Noch keine Entwarnung gibt es in Bezug auf verunreinigtes Trinkwasser für die Bürger der Affinger Ortsteile Pfaffenzell und Frechholzhausen. Wie gestern berichtet, hatte die Gemeinde Affing die 56 betroffenen Einwohner am Sonntag per Einschreiben aufgefordert, ihr Trinkwasser ab sofort abzukochen. Der Grund: Festgelegte Grenzwerte würden überschritten. Doch gestern war noch nicht klar, um welche Werte es sich handelt.
Affings Bürgermeister Rudi Fuchs sprach von coliformen Keimen, also Darmbakterien, die in dem Trinkwasser entdeckt worden seien. Rupert Reitberger, Vorsitzender des zuständigen Wasserzweckverbands Magnusgruppe, erklärte hingegen, die Warnung sei wegen leicht erhöhter Koloniezahlen verschickt worden. Letzteres wäre die harmlosere Möglichkeit. Die Koloniezahl gibt laut Fuchs die allgemeine biologische Belastung des Wassers an.
Des Rätsels Lösung: Zwei verschiedene Labore haben das Wasser in den Leitungen und im Wasserturm in Edenried untersucht. Von diesem Wasserturm beziehen beide Orte ihr Trinkwasser (siehe Infokasten). Die Labore sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Gestern wurden weitere Proben genommen, die voraussichtlich heute ausgewertet sein werden.
Nach Fuchs' bisherigen Informationen hat das Labor pro 100 Milliliter fünf coliforme Keime ermittelt. Diese dürften jedoch überhaupt nicht vorkommen, der Grenzwert liegt bei Null. Die coliformen Keime sind nach Angaben des Leiters des Gesundheitsamts Aichach, Dr. Michael Hennig, nicht unbedingt ein Hinweis auf eine fäkale Verschmutzung des Trinkwassers. Doch möglich wäre es, darum sei das Abkochen des Trinkwassers weiterhin wichtig.
Reitberger allerdings gab gestern an, er habe mit dem Laborleiter gesprochen und dieser habe das Vorkommen coliformer Keime strikt verneint. "Das hätte eine andere Qualität", sagte Reitberger. Seinen Informationen nach habe lediglich die Koloniezahl verschiedener Messungen zwischen sieben und 13 gelegen. Diese Zahl darf im Trinkwasser je nach Wassertemperatur höchstens 20 (36 Grad) beziehungsweise 100 (20 Grad) pro 100 Milliliter betragen.
Eine solche Erhöhung der Koloniezahl ist laut Fuchs schon einmal im Sommer dieses Jahres im Trinkwasser von Pfaffenzell und Frechholzhausen vorgekommen. Daraufhin seien die Leitungen gespült worden und das Problem war erledigt. Seitdem habe man in diesem Bereich "über das natürliche Maß hinaus" das Trinkwasser kontrolliert. Aufgrund des erneuten Risikos nennt der Bürgermeister als Ziel: "Wir versuchen herauszufinden, wodurch diese Verunreinigung erfolgt ist und wodurch man sie beseitigen kann."
Diesen "Herd" müsse man nun einkreisen, bestätigt Hennig. Ein Verdachtpunkt könnte der Wasserturm in Edenried sein, doch das sei reine Spekulation. Laut Reitberger hat das Problem im Sommer wohl dort gelegen. Im aktuellen Fall mahnt er zur Besonnenheit: "Es schadet nichts, wenn die Leute das Wasser abkochen, aber zur Hysterie gibt es keinen Anlass." Fuchs lobte das schnelle Vorgehen des Affinger Wasserwarts Stefan Steinherr: "Er war auf Zack und wir haben mit dem Einschreiben sofort reagiert." Von Barbara Worschech