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Streitfall

11.07.2018

Wird Augsburgs Flughafen-Gastronomie Fall fürs Gericht?

Ärger gibt es am Augsburger Flughafen mit der Gastronomie. Tagsüber gibt es dort derzeit nicht einmal einen Kaffee.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Der Betreiber kündigt Klage an, weil Konzession für die Bewirtung tagsüber strittig ist. Zu dem Zeitpunkt ist der Geschäftsführer jedoch schon ein anderer.

Die Partys laufen richtig gut. Wenn am Augsburger Flughafen auf der Dachterrasse der Gastronomie gefeiert wird, kommen viele Gäste. Doch während sie Spaß haben, ärgern sich andere. Aus der Nachbarschaft gibt es stets Beschwerden. Die Feier-Saison ist zwar für heuer gelaufen. Der Ärger aber hält an.

Die Events unter freiem Himmel laufen, wie das Stadlfest eines Burschenvereins, über die Kommune. In diesem Fall ist das Affing. Diese muss mit Auflagen die Bedürfnisse von Anwohnern, die Ansprüche der Veranstalter und die Sicherheit der Besucher unter einen Hut bringen. Anspruchsvoll, denn im Fughafennahen Ortsteil Mühlhausen werden die Partys, die seit Mitte Mai gelaufen sind, sehr kritisch gesehen. Zehn Anwohner beschwerten regelmäßig vor allem über Lärmbelästigung. Bürgermeister Markus Winklhofer ist deshalb nicht traurig, dass der Betreiber die Party-Saison für dieses Jahr beendet hat. Er betont zwar, dass eine Versachlichung des Themas mit den Anwohnern gelungen sei. Bis zuletzt aber waren diese unzufrieden. Dabei hatte die Gemeinde schon die Höchstzahl der Gäste von 600 im vergangenen Jahr auf heuer 400 begrenzt und die Auflagen zuletzt verschärft. Insgesamt bezeichnet der Bürgermeister die Zusammenarbeit mit dem Betreiber, der FokusF Event Marketing und Management GmbH, als gut und sachlich. Dennoch habe diese gegen Auflagen verstoßen. So sollte sie die Anwohner vor einem Event informieren, eine Hotline-Nummer hinterlassen und nach 22 Uhr den Lärm drosseln. Das hat zum Teil nicht geklappt. Winklhofer: „Das hat von unserer Seite Konsequenzen.“ Er kündigt Zwangsgelder von 100 oder 200 Euro pro Verstoß an.

Benjamin Jeloucan indes ist sich keiner Schuld bewusst. Unsere Zeitung nimmt am Dienstag Kontakt mit ihm als Geschäftsführer und Inhaber von FokusF auf, ohne zu wissen, dass er diesen Status da schon gar nicht mehr hat. Am Dienstag betont er, sie hätten die Auflagen eingehalten. Die Lärmwerte hätten nur einmal nicht geklappt. Was die Information anbelangt, sagt er: „Anwohner, die sich gemeldet haben, haben wir kontaktiert.“

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Affing: Die Partys am Flughafen sind beliebt

Davon abgesehen zeigte Jeloucan sehr zufrieden. Die Partys seien sehr gut gelaufen. Weil die einen kommen, die anderen gehen, zählte er jeweils 800 bis 900 Gäste. Trotzdem reicht’s ihm vorerst, „weil es so viele Schwierigkeiten gibt“. Aber Jeloucan kündigte an: „Nächstes Jahr machen wir wieder richtig Rambazamba.“ Ihm schweben sogar größere Partys vor. Jeloucan denkt an Umbauten. Genug vom Flughafen hat er also nicht. Das hat seinen Grund. Der Inhaber sagt ganz offen: „Das Geld ist der Reiz. Wir verdienen da sehr viel Geld.“ Am Pachtvertrag mit der Flughafengesellschaft, der Jeloucan zufolge nicht befristet ist, will er festhalten. Jeloucan möchte auch die Tagesgastronomie betreiben. Die liegt derzeit auf Eis. FokusF verfügt über eine voll umfängliche Konzession vom Landratsamt Aichach-Friedberg. Damit würde die gesetzliche Sperrzeit (5 bis 6 Uhr) gelten. Wie berichtet, stimmt die aber nicht überein mit dem Planfeststellungsbeschluss zum Flughafen, der die Gastronomie auf 6 bis 22 Uhr beschränkt. Für Jeloucan ist das unrentabel. Er wirft der Behörde in Aichach vor, „Riesenbockmist“ gebaut zu haben – und fordert eine Lösung. Die sollen nun seine Anwälte finden. „Sie bereiten gerade eine Klage vor“, kündigt Jeloucan an. FokusF habe schließlich 200000 Euro investiert.

Wolfgang Müller, Sprecher des Landratsamts, hatte zuletzt erklärt, die in der Planfeststellung eingeschränkte Konzession sei ein Fakt, der „uns nicht bekannt“ gewesen sei. Aktuell ist das aber aus Sicht der Behörde nicht mehr Kern des Problems. Am Dienstagabend kündigte Müller jedenfalls an: „Die Konzession wird widerrufen.“ Denn was Jeloucan vor Ort betreibe, entspreche keiner Konzession. Die beziehe sich nur auf eine Schank- und Speisenwirtschaft, nicht auf Discobetrieb. Der sei nur ausnahmsweise möglich. Um Ausnahmen handle es sich bei diesen vielen Partys jedoch nicht mehr. Möglich ist laut Müller, eine neue Konzession zu beantragen. Die könnte dann aber nur eingeschränkt erfolgen.

Neuer Geschäftsführer für die Flughafen-Gastronomie

Am Mittwoch erfuhr unsere Zeitung überraschend: Jeloucan war zum Zeitpunkt des Telefoninterviews schon gar nicht mehr Geschäftsführer. Das beweist ein Blick ins Handelsregister im Internet. Dort wurde am 11. Juni um 2.02 Uhr die aktuelle Veränderung vom 10. Juni bekannt gemacht: Demnach ist jetzt der Augsburger Kevin Paruzel alleiniger Geschäftsführer der FokusF Event Marketing und Management GmbH Augsburg. Jeloucan und seine zwei Mitgeschäftsführer sind im Gegenzug ausgeschieden.

Damit von unserer Zeitung konfrontiert, erklärte Jeloucan: „Das ändert nichts an der Sache.“ Nachfolger Paruzel sei ein Bekannter, „er wird das Gleiche vertreten wie wir“. Er und seine Kompagnons hätten sich getrennt und machten nun einen Schlussstrich. Sie hätten gut verdient, wollten nun aber in Frieden leben. Paruzel, der sich gestern noch nicht zur aktuellen Entwicklung äußern wollte, sei sehr engagiert. Er wolle das Tagesgeschäft in der Flughafengaststätte wieder etablieren. Jeloucan versicherte, Paruzel sei über alle Probleme informiert.  Auf die Frage, warum er trotz des Wechsels für die FokusF gesprochen habe, erklärte Jeloucan, es sei im Interesse der bisherigen Geschäftsführer, dass diese weiterlaufe. Denn sie bekämen noch eine größere Ablösesumme von ihrem Nachfolger.

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