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Petersdorf-Hohenried: Petersdorfer Familie saniert 60er-Jahre-Elternhaus energetisch

Petersdorf-Hohenried

Petersdorfer Familie saniert 60er-Jahre-Elternhaus energetisch

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    So sieht das 60er-Jahre-Haus nach der Sanierung aus. Auch innen hat sich Einiges getan. Im Untergeschoss lebt Oma Anni Seidl. Oben sind Camilla und Benedikt Kugler zu Hause.
    So sieht das 60er-Jahre-Haus nach der Sanierung aus. Auch innen hat sich Einiges getan. Im Untergeschoss lebt Oma Anni Seidl. Oben sind Camilla und Benedikt Kugler zu Hause. Foto: Stefanie Brand

    Wenn Johanna und Markus Ehm ihre Ideen vom Wohnen und Leben umsetzen, dann gehen sie oft ungewöhnliche Wege. Das Paar, das mit seinen zwei Söhnen im Petersdorfer Ortsteil Hohenried lebt, hat bereits früh begonnen, Wohnen und Leben neu zu denken. Seit über zehn Jahren lebt die junge Familie nun im einst ersten Passivhaus im Gemeindegebiet. Mit der energetischen Sanierung von Johanna Ehms Elternhaus haben die beiden im Jahr 2019 ein weiteres Projekt aus der Kategorie "nachhaltig leben" umgesetzt und zeigen damit auch, wie vielleicht der eine oder andere Leerstand im Ort in neuem Glanz erstrahlen könnte.

    So hat das Haus an der Hohenrieder Hauptstraße vor der Sanierung ausgesehen. Damals lebte Anni Seidl allein in dem Gebäude. Jetzt ist eine Wohnung im Obergeschoss entstanden und eine regelrechte Hofgemeinschaft.
    So hat das Haus an der Hohenrieder Hauptstraße vor der Sanierung ausgesehen. Damals lebte Anni Seidl allein in dem Gebäude. Jetzt ist eine Wohnung im Obergeschoss entstanden und eine regelrechte Hofgemeinschaft. Foto: Ehm

    Spricht Markus Ehm über sein eigenes Wohndomizil, kommt er aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und unterstreicht damit, dass es goldrichtig war, bereits sehr früh auf den Passivhausstandard zu setzen: "Wir können im Winter ohne zu frieren barfuß und im T-Shirt im Haus herumlaufen." Überschaubare Heizkosten in Höhe von 300 Euro jährlich seien ein weiterer Pluspunkt nebst der hohen Wohnqualität, berichtet Ehm. Doch dieses Projekt des Paars ist lange her. Viel "jünger" ist hingegen die Modernisierung des Elternhauses von Johanna Ehm.

    Das über 200 Quadratmeter große Haus bewohnte vor der Sanierungsmaßnahme nur Anni Seidl, Johanna Ehms Mutter. So etwas ist in der Gemeinde Petersdorf keine Seltenheit, wie eine Erhebung aus dem Jahr 2016 zeigte. Die oberen Etagen standen ungenutzt leer. Dennoch fielen jährlich Heizkosten in Höhe von 3000 Euro an. Zum Vergleich: Nach der Sanierung haben sich die Heizkosten auf 900 Euro reduziert. Erreicht wurde diese Energieeinsparung durch ein ausgeklügeltes Sanierungskonzept, das zwei grundsätzlichen Ideen folgte: Das Haus sollte so wenig Energie wie möglich verbrauchen und möglichst stromautark werden.

    Der Heizbedarf für das Haus ist jetzt um das Zehnfache verringert

    Die technische Erklärung, wie dies umgesetzt werden konnte, lautet so: Das Haus, das im Jahr 1965 errichtet wurde, erhielt eine Pelletheizung und eine acht Kilowatt starke Photovoltaikanlage, die die Warmwasserbereitung optimiert und durch einen Salzwasser-Stromspeicher zur Deckung des Eigenstromverbrauchs beiträgt. Unter dem Strich wurde der Primärenergiebedarf massiv gesenkt. So gut dies rein fachlich auch klingen mag – der Weg dorthin sei durchaus verzwickt gewesen, berichtet Markus Ehm und rät allen potentiellen Nachahmern: "Man muss sich trauen, den Fachfirmen zu widersprechen." Was unglaublich klingt, verhalf Familie Ehm samt Oma Anni Seidl und den neuen Mietern zu einem Salzwasser-Stromspeicher, der in puncto Nachhaltigkeit deutlich besser abschneide als herkömmliche Speicher.

