Ein "bisserl G'schaftlhuberei" hat er mittlerweile aufgegeben, erzählt er mit der ihm eigenen Selbstironie. Dennoch hat Karl Moser nach wie vor genug zu tun. Es macht ihm einfach Spaß, sich zu engagieren. Bekannt ist er vor allem als Unternehmer (Holzbau Merk) und ehemaliger Stadtrat. Jetzt ist er auch noch Autor geworden. Am Montag wird er 80 Jahre alt.
Seinen runden Geburtstag feiert er mit Ehefrau Christl, mit der er seit 53 Jahren verheiratet ist, seinen beiden erwachsenen Kindern und den beiden Enkeltöchtern, 14 und neun Jahre alt. Ganz sicher werden sie nicht die einzigen Gratulanten sein. Moser ist weithin bekannt und vernetzt. Sich für die Gesellschaft einzubringen, war ihm schon immer wichtig.
Aus Sägewerk wird das innovative Holzbauunternehmen Merk
Nach Aichach kam der gebürtige Münchner und Sohn eines Finanzbeamten im Alter von zwei Jahren: Seine Mutter Lina Moser, eine geborene Merk, führte den 1867 gegründeten Familienbetrieb weiter, ein Sägewerk mit Zimmerei. 1965, nach seinem Studium des Bauingenieurwesens, übernahm Karl Moser den Betrieb mit erst 23 Jahren. Er leitete ihn fast 40 Jahre lang und machte aus ihm ein innovatives Holzbauunternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern. Aufsehen erregte es mit außergewöhnlichen Projekten wie dem Parasol (Sonnenschirm) zur Weltausstellung in Sevilla, der Decke des Olympia-Schwimmstadions in London oder der Holz-Achterbahn im Heide-Park Soltau.
2004 übernahm der finnische Holzproduzent Finnforest, später Metsä Wood, das Unternehmen. Moser blieb Geschäftsführer der Tochter Merk-Project GmbH für Spezialprojekte. Die Insolvenz Ende 2011, nachdem sich die Finnen aus diesem Bereich verabschiedeten, war ein Tiefschlag für Moser. Mit der Vergangenheit zu hadern ist aber nicht seine Art. Er freut sich lieber darüber, dass es mit der Übernahme durch den Baukonzern Züblin weiterging und von der rund 70-köpfigen Belegschaft niemandem gekündigt wurde. "Es werden tolle Aufträge gemacht", stellt er fest.
Moser engagiert sich für die Forschung ebenso wie für die Kirchenmusik
Immer noch engagiert sich Moser in Forschungsverbänden, in der Industrie- und Handelskammer, in Fördervereinen für die Wirtschaftsregion und in Aufsichtsräten, aber auch im Förderverein des Aichacher Krankenhauses, im Rotary-Club und im Verein "Kirchenmusik im Wittelsbacher Land" sowie in zahlreichen weiteren Vereinen. Bei der Kommunalwahl 1972 war er als einer der "vier jungen Wilden" - neben Dieter Heilgemeir, Altbürgermeister Heinrich Hutzler und Horst Thoma - für die CSU in den Stadtrat gewählt worden. 24 Jahre gehörte er ihm an und war dort Feuerwehrreferent. Mit Heilgemeir verbindet Moser auch die gemeinsame Volksschulzeit in Aichach.
An diese Zeit, als halb Aichach sein Spielplatz war, erinnert sich Karl Moser gern. Seine Erlebnisse von damals fasst er in einem Buch zusammen. "Aichacher Lausbubenjahre" soll es heißen und noch in diesem Jahr erscheinen. Es ist nicht sein erstes Buch: Bereits 2020 ist "Holzland" herausgekommen. "Eine Utopie" heißt es im Untertitel. Es erzählt von dem Maschinenbauingenieur Hans Sieberath, der mit Freunden und Familie den perfekten Staat schaffen will: Die Technische Friedensdemokratie Holzland.
Daheim hat er seine eigene "Werft"
Ähnlichkeiten mit ihm selbst sind nicht ganz zufällig. Eigentlich hätte er lieber Maschinenbau studiert, erzählt Moser. Wegen des Familienbetriebs kam es bekanntlich anders. Seinen Hang zum Tüfteln lebt er unter anderem in seiner "Werft" gleich neben seinem Büro aus. Dort baut er Modellschiffe. "Das macht unheimlich Spaß", sagt er. Er fertigt alle Teile selbst an, auch, wenn die Elektronik ihn herausfordert.
Auch auf Reisen geht er gerne mit dem Schiff. Auf die Art war er schon in der Arktis und in der Antarktis. In diesem Jahr soll es, wenn irgend möglich, nach Island gehen. Zeit findet er aber auch für andere Leidenschaften: für Bücher und für die Musik. "Auch da lernt man immer dazu", sagt er. Er führe "ein dranghaftes Leben". Was den Ruhestand für ihn von früheren Jahren unterscheidet, bringt er auf einen kurzen Nenner: "Heute freue ich mich jeden Tag auf den nächsten."