Aichach-Friedberg „Was ist bloß mit unseren Kindern los?“ Dieser Frage stellten sich rund 30 Lehrer bei einer Fortbildungsveranstaltung des Kreisverbands des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Kreisvorsitzende Birgit Schubert begrüßte dazu als Referenten den Diplompsychologen Dirk Guggemos.
Schon im Kinderbuchklassiker „Struwwelpeter“ ist vom Zappelphilipp die Rede. Heute fasst man die häufig vorkommende Erkrankung ADS/ADHS unter der ausführlichen Bezeichnung „Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktive Störung“ zusammen. Die Erscheinungsformen können individuell sehr unterschiedlich sein. Der Psychologe berichtete von verzweifelten Eltern, frustrierten, mutlosen Kindern und vor allem genervten Pädagogen, die im 21. Jahrhundert besonders stark mit dieser Krankheit, die vermehrt im Kindes- und Jugendalter auftritt, zu tun haben.
Doch zunächst gab er eine für alle wichtige Feststellung bekannt: „ADHS ist keine Folge falscher Erziehung. Es ist die häufigste Störung im Kindes- und Jugendalter.“ Weder Eltern, noch Lehrer, noch die betroffenen Kinder seien schuld an ihrer Erkrankung.
Dirk Guggemos erklärte ADHS aus medizinischer, psychologischer und pädagogischer Sicht. ADHS sei eine Erkrankung, die genetisch oder neurologisch bedingt sein könne. Verhaltensauffälligkeiten würden sich schon vor dem 7. Lebensjahr zeigen. Buben seien doppelt so oft betroffen wie Mädchen. Dabei könnten Alkohol, Nikotin oder Drogen durchaus Einfluss auf das ungeborene Leben haben.
Geheimtipp: Vor Kritik das Kind mindestens fünfmal loben
Die Krankheit äußere sich auf unterschiedlichste Weise, zum Beispiel könnten sich die Betroffenen nicht an Anweisungen halten. Sie seien unaufmerksam, impulsiv oder hyperaktiv und müssten dauernd in Bewegung sein, um eine innere Spannung aufbauen zu können. Manchmal äußere sich das im Schaukeln oder permanentem Kauen auf Bleistiften oder Anderem. Das Gehirn könne eintreffende Informationen nicht priorisieren. Das heißt: Wenn ein Kind die Aufforderung erhält „Bitte nicht schaukeln! Schau nicht aus dem Fenster!“, dann mache es genau das Gegenteil, weil das Gehirn nur die Teile einer Information erhalte. Behandelt werden könne die Krankheit mit Medikamenten oder einer Verhaltenstherapie, der sich aber auch die Familie unterziehen sollte, so Guggemos. Grundsätzlich müsse man lernen, ADHS oder ADS zu ertragen und richtig damit umzugehen. Das könne sich langwierig und schwierig gestalten.
Zu den wichtigsten Strategien gehörten Rituale, Routine, Regeln, das Verstärken erwünschter Verhaltensweisen, wobei auch Bemühungen gelobt werden sollten, und die positive Gestaltung der Lernumwelt. Der Geheimtipp des Psychologen lautete jedoch: Bevor du einmal kritisierst, lobe das Kind mindestens fünfmal. (bisu)