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Aichach-Friedberg

30.04.2020

Wie sich junge Menschen aus der Region in der Corona-Krise für andere einsetzen

Der 17-jährige Hannes Warnberger hat mit seinen Computerkenntnissen den Aichacher Maskenschneidern geholfen. Viele Jugendliche engagieren sich in diesen Tagen.
Bild: Marc Müller, dpa (Symbolbild)

Plus Gerade in Krisenzeiten brauchen viele Hilfe. Junge Erwachsene aus der Region engagieren sich in Zeiten von Corona unterschiedlich. Ein paar Beispiele.

Viele junge Menschen engagieren sich während der Corona-Krise. Dabei versuchen sie auf unterschiedliche Art und Weise zu helfen. Der 17-jährige Hannes Warnberger zum Beispiel hat mit seinen Computerkenntnissen den Aichacher Maskenschneidern geholfen. Freiwillige in der Region nähen Atemschutzmasken aus Stoff. Die Masken werden an Organisationen und Privatpersonen gespendet, die sie benötigen. Die Näher haben schon Altenheime, die Sozialstation der Caritas und auch den ambulanten Dienst des Bayerischen Roten Kreuzes versorgt. Außerdem haben sie Hunderte Masken verschenkt.

17-Jähriger erstellt Homepage für Aichacher Maskenschneider

Warnbergers Mutter näht mit und der 17-Jährige hilft, wo er kann. „Ich schneide zum Beispiel Stoffe, mit der Nähmaschine kann ich nicht wirklich umgehen“, sagt Warnberger. Lange waren die Aichacher Näher über WhatsApp-Gruppen organisiert. Das wurde aber mit mehr als 50 Freiwilligen unübersichtlich.

Beim Abendessen in der Familie kam die Idee auf, eine Homepage zu erstellen. Eine, in der beispielsweise Nähanleitungen gesammelt zu finden sind und alles übersichtlich erklärt wird. „Ich bin schon immer relativ affin zu Technik gewesen und hatte 2018 für den Weltjugendtag in Panama auch einen Blog“, erzählt Warnberger. Wenn man die Grundkenntnisse habe, sei eine Homepage relativ schnell erstellt. „Aber man muss die Geduld haben, sich auch mal hinzusetzen, wenn etwas nicht gut funktioniert“, sagt er. Der 17-Jährige baute die Homepage und schnell zeigte sich, die Nachfrage war da: In der ersten Woche gab es bereits mehr als 3000 Aufrufe.

Corona-Krise: Jüngere, die für Ältere einkaufen gehen

Ebenfalls digital will die Evangelische Jugend Aichach-Altomünster ihren Beitrag zur Krisenbewältigung leisten. Mit wöchentlich wechselnden Mottos ist sie auf der Social-Media-Plattform Instagram aktiv und versucht, den Alltag von Gleichaltrigen aufzuheitern. In der ersten Woche empfahl sie Podcasts, Apps und Seiten, um die Langeweile zu Hause zu vertreiben. In der zweiten Woche riefen die Jugendlichen dazu auf, für ältere Menschen in der Umgebung einkaufen zu gehen und meldeten sich auch selbst bei Menschen aus Risikogruppen. In der dritten Woche organisierten sie Spieleabende – natürlich ganz digital.

Eine nicht digitale Hilfe für ihre Mitmenschen leistet Sabine Lang. Die 26-Jährige geht für ihre Großeltern einkaufen. Die gehören zur Risikogruppe und sollen deswegen das Haus möglichst wenig verlassen. „Ich weiß, dass meine Großeltern total dankbar dafür sind. Deswegen dachte ich mir, das könnte ich auch für mehr Menschen tun.“

Sie meldete sich bei der Nachbarschaftshilfe der Aichacher Pfadfinder. Die vermittelte sie an eine Dame, die mit fast 80 Jahren ebenfalls zur Risikogruppe gehört. Ihre Kinder wohnen nicht in der Nähe, deswegen ist sie auf fremde Hilfe angewiesen. Sabine Lang ist ihr jetzt fest zugeteilt. Die Frau hat ihre Nummer und kann sich melden, wenn sie etwas braucht. Außerdem ruft Lang bei ihr an, wenn sie einkaufen gehen will.

Im Moment kauft sie für sich, ihre Großeltern und die Dame aus der Nachbarschaftshilfe ein. Da kommt ein ziemlicher Großeinkauf zustande.

Jede Pflegekraft der Sozialstation Augsburg Hochzoll Friedberg und Umgebung fährt nur in der Schutzmontur zu den Klienten. Dazu gehören der Schutzanzug, der Mundschutz, die Schutzbrille wie auch die Schutzanschuhe. Pflegedienstleitung Ulrike Hopfes hat die Montur hier für das Foto angezogen.
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Bild: Caritas Augsburg/Bernhard Gattner.

Damit niemand denkt, sie betreibt Hamsterkäufe, hat sie ein Schreiben der Stadt Aichach erhalten. Das weist sie als Mitglied der Nachbarschaftshilfe aus. „Dann wissen die Leute, ich kaufe für andere mit ein.“

Kontaktlose Übergabe in Zeiten von Corona

Aber für eine fremde Person einzukaufen, sei nicht so einfach. Oft wisse sie nicht genau, was sie einkaufen muss. „Nur Kaffee bringt mir nicht so viel. Ich weiß ja nicht, hat sie eine Padmaschine? Oder Filterkaffee?“, sagt Lang.

Die Übergabe verläuft kontaktlos. Lang stellt die Einkäufe in den Gang vor die Wohnungstür und die Frau nimmt sie sich kurz darauf. Trotzdem passe sie beim Einkaufen jetzt besonders gut auf, sagt Lang. „Denn wenn sie sich jetzt noch anstecken kann, dann über mich.“ Zusätzlich zu den Einkäufen hat Lang versucht, die Einsamkeit der Dame zu lindern. Da ihre Oma sich auch langweile, sei ihr die Idee gekommen, die beiden telefonisch bekannt zu machen. „Beide waren erst zurückhaltend, aber jetzt wollen sie regelmäßig telefonieren.“

Wie verändert sich die Arbeit von Journalisten in Zeiten des Coronavirus? In einer neuen Folge unseres Podcasts geben wir einen Einblick.

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