Affing Die sechsjährige Eva, Tochter von Christine Brandmeir, ist nach einem Sturz aus dem Fenster hirnverletzt. Sie kann nicht Laufen und hat Probleme beim Sprechen. Besserung erhofft sich die Familie vom Doman-Programm aus den USA. Damit versucht die Familie zusammen mit Lebensberaterin Anja Müller, Eva wieder zum Laufen und Sprechen zu bewegen. Ihre Erfahrungen mit dieser alternativen Therapie oder auch anderen Möglichkeiten wollen sie künftig mit anderen Betroffenen teilen: im „Verein zur Aktivierung menschlichen Potenzials e.V.“, der am Mittwoch in Affing gegründet werden soll.
„Wir wollen der kleinen Eva wieder Leben einhauchen“, erklärt Anja Müller ihr Ziel. Sie setzt große Hoffnung in das Programm nach Glenn Doman. „Das ist eine ganzheitliche Therapie, die aus gezielter Ernährung, Bewegungstraining und intellektuellem Lernen besteht“, erklärt sie. Medikamente sind dabei nicht vorgesehen. In Deutschland ist die Therapie nicht anerkannt und wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Bei der Kinderklinik Augsburg ist die Therapie nach Auskunft eines Arztes nicht bekannt.
Müller und Brandmeir sind trotzdem von ihr überzeugt. „Gerade im Hinblick auf die Inklusionsdebatte, das heißt, die Frage, ob behinderte Kinder auf Regelschulen gehen sollen, muss man Druck machen“, findet Müller. Sie wünscht sich, dass der theoretischen Grundsteinlegung auch praktische Schritte folgen.
Evas Mutter, Christine Brandmeir, hat in Amerika schon Seminare zur Behandlung hirnverletzter Kinder besucht. Sie erklärt das Doman-Programm genauer: „Der Amerikaner Doman sagt, dass Autismus, Epilepsie und Spastiken keine Krankheiten, sondern Symptome eines Hirnschadens sind.“ Deswegen müssten alle Sinne trainiert werden, damit das Gehirn entsprechend neue Synapsen bilde. „Ich finde diese Theorie sehr einleuchtend und habe durch die Praxis auch schon Erfolge bei meiner Tochter beobachtet“, berichtet Brandmeir. Das wollen sie, ihr Mann Michael Schmitt und Anja Müller mit anderen Familien teilen – in dem neuen Verein. „Wir sind keine Experten auf dem Gebiet, aber können von unseren eigenen Erfahrungen berichten“, stellt Brandmeir klar.
Die Mutter hofft, durch die Vereinsgründung den Austausch mit anderen Betroffenen anzubahnen und die Eltern zu ermutigen, sich über Therapiemöglichkeiten für ihre Kinder zu informieren. „Man muss das Schicksal nicht hinnehmen. Das Gehirn ist regenerierungsfähig und deswegen muss der Zustand nicht immer so bleiben“, ist sie überzeugt.
Auch für Eltern von Kindern, die an Konzentrationsstörungen, Epilepsie, Lernschwierigkeiten oder AD(H)S leiden, sei das Doman-Programm interessant. „Medikamente wie Ritalin sind keine Lösung“, findet Brandmeir. Ihr Anliegen ist auch, betroffene Eltern in ihrer Kompetenz zu stärken. „Die Eltern wissen einfach am besten, wie es ihrem Kind geht, nicht Ärzte oder Behörden“, meint sie.
Die Vereinsgründung findet am Mittwoch, 30. November, ab 19.30 Uhr im Nebenzimmer der Affinger Pilsstube, Neuburger Straße 2, in Affing statt.