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Aichach

18.11.2019

Skurril, lustig und experimentell: So geht es beim Volkstheater zu

Die Unteroffizierswitwe (Marina Hermann) beklagt sich temperamentvoll beim „Revisor“ (Wolfgang Manhart) über den korrupten Bürgermeister. Beim „Revisor“ des Aichacher Volkstheaters ist fürs Publikum viel geboten. 	Fotos: Erich Echter
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Die Unteroffizierswitwe (Marina Hermann) beklagt sich temperamentvoll beim „Revisor“ (Wolfgang Manhart) über den korrupten Bürgermeister. Beim „Revisor“ des Aichacher Volkstheaters ist fürs Publikum viel geboten. Fotos: Erich Echter

Plus Bei der satirischen Komödie „Der Revisor“ von Nikolai Gogol zeigen sich die Darsteller des Aichacher Volkstheaters von einer offensiven Seite.

Der Souffleur steht auf der Bühne und ist teilweise sogar einer der Akteure. Ein Mitspieler ersetzt sich selbst durch eine Schaufensterpuppe und ein blauer Stoffhase ist ein wichtiges Requisit. Mit der satirischen Komödie „Der Revisor“ von Nikolai Gogol wagt sich das Aichacher Volkstheater, das heuer 35 Jahre alt wird, in den experimentellen Bereich. Bei der gut besuchten Premiere am Samstag sehen die Besucher nicht nur Darsteller, die mit viel Herzblut spielen und skurrile Szenen, sondern haben auch viel zu lachen.

Die Melodie einer Mundharmonika kündigt den Beginn des Spiels an. Dann schon die erste Überraschung: Der Musiker ist der Souffleur (Richard Bauch), der gleichzeitig auch als Statist auf der Bühne steht. Er ist nicht nur immer wieder als Musiker im Einsatz, sondern repräsentiert in seinem schwarzen Mantel auch den Stückeschreiber.

Gogol formuliert in seiner satirisch zugespitzten Komödie beißende Zeitkritik und geißelt die unhaltbaren, weil von Korruption und Ausbeutung gekennzeichneten gesellschaftlichen Zustände im zaristischen Russland. Zugleich führt die Komödie aber auch den Menschen selbst als Wesen voller Mängel und Unzulänglichkeiten vor. Gogol schaffte eine allgemeingültige und zeitlose Geschichte, die an jedem Ort der Welt spielen könnte.

Der Bürgermeister (r.) und der falsche Beamte aus Petersburg.

Komödie „Der Revisor“: Darum geht es

Die russischen Aspekte sind in der Aufführung des Volkstheaters unverkennbar. Allein schon die Namen der Akteure, die die reinsten Zungenbrecher sind, weisen darauf hin. Grundsätzlich war es Regisseur Jörg Schur jedoch wichtig, dass das Stück zeitlos und in keiner bestimmten Epoche angelegt ist. Sowohl die Kostüme als auch das Bühnenbild sind zeitlos. Letzteres ist auf das Wesentliche beschränkt und symbolisiert auch das Machtgefälle.

Ein witziger Einfall ist die kleine Bühne auf der Bühne. Sie stellt einmal das Zimmer eines Gasthauses dar, in dem der vermeintliche Revisor Iwan Alexandrowitsch Chlestakow (Wolfgang Manhart) zusammen mit seinem Diener Osip (Markus Schneider) haust. Ein anderes Mal ist sie das Gästezimmer im Haus von Bürgermeister Anton Antonowitsch Skwosnik-Dmuchanowskij (Stefan Dauber).

Der, immer in einen rosafarbenen Pelzmantel gekleidet, reagiert leicht hysterisch auf die Ankündigung, dass inkognito ein Revisor in die Stadt kommen werde. Alles soll auf Vordermann gebracht werden, ordnet er an. Unter anderem soll Krankenhausverwalterin Olga (Claudia Flassig) vor allem die Geburtenstation wieder eröffnen. Olga sitzt mit Vorliebe paffend auf der Bühne, setzt gegenüber dem vermeintlichen Revisor ihre weiblichen Reize aber recht offensiv ein.

Auch Anna (Sabine Schneider), die Gattin des Bürgermeisters, würde ihn lieber heute als morgen verführen. Andere Honoratioren wie Richter (Robert Predasch), Schulrat (Elisabeth Drescher) oder die Poststellenleiterin (Silvia Schmidberger) setzen auf Geldgeschenke, um sich die Gunst des Revisors zu sichern.

Aichacher Volkstheater: Warum ein Stoffhase so oft vorkommt

Eine besondere Rolle hat Conny Metz, die die Bezirksärztin Christina Hiebner spielt. Sie ist bei Gogol ein Deutscher, der kaum Russisch spricht. Ein Sprachkontrast, der auf russischen Bühnen für spezifische Komik sorgt. In seiner Textüberarbeitung machte Heiko Postma die Figur zu einer Frau und einer Dänin. Ihr „Hi, Hi, Hi“, wenn sie darauf aufmerksam machen will, wie man ihren Namen richtig ausspricht, sorgt bei den Zuschauern immer wieder für Erheiterung. Die Honoratioren rund um den Bürgermeister wundern sich über das sonnige Gemüt der Ärztin.

Eine Requisite, die immer wieder auftaucht, ist ein blauer Stoffhase. Welche Bedeutung er hat, wird hier nicht verraten. Auch nicht, wie der falsche Revisor schließlich aufflog.

„Der Revisor“ wird noch am Samstag, 30. November, Sonntag, 1. Dezember, sowie Freitag/Samstag 6./7. Dezember in der TSV-Turnhalle in Aichach aufgeführt. Freitags und samstags beginnen die Vorstellungen jeweils um 19.30 Uhr, sonntags um 16 Uhr.

Die Frau des Bürgermeisters (Sabine Schneider) mit ihrer Tochter.
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