Kantig kommt sie rüber, die Eva Karl Faltermeier. Eine Oberpfälzerin eben. Vor allem aber ist die Nachwuchskabarettistin nicht auf den Mund gefallen. Bei ihrem Auftritt im Aichacher Pfarrzentrum am Freitag lässt sie etwa zwei Stunden lang wahre Sprachlawinen auf das Publikum prasseln. Ein Sprachkurs in der Oberpfälzer Mundart samt Therapiesitzung ist für die rund 170 Zuhörerinnen und Zuhörer inklusive - nicht eben wenig nach einer so langen coronabedingten kabarettlosen Zeit in Aichach.
"Es geht dahi" heißt das erste Soloprogramm der Bayerischen Kabarettpreisträgerin Faltermeier. Darin: unter anderem viel Nebel. Der kann die gebürtige Oberpfälzerin nicht schrecken. Hat sie doch ihre Jugend damit verbracht, den "Nebel zu lesen wie andere den Sonnenstand". Nein, ihre größte Angst seien andere Frauen, verrät Faltermeier dem Publikum. Mit dieser "Angststörung" befasst sich die 39-Jährige ausführlich in ihrem Programm. Falls also jemand im Pfarrzentrum gedacht hat, es werde ein lustiger Abend werden, der bekommt von der Kabarettistin gleich einen Dämpfer: "Das ist natürlich ein großer Denkfehler."
Das Publikum erlebt Faltermeiers "Rushhour des Lebens"
Stattdessen nimmt sie das Publikum in Form einer Therapiesitzung mit auf einen Exkurs in die "Rushhour des Lebens". Faltermeier sinniert über die Jugend in der Oberpfalz in den 1980er-Jahren. Über Ratten, von denen es so viele gab, dass sie "ein extra Taferl beim Umzug" brauchten. Über die karge Umgebung, die so ganz anders ist "als beim Sisi-Schloss in Aichach". Überhaupt Aichach: "Das ist schon ein sehr wagemutiger Ort", stellt die Kabarettistin fest und schiebt die Erklärung gleich hinterher: "Ein SPD-Bürgermeister mitten in Bayern." So etwas wäre in der "schwarzen" Oberpfalz undenkbar.
Weiter geht es mit Faltermeiers Erfahrungen mit Handwerkern. "Sie sind inzwischen so etwas wie die Lehensherren der Gesellschaft, die neuen Wittelsbacher." Um sie zu sich auf die Baustelle zu bekommen, schafft sie für die Arbeiter ein "Rundum-Wohlfühlerlebnis" mit rotem Teppich und Gin. Faltermeiers Monologe wirken so lebensnah, dass man den Eindruck hat, ihr Leben sei die Blaupause für ihr Bühnenprogramm. Sie erzählt von der täglichen Hektik, die Kinder pünktlich im Kindergarten abzuliefern, oder der Katze "Franz 2", die versehentlich in der Waschmaschine gelandet ist. Faltermeier: "Seitdem habe ich ein gestörtes Verhältnis zum Begriff Katzenwäsche."
Bei Faltermeier ist ein Oberpfälzer Sprachkurs inklusive
Auch die scheinbar perfekte Welt auf Instagram nimmt die Kabarettistin aufs Korn. Ein Foto von der Familie, die morgens bei Sonnenaufgang ganz in Weiß durch ein Getreidefeld läuft? In der Oberpfalz würde "der Landwirt einen da mit dem Gewehr verjagen", stellt Faltermeier ganz nüchtern fest. Da bleibt sie doch lieber bei einem anderen Talent der Oberpfälzer: "Die können wahnsinnig schön traurig singen." Das ist einer der Mitnahmeeffekte, den Faltermeier, die unter anderem den Regensburger "Kulturförderpreis 2020" erhalten hat, dem Publikum schon zu Beginn angekündigt hat: "Es ist ein Oberpfälzer Sprachkurs dabei."