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Unwetter

20.05.2015

Tornado hinterlässt Spuren in der Seele

Barbara Schlecht berichtete Affings amtierenden Bürgermeister Markus Winklhofer (Zweiter von rechts) und Pfarrer Max Bauer von der Tornado-Nacht. Fachleute betonten, wie wichtig die psychologische Aufarbeitung des Unglücks ist.
Bild: Evelin Grauer

Viele Tornado-Opfer nehmen seelische Betreuung in Anspruch. Auch Schulen und Kindergärten reagieren.

Der Tornado in der Nacht zu Christi Himmelfahrt hat eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Doch nicht alle Spuren der Katastrophe sind sichtbar – sie prägen sich in der Seele ein. Dann aber können Betroffene Hilfe finden. Den Tornado thematisieren auch Schulen und Kindergärten.

Bis Sonntag war der Kriseninterventionsdienst vor Ort. Ehrenamtliche Helfer von Rotem Kreuz, Maltester Hilfsdienst und ökumenischer Notfallseelsorge haben viele Menschen aufgefangen. Dieter Lenzenbauer war zwei Tage als Einsatzleiter in Affing. Das Angebot war zunächst nur verhalten gefragt, erzählt er. Zu viel war akut zu tun. Mit der ersten körperlichen Erschöpfung stieg der Gesprächsbedarf. Fünf bis zehn Menschen suchten täglich Rat bei den Fachleuten, die 500 Einsatzstunden leisteten, so Lenzenhuber.

Gefragt als Gesprächspartner ist auch Affings Pfarrer Max Bauer. „Da kommt einiges hoch“, stellt er fest. Ebenso wie seine evangelischen Kollegen Sabine Troitzsch-Borchardt und Hans Borchardt von St. Lukas in Augsburg-Firnhaberau. Sie haben die Gemeindemitglieder besucht. Alle sind „durch die Bank ziemlich erschrocken“, berichtet Pfarrer Borchardt, aber froh, „dass niemand ums Leben gekommen ist“. Im Dekanat Augsburg haben die evangelischen Gläubigen am Sonntag für die Opfer gesammelt. In St. Lukas kam Mehrfaches als sonst zusammen, sagt der Pfarrer.

Solidarität ist wichtig. Das betont Lenzenhuber. Die ungewöhnlich große Zahl der Helfer habe sehr beruhigend auf die Opfer gewirkt. „Ein wichtiges Moment, das wir leider nicht immer erleben“, erzählt er. Bei der Hotline gehen derzeit täglich bis zu acht Anrufe ein. Lenzenhuber sagt: „Es ist vollkommen normal, dass man sich nach diesem nicht normalen Ereignis ängstigt.“ Wenn Angstzustände über vier Wochen andauern, sollten Betroffene eine Traumahilfe aufsuchen, rät er. Bei Bedarf besuchen Fachleute die Menschen vor Ort. Zukunftsängste kommen dann zur Sprache oder die Frage, wie man mit den Ängsten der Kinder umgehen soll.

Darauf reagieren auch Schulen und Kindergärten. Wie die Mittelschule Aindling, wo Kinder „hochbetroffener Familien“ unterrichtet werden, erzählt Schulleiterin Brigitte Beck. Beck und die Lehrkräfte sprachen am Freitag mit den Schülern. Über das Schulamt stellte man den Kontakt zum Kriseninterventionsdienst der Schulen her. Die Pädagogen wissen nun, wie sie erste seelische Anzeichen erkennen können. Das ist wichtig. Beck weiß, dass ein Junge seit dem Wochenende im Krankenhaus liegt, ein Mädchen ist in der Schule zusammengebrochen. Die Minderheit der Schüler ist zwar selbst Opfer, betroffen aber sind viele. Neuntklässler etwa, die im Bauwagen zehn Meter weg von der Tornadoschneise saßen, oder ältere Schüler, die bei den Aufräumarbeiten geholfen haben. Beck will den Kindern zeigen: „Wir sind da.“

Krisenintervention: Die Hotline, 0821/906077, ist bis Pfingstsonntag geschaltet, danach werden Hilfesuchende hier weitervermittelt. Langfristig ist die Traumahilfe Netzwerk Schwaben eine Anlaufstation, 0821/44409484.

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