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Inklusion: Gemeinsames Lernen ist noch nicht die Regel

Inklusion

Gemeinsames Lernen ist noch nicht die Regel

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    „Die Anmeldungszahlen bei uns sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.“Heinrich Golling, Leiter der Aichacher Edith-Stein-Schule
    „Die Anmeldungszahlen bei uns sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.“Heinrich Golling, Leiter der Aichacher Edith-Stein-Schule

    Aichach-Friedberg Ein Kind mit leichten körperlichen Behinderungen lernt gemeinsam mit Nichtbehinderten: In der Volksschule Aichach-Nord ist das seit diesem Schuljahr der Fall. Und laut Rektorin Barbara Ripley funktioniert der Schulalltag mit dem Kind einwandfrei. Dieses Beispiel ist noch eine Ausnahme. Das soll sich aber bald ändern. Ab dem kommenden Schuljahr sind die Türen der Regelschulen für Kinder mit geistigen und körperlichen Behinderungen geöffnet. Inklusion heißt das Zauberwort (siehe Infokasten). Noch berät der Bayerische Landtag, wie das Gesetz dazu aussehen soll. Es gilt aber als sicher, dass es kommt. Im nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg machen Eltern behinderter Kinder von diesem Recht laut Schulamt bisher noch keinen Gebrauch.

    Nur im Landkreis-Süden wurde zum nächsten Schuljahr ein behindertes Kind angemeldet: an der Johann-Peter-Ring-Schule im Friedberger Stadtteil Ottmaring. Warum zögern Eltern, ihre Kinder an Regelschulen anzumelden? Magdalena Federlin, selbst Mutter eines behinderten Kindes, sagt: „Die Eltern hängen total in der Luft.“ Noch sei die Rechtsunsicherheit zu groß, weil es kein Gesetz gebe und nicht klar sei, wie das Kultusministerium Inklusion umsetzen wolle.

    Schulleiterin Barbara Ripley nennt einen weiteren Grund: „Die Förderschulen im Landkreis genießen ein sehr hohes Ansehen.“ Deshalb würden Eltern diese bei der Einschulung bevorzugen. An der Aichacher Edith-Stein-Schule, dem sonderpädagogischen Förderzentrum, beobachtet Leiter Heinrich Golling bislang keine Abwanderung. „Die Anmeldungszahlen bei uns sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert“, sagt er. Er erwartet deshalb durch die Inklusion vorerst kaum Veränderungen.

    Nicht ohne zweite Lehrkraft

    Dabei ist der Unterricht mit behinderten Kindern für die Regelschulen im Landkreis nicht gänzlich neu. Die Aichacher Elisabethschule, ein Förderzentrum mit Schwerpunkt auf der geistigen Entwicklung, pflegt seit Jahren eine Partnerschaft mit der Hauptschule in Friedberg. Und die Volksschule in Aindling zum Beispiel hatte schon vor einigen Jahren einen behinderten Schüler, wie Sabine Weiß berichtet. Die Leiterin der Rehlinger Schule hat früher selbst in Aindling unterrichtet. Dass der gemeinsame Unterricht auch den nicht behinderten Kindern nützt, bestätigt Barbara Ripley von der Volksschule Aichach-Nord: „Die lernen, dass es nicht allen Schülern gleich gut geht.“ Auch Magdalena Federlin, die sich seit Jahren in der Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“ für die Inklusion starkmacht, betont: „Es profitieren alle Kinder, auch die nicht behinderten.“ Für behinderte Kinder bedeute Inklusion, dass sie in ihrem Schulsprengel zur Schule gehen können. Dort lernen sie zusammen mit den Kindern aus ihrer Heimatgemeinde und ihrer Nachbarschaft. Laut Federlin erleichtere das den Aufbau sozialer Kontakte. Förderschulen liegen dagegen oft mehrere Kilometer vom Wohnort entfernt. Außerdem könnten sich behinderte Kinder in Regelschulen an nicht behinderten orientieren und so leichter ihre Schwächen überwinden, erklärt sie. Diese Ansicht teilt Barbara Ripley. Sie weist aber auch auf mögliche Schwierigkeiten hin: „Inklusion ist eine gute Sache, wenn das Kultusministerium sein Versprechen hält und wir zusätzliche Hilfskräfte bekommen.“ Ohne zweiten Lehrer oder Hilfskraft seien Inklusionsklassen nur schwer zu unterrichten.

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