Keine Beleuchtung öffentlicher Baudenkmäler mehr. Maximal 19 Grad an öffentlichen Arbeitsstätten. Um der befürchteten Notlage bei der Energieversorgung vorzubeugen, beschloss die Bundesregierung im vergangenen Jahr diverse Energiesparmaßnahmen. Sie laufen an diesem Wochenende aus. Doch manche Kommunen und Pfarreien im Landkreis machen weiter.
Bereits im Juli 2022 beendete die Stadt Aichach die abendliche Beleuchtung historischer Gebäude - anderthalb Monate, bevor die Energiesparverordnung des Bundes in Kraft trat. Obwohl diese nur bis zu diesem Samstag gilt, will die Stadt nicht zum vorherigen Modus zurückkehren.
Aichach verzichtet weiter auf abendliche Beleuchtung öffentlicher Gebäude
Wie Hauptamtsleiterin Aurelija Igel mitteilt, bleibt die abendliche Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden wie dem Rathaus, den beiden Stadttoren oder der Spitalkirche weiterhin aus. Solange in der Stadtverwaltung geheizt werden muss, soll die Raumtemperatur nach wie vor höchstens 19 Grad betragen.
Wie viel Energie die Stadt dadurch bereits gespart hat, ist Igel zufolge nicht bekannt. Lediglich zum Christkindlmarkt gibt es eine genauere Berechnung: Hier seien durch kürzere Beleuchtungszeiten und die Umstellung auf LED-Lampen im Vergleich zu den Vorjahren etwa 70 Prozent Energie weniger verbraucht worden.
Aichacher Stadtpfarrei dreht die Heizung in Kirche und Pfarrbüro runter
Aichachs katholischer Stadtpfarrer Herbert Gugler will beim Energiesparen ebenfalls nicht nachlassen. Der Stromverbrauch für die Beleuchtung in der Kirche sei seit der Umstellung auf LED-Lampen gering. Die Illuminierung von außen erfolge durch die Stadt. Aber die Pfarrei habe die Beleuchtung am Kirchturm um ein Zehntel der Zeit reduziert. In der Weihnachtszeit habe sie auf zwei Christbäume verzichtet. "Es muss nicht immer alles so zugeleuchtet und beheizt werden", sagt Gugler.
Deshalb - und auch angesichts von monatlichen Gaskosten von 1200 Euro - drehte die Stadtpfarrei in diesem Winter die Heizungen runter. Im Pfarrbüro herrscht Gugler zufolge eine Temperatur von 19 Grad. In der Kirche bleibt es seit diesem Winter bei einer Grundtemperatur von acht Grad; vor Gottesdiensten wird nicht mehr auf zwölf Grad geheizt. "Die Leute wissen das und kommen wärmer angezogen. Bisher habe ich keine Klagen gehört", so Gugler. Hinzu komme: "Wir müssen auch das Klima schützen."
Sielenbach lässt die Lichter an Wallfahrtskirche Maria Birnbaum aus
An anderen Gotteshäusern bleiben die Lichter ebenso aus. So schaltete Sielenbach das Flutlicht an der Wallfahrtskirche Maria Birnbaum ab Herbst komplett ab. Nur zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder Ostern wurde die Kirche einige Stunden beleuchtet.Bürgermeister Heinz Geiling sagt: "In Absprache mit der Kirche besteht derzeit kein Änderungsbedarf." Die Wallfahrtskirche sei weit über die Gemeindegrenze bekannt und müsse in den Abendstunden nicht extra beleuchtet werden.
Was die Beleuchtung öffentlicher Gebäude und die Raumtemperaturen angeht, will Friedberg die aktuelle städtische Dienstanweisung bis auf Weiteres aufrechterhalten. Das teilt der städtische Pressesprecher, Frank Büschel, mit. "Demnach bleibt es insbesondere bei der „19-Grad-Regel“ in den Diensträumen (...) und dem grundsätzlichen Heizverbot von Gemeinschaftsflächen, wie zum Beispiel in Eingangsbereichen, Fluren, Toiletten."
Sauna im Friedberger Stadtbad bleibt mindestens bis Herbst außer Betrieb
Im Stadtbad bleibe die Sauna, die seit der Sommerpause 2022 geschlossen ist, "mindestens bis in den Herbst hinein" außer Betrieb. Das führe zu einer Stromeinsparung im Bad von insgesamt 15 bis 20 Prozent. "In unseren Krisen- und Energieverknappungszeiten ist Energie-Einschränkung und Sparen bei der Stadt Friedberg auch künftig angesagt", so Büschel.
Die Strahler etwa am Wittelsbacher Schloss, an der Stadtmauer und den Kirchen werden zunächst weiter abgeschaltet. Büschel kündigt an: "Wir werden in den nächsten Wochen beraten, wo und wie wir künftig die Beleuchtungen wieder hochfahren." Das werde aber sicher nur in reduzierter Form geschehen. Dabei sei auch die Lichtverschmutzung ein Aspekt.
Bund Naturschutz: Tierwelt profitiert von ausgeschalteter Beleuchtung
Das ist ganz im Sinne des Bunds Naturschutz (BN). Dessen Kreisvorsitzender Ernst Haile sagt: "Die Kirchen, die Schlösser und die Rathäuser in unserem Landkreis verlieren nicht an Glanz, wenn die Beleuchtung dauerhaft ausgeschaