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Neuburg

05.12.2012

Staatsanwalt beschimpft Schrotthändler als "Abschaum"

Der Angeklagte soll hinter Gitter, weil er behauptete, von einem Polizisten bedroht worden zu sein.

„Er ist ein Abschaum der Menschheit! ... Er hat das Vertrauen der Bürger in eine neutrale Justiz und Polizei massiv erschüttert!“ Diese Worte schrie Staatsanwalt Hubert Karpf in seinem Plädoyer laut in Richtung Zuhörer. Er möchte den Schrotthändler aus dem Donaumoos 20 Monate hinter Gitter schicken.

Weil der Mann behauptet hat, bei einer Vernehmung zum Mordfall Rupp von einem Polizeibeamten aus Neuburg (er war damals der Ermittlungsgruppe der Ingolstädter Kripo beigeordnet) mit einer Pistole bedroht worden zu sein. Der Beamte habe ihm die Waffe im Beisein zweier Kollegen an den Kopf gehalten, sagt der Angeklagte. Jetzt steht der 62-Jährige wegen Falschaussage vor Gericht.

Ein Ermittlungsverfahren gegen die Beamten gab es nie – der sachbearbeitende Staatsanwalt Karpf wollte lediglich dienstliche Stellungnahmen von den drei Polizisten. Der Gedanke, dass ein Polizeibeamter einem Vernehmungskandidaten eine Waffe an die Schläfe halte, sei absurd, sagte er. „Abgrundtiefer Hass auf die Polizei und die Justiz“ sei das Motiv. Weil keine Chance auf Wiedergutmachung bestünde, Nachahmer abgeschreckt werden sollten und die Rechtsordnung verteidigt werden müsste, fordert Karpf 20 Monate ohne Bewährung.

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Anwältin: "Vor so einer Polizei habe ich Angst"

Die Verteidiger Klaus Wittmann und Regina Rick wehrten sich dagegen, dass ihr Mandant als „Abschaum“ bezeichnet werde. Die Verteidiger sind der Ansicht, dass die drei Polizeibeamten ihre Aussagen abgesprochen haben. Der Schrotthändler sei in den Strudel des Mordfalls Rupp hineingezogen worden. Die Kripo habe unter einem „enormen Ermittlungsdruck“ gearbeitet, weil man weder die Leiche noch den Wagen von Rupp hatte. Deshalb habe die Ermittlungsgruppe die These verfolgt, dass der Schrotthändler das Auto entsorgt hat, so Wittmann. Dem entsprechend seien Protokolle formuliert worden. Als der Schrotthändler nach stundenlanger Vernehmung seine Unterschrift verweigerte, sei dem betreffenden Beamten „der Kragen geplatzt“. Das passe zu den Worten, die gesagt worden sein sollen, nämlich: „Wir können auch anders! Es geht schließlich um Mord. Da dürfen wir alles!“

„Ich bin entsetzt über ihren Verfolgungseifer“, meinte Rick nach dem Plädoyer des Staatsanwaltes und warf ihm vor, nicht im Ansatz gegen die Polizeibeamten ermittelt, sondern von denen „nur eine labbrige Stellungnahme“ angefordert zu haben. Was das Vertrauen in die Polizei anbelangt, sagte sie: „Seit dem Verfahren Rupp habe ich überhaupt kein Vertrauen mehr in die Ingolstädter Polizei. Im Gegenteil. Vor so einer Polizei habe ich Angst“. Das Urteil fällt am 17. Dezember.

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