    Entwicklung in Petersdorf

    Vitalitätscheck In der Gemeinde Petersdorf wurde ein Gemeindeentwicklungskonzept und ein Vitalitätscheck durchgeführt. In sämtlichen Ortsteilen ging es dabei auch gezielt um die Innenentwicklung der Dörfer.

    Gebäudenutzung Im Jahr 2016 wurde eine Dokumentation zur Gebäudenutzung erstellt. Sie ergab damals 134 leerstehende oder untergenutzte Gebäude. Das entspricht rund 17 Prozent des Gebäudebestands im Petersdorfer Gemeindegebiet. Als „gut erhalten“ wurden einige Leerstände deklariert, die demnach auch für eine Umnutzung infrage kommen könnten.

    Wohngebäude Wohngebäude, wie das Elternhaus von Johanna Ehm, in dem ältere Menschen über 65 Jahren allein oder zu zweit leben, wurden 2016 insgesamt 29 im Gemeindegebiet gezählt, was einem Prozentsatz von gut neun Prozent entspricht - gemessen an der Anzahl aller Wohngebäude in den Siedlungsgebieten. (brast)

    Den Grund für die Sanierung fasst Johanna Ehm so zusammen: "Wir wollten die Lebensqualität verbessern." Kalt sei es im Haus gewesen, berichtet sie und ergänzt, dass eine 18 Zentimeter dicke Dämmschicht von außen angebracht wurde, um für mehr Wärme im Inneren zu sorgen. Möglich war die Dämmung der Fassade, der Kellerdecke und des Dachs, weil die Ausgangssituation gut war: Die Mauern waren trocken, die Statik des Dachs war für die Dämmung ausreichend und auch die Raumhöhe war ausreichend, um Dämmplatten anzubringen. Zusätzlich wurde eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert. Unter dem Strich konnte der Heizbedarf im Haus um das Zehnfache verringert werden.

    Der Wunsch war, die Hofstelle in Hohenried wiederzubeleben

    Die Sanierung ihres Elternhauses war für Johanna Ehm mehr als nur eine Baumaßnahme. Sie wünschte sich auch eine Wiederbelebung der Hofstelle. Der erste Schritt war das Eigenheim, das eingangs erwähnte Passivhaus. Die Sanierung ihres Elternhauses, in dem Johanna Ehm das selbe Wohlfühlklima erreichen wollte, wie in ihrem eigenen Heim, war ein weiterer Baustein. Johannas Mutter bekam nicht nur eine große Portion Wohlfühlambiente, sondern auch neue "Mitbewohner" im Obergeschoss. So ist in der Hauptstraße eine kleine Hofgemeinschaft entstanden – mit Mietern, die im Obergeschoss leben und, die mit Familie Ehm auch noch weitere Ideen umsetzen könnten.

    Gemeinsam bilden sie eine Hofgemeinschaft: Johanna Ehm, Anni Seidl und Markus Ehm sitzend von links nach rechts und Benedikt und Camilla Kugler stehend. Auch die Söhne von Johanna und Markus leben im einst ersten Passivhaus im Gemeindegebiet.
    Gemeinsam bilden sie eine Hofgemeinschaft: Johanna Ehm, Anni Seidl und Markus Ehm sitzend von links nach rechts und Benedikt und Camilla Kugler stehend. Auch die Söhne von Johanna und Markus leben im einst ersten Passivhaus im Gemeindegebiet. Foto: Stefanie Brand

    Zwei E-Bikes gibt es mittlerweile auf dem Hof, die sowohl das Ehepaar Ehm als auch die Mieter nutzen. Ob dieses Prinzip künftig auch mit den Autos klappen könnte, ist gerade eben ein Gesprächsthema. Und auch für den Stadel, der noch an die alte Hofstelle von anno dazumal erinnert, gibt es schon Ideen. Ein Co-Working-Space – also ein Ort, an dem viele Homeoffice-Akteure gemeinsam arbeiten könnten – wäre denkbar. Auch ein Atelier für den kreativen Nachwuchs bei Familie Ehm käme in Frage.

    Die neue Hofgemeinschaft in Hohenried kommt gut klar

    Ob das Prinzip des Mehrgenerationenwohnens im Ort Schule machen könnte? Denkbar und sinnvoll wäre das allemal, erklärt Markus Ehm und erinnert an das Gemeindeentwicklungskonzept, das einst bereits die Leerstandsproblematik im Ort aufgezeigt hat, doch an Lösungen für leerstehende Hofstellen oder riesengroße Häuser, in denen Einzelpersonen allein leben, hapere es. Schwer sei es übrigens nicht, in der Hofgemeinschaft miteinander klarzukommen. Schließlich stimme die Grundzutat für ein gutes Miteinander – eine "gesunde Kommunikationskultur", wie Markus Ehm erklärt.

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