Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der letzte Burgherr, ermordete am 21. Juni 1208 im Bischofspalast zu Bamberg den deutschen König Philipp von Schwaben. Er sühnte die Tat mit dem eigenen Leben. Seine Burg in Oberwittelsbach wurde systematisch abgetragen, sie diente den Bewohnern der Umgebung für längere Zeit als Steinbruch. Jahrhundertelang machten die Herzöge und Kurfürsten des das Bayernland regierenden Hauses Wittelsbach einen weiten Bogen um die einstige Stammburg ihres Geschlechts.
Nationaldenkmal entstand 1832
Mit dem aufkeimenden Patriotismus im 19. Jahrhundert hielten die Bürger Aichachs in den Jahren 1810, 1811 und 1815 auf dem Burgplatz zu Oberwittelsbach aus Anlass der Vermählung des Kronprinzen Ludwig mit Therese Charlotte von Sachsen-Altenburg (1810) sowie bei der Geburt der Prinzen Max (1811) und Otto (1815) feierliche Scheibenschießen ab.
Dann entstand ab 1821 der Plan, auf dem Burgplatz ein bayerisches Nationaldenkmal zu Ehren des Hauses Wittelsbach zu errichten. Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. August 1832 mit "allerhöchster gnädiger Genehmigung" und mit geziemender Feierlichkeit.
Gedenkmedaille zur Feier
Zwei Jahre darauf kamen am 25. August 1834 zur Denkmalsenthüllung Tausende zusammen: Adel und Bürger, einfache Landleute und höchste Staatsbeamte, Militärs und Geistlichkeit.
König Ludwig I. (1825-1848) hatte zur Feier eine Gedenkmedaille prägen lassen, doch blieb er selbst der Festlichkeit fern. Erst Ludwigs Sohn und Thronfolger Maximilian II. (1848-1864) brach das alte Tabu und erwies Oberwittelsbach seine Reverenz. "Also hier stehe ich auf dem Boden meiner Ahnen", sprach er, als er am 2. September 1857 den Burgplatz betrat. Die königlichen Worte sind auf der ältesten von inzwischen vier Marmortafeln an einem massiven Steinquader verewigt.
Auf Max II. folgte König Ludwig II., der "Märchenkönig". Anlässlich seines 35. Geburtstags wurde 1880 für die Bewohner des Bezirksamtes Aichach ein großes militärisches Schauspiel inszeniert. Seine Königliche Hoheit Prinz Leopold von Bayern wohnte dem Spektakel bei. Der volle Glanz der Monarchie erstrahlte ein letztes Mal am 28. Mai 1914 über Oberwittelsbach und Aichach. "Besuch Seiner Majestät König Ludwig III. und Ihrer Majestät Königin Therese, sowie Ihr. Königl. Hoheiten der Prinzessinnen Adelgunde, Hildegard, Helmtrud und Gundelinde." Der Hofsonderzug rollte auf dem Bahnhof Aichach ein.
Nach der Tragödie des Ersten Weltkriegs und dem Ende der Monarchie in Bayern vergingen 18 Jahre bis zum nächsten Adelsbesuch auf Wittelsbach. Am 4. September 1932 beging man in Aichach und Oberwittelsbach einen "Bayerntag, verbunden mit der 100-Jahrfeier der Grundsteinlegung zum Nationaldenkmal und 750-Jahrfeier des Hauses Wittelsbach". Prominenteste Gäste waren Seine Königliche Hoheit Kronprinz Rupprecht von Bayern und Seine Exzellenz Bischof Dr. Josef Kumpfmüller von Augsburg. Vor dem Nationaldenkmal wogte ein Fahnenmeer, der ganze Burgplatz war mit Festteilnehmern gefüllt, darunter der Heimat- und Kriegerbund und eine Anzahl Schwerkriegsbeschädigter. Für die Weihe der neuen Glocken der Burgkirche Oberwittelsbach reiste Kronprinz Rupprecht dann nach 28 Jahren ein zweites Mal ins Aichacher Land, in seiner Begleitung Mitglieder der königlichen Familie. Dekan Moll aus Unterbernbach segnete das Geläut am 21. Mai 1950. Der nächste Chronikeintrag ließ 27 Jahre auf sich warten. Am 26. Juni 1977 weilte mit Prinz Franz ein weiterer Spross des Hauses Wittelsbach auf dem historischen Burgplatz. Die Stadt Aichach hatte zur "Altbayerischen Woche" eingeladen.
Sternwallfahrt seit 1980
Eine neue Tradition entstand im Wittelsbacher Jahr 1980: Aichachs Bürgermeister Alfred Riepl begründete die Tradition der "Stern-Wallfahrt zur Burgkirche Oberwittelsbach - Festliche Maiandacht für den Frieden der Welt". Seither laden die Stadtpfarrei Aichach und die Stadt Aichach gemeinsam zur Prozession ein. Seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern verbrachte nach 1977 (damals noch Prinz) dann am 13. November 1997 einen zweiten offiziellen Besuchstag im Wittelsbacher Land.
Im Jahre 1998 veranstaltete die Kreisheimatpflege in Zusammenarbeit mit den vier Sportschützengauen Aichach, Friedberg, Altomünster und Pöttmes/Neuburg in Aichach die bayernweite Ausstellung "Das Schützenwesen im Landkreis Aichach-Friedberg". Zum Rahmenprogramm gehörte auch das historische Scheibenschießen auf dem Burgplatz in Oberwittelsbach. Und wie vor rund 200 Jahren wetteiferten die Bestschützen mit Vorderlader, Schwarzpulver und Kugel um den Siegerpreis.