Mit dem bayerischen Dialekt tut sich Pater Bonifatius Heidel noch etwas schwer. Der gebürtige Gelsenkirchener ist seit fast vier Monaten der neue Wallfahrtsseelsorger des Deutschen Ordens in Sielenbach. Einige Änderungen hat der 33-Jährige schon umgesetzt. Unter anderem hält er bis auf Samstag jeden Tag einen Abendgottesdienst in Maria Birnbaum. Neben einer anstehenden Innenrenovierung der Wallfahrtskirche kommt auf Pater Bonifatius noch eine andere große Herausforderung zu.
Noch ist der 33-Jährige an seinem neuen Arbeitsplatz eher in der Orientierungsphase. Er selbst beschreibt das so: „Ich muss schauen, was die Möglichkeiten sind, was notwendig ist und was die Leute außerhalb der Pfarrei suchen.“ Nach knapp drei Monaten in Sielenbach ist ihm eines schon aufgefallen: „In Bayern bekommt man als Pfarrer einen großen Vorschuss an Lorbeeren.“ Das sieht der Wallfahrtsseelsorger als Herausforderung, dem auch gerecht zu werden.
Er selbst beschreibt sich als „in gewisser Weise konservativ“. Das äußere sich zum Beispiel in seiner Treue zur Kirche. Wobei er nicht die Institution meint, sondern die Treue zu dem, was Kirche sein sollte. Auch in der Liturgie sei er ein Stück weit konservativ, sagt der Pater.
Er hinterfrage gerne, ob die Einführung von etwas Neuem auch den Zweck erfüllt, den man sich erhofft. „Ich sehe es als meine Aufgabe, Leute zu ermutigen, sich selbst ein Bild zu machen.“ Der Pater fügt verschmitzt hinzu: „Ich habe aber auch noch gewisse Flausen im Kopf, mache manches mit.“ Davon könnten die Pfadfinder in Koblenz, wo er bis zu seiner Versetzung nach Sielenbach tätig war, einiges erzählen.
Pater Bonifatius wuchs in Bochum auf und machte dort 2002 sein Abitur. Danach ging er ins Priesterseminar und studierte Theologie an der Universität in Bochum. Zweifel, ob er Diözesanpriester werden wolle, kamen ihm während seines Auslandsjahres in Wien, erzählt er. Das strenge klösterliche Leben, das diese führen, wäre auf Dauer nicht seines gewesen, erkannte der 33-Jährige damals. „Dafür bin ich doch zu weltverbunden.“ Während seiner Zeit in Wien reifte in ihm deshalb der Entschluss, in eine Ordensgemeinschaft gehen zu wollen. 2010 trat Pater Bonifatius in den Deutschen Orden ein. Seine erste Station war die Stadt Wetter in Hessen, wo er unter anderem für die Firm- und Kommunion-Vorbereitungen zuständig war und Religionsunterricht im Gymnasium gab. 2013 – er war inzwischen Kaplan in Koblenz – weihte ihn Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, zum Priester.
Eine Herausforderung, die er annehmen wollte, war der Vorschlag des Priors, als Wallfahrtsseelsorger nach Sielenbach zu gehen. „Ich sehe hier viele Möglichkeiten, was man machen kann.“ Von Montag bis Freitag finden jetzt wieder Abendgottesdienste statt, seit dem ersten Advent auch am Sonntagabend. Dafür, dass es neu sei, werde der Abendgottesdienst gut angenommen, freut sich der Pater. Möglichst schnell soll die Klostergaststätte, die seit rund einem Jahr geschlossen ist, wieder einen Pächter bekommen. Einige Interessenten hat der Wallfahrtsseelsorger. Wegen der Pilgergruppen ist es ihm wichtig, in der Gaststätte ein gewisses klösterliches Angebot zu haben.
Eine Herausforderung sieht der Pater in der Vorbereitung eines großen Jubiläums. 2018 feiert die Wallfahrtskirche am 14. Oktober den 350. Jahrestag der Kirchenweihe. Ihn beschäftigt die Frage, wie er das Jubiläum nutzen kann, um die Kirche ins Gespräch zu bringen. Nach rund 40 Jahren steht eine Innenrenovierung an, für die der Wallfahrtsseelsorger Spenden braucht. Einen prominenten Gast für die Jubiläumsfeier hat der Pater schon: Kardinal Marx hat seine Einladung angenommen und wird zur Feier kommen.