pläne er hat. „Bei uns ist das aber ganz anders“, sagt Plach und lacht. Meist seien es mehr als nur ein paar Sätze, die jeder erzählt. Plachs Erfahrung: „Es entstehen aus dieser Blitzrunde heraus tolle Gespräche.“

Inzwischen kommen rund 20 Betroffene zu dem monatlichen Lipo-Treff. „Eine tolle Bilanz“, findet die 36-Jährige, die vor einem Jahr mit acht Teilnehmern startete. Interessant findet sie, wie sich die Frauen während des Treffs verändern: „Salopp gesagt: Sie kommen angespannt und gehen gelockert.“

Plach machen die Treffen Spaß und sie schöpft Kraft aus ihnen. Die Gruppe habe ihr zum Beispiel Halt gegeben, nachdem im vergangenen Jahr eine Operation bei ihr schiefgegangen sei, erzählt sie. „Ich kam aus meinem Denken wieder etwas raus.“ Auch würden ihr die Treffen helfen, einen anderen Blickwinkel auf die Krankheit zu bekommen.

Für das kommende Jahr hat Plach schon einige Ideen für die monatlichen Treffen der Selbsthilfegruppe. Die 36-Jährige will wie schon heuer wieder Vorträge von Ärzten oder Workshops mit Referenten organisieren und plant auch gemeinsame Ausflüge, wie zum Beispiel den Besuch einer Therme oder ein Nachtminigolfen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich an jedem zweiten Donnerstag im Monat von 18.30 bis 20 Uhr im Pfarrheim an der Aichacher Straße 3 in Sielenbach. Das nächste Treffen findet am 10.Oktober statt.Weitere Infos:Nadine Plach, Telefon 08258/6869987, E-Mail info@lipo-treff.de, www.lipo-treff.de

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