Für viele Gemeinden ist sie eine wichtige Einnahmequelle. Sicher darauf verlassen aber können sie sich nicht. Die Gewerbesteuer ist schwer zu kalkulieren. Denn es gibt immer wieder Ausreißer. Heuer aber gehen die Ausschläge zur Freude vieler Bürgermeister und Kämmerer im nördlichen Landkreis eher nach oben. Ob das Vorjahr jedoch übertrumpft wird, ist fraglich. 2010 konnten sich die Kommunen im Wittelsbacher Land über 20 Prozent mehr Einnahmen gegenüber dem Krisenjahr 2009 freuen.
Der Pöttmeser Kämmerer Alois Helfer zum Beispiel ist recht zufrieden. Mit 1,1 Millionen Euro hat er für den Markt kalkuliert, etwa 150000 Euro liegt er bereits darüber. In Sachen Gewerbesteuer ist Pöttmes beinahe verwöhnt. Die Ansätze erreiche man immer recht gut. Das liegt laut Helfer an den vielen guten mittelständischen Betrieben. „Es ist sehr schön, damit zu arbeiten“, ist Helfer froh, dass er sich bei Pöttmes auf etwa eine Million Euro Einnahmen verlassen kann. Im Fall der Mitgliedsgemeinde Baar ist das nicht so. Hier sind die Einnahmen „nicht so konstant“. Heuer aber werde man die geplanten 200000 Euro auch erreichen.
Davon ist man in Petersdorf weit entfernt, wo wenig Gewerbebetriebe ansässig sind. Trotzdem ist Bürgermeister Josef Settele heuer zufrieden. 40000 Euro stehen im Haushaltsplan. Vorläufig seien schon 90000 Euro eingegangen, vielleicht werden’s sogar noch mehr. „Geld ist immer willkommen“, lacht Settele – aber nur verhalten. Er erinnert sich noch gut an das Krisenjahr 2009, als nur 28000 Euro eingingen. Settele weiß: „Da kannst Dich heuer freuen und nächstes Jahr zahlst Du wieder zurück.“
Auch einen kleinen Grund zur Freude hat die Gemeinde Schiltberg. Vermutlich 200000 Euro spült die Wirtschaft heuer laut Kämmerer Stefan Mayer in die Kasse, immerhin knapp 20000 Euro mehr als geplant. Bei der zweiten Kommune, die er finanziell betreut, geht der Ausschlag jedoch weit ins Negative. Laut Bürgermeister Hans Lotterschmid werden in Kühbach wohl 160000 Euro weniger Gewerbesteuer eingehen. Dabei habe man mit 680000 Euro im Ansatz schon vorsichtig kalkuliert. „Das ist nichts Außergewöhnliches bei uns“, betont Lotterschmid. Grund zur Klage hat er mitnichten: Ein Jahr zuvor war nur eine schlappe halbe Million Euro eingeplant, rund 900000 Euro wurden’s schließlich. Mayers Kommentar dazu: „Es ist immer schwierig mit der Gewerbesteuer.“
Davon kann auch Aichachs Kämmerer Wilhelm Rottenkolber ein Lied singen. Im vergangenen Jahr habe man mit dem Schlimmsten gerechnet. Nach der stärksten Krise der Nachkriegsgeschichte im ersten Halbjahr kam es in der zweiten Hälfte zum größten Boom. Der Kämmerer ist da froh, dass Aichachs Wirtschaft nicht in der Spitzenliga spielt, sondern „weit und breit gefächert“ ist.
Kein Grund zur Klage
Deshalb gebe es die ganz großen Ausschläge nicht mehr. Heuer rechnet er mit 6,9 Millionen Euro. Nach dem dritten Steuertermin sind schon 5,2 Millionen Euro in der Kasse. Er geht davon aus, dass der Ansatz erreicht, vielleicht sogar leicht überschritten wird.
Ähnlich ist die Erwartung bei Inchenhofens Bürgermeister Karl Metzger, der mit 355000 Euro Gewerbesteuer kalkuliert hat. Auf jeden Fall „nicht schlechter“ wird das Ergebnis laut Bürgermeister Tomas Zinnecker auch in Aindling.
Unter dem Strich können die Gemeinden über die vergangenen Jahre nicht klagen. Nach Abzug der Umlage flossen 2010 rund 31,1 Millionen Euro Gewerbesteuer in die Gemeinden. Das Krisenjahr 2009 mit knapp 25,8 Millionen Euro war damit überwunden. Die Unsicherheit aber bleibt. Nicht nur der Kühbacher Kämmerer wagt keine Prognose für die Zukunft. „Da würde ich mich zu weit aus dem Fenster lehnen“, sagt Mayer. Sein Aichacher Kollege gibt ihm recht. Man könne bald nicht einmal mehr innerhalb eines Jahres kalkulieren, bedauert Rottenkolber die Unsicherheiten bei der Gewerbesteuer. "Seite 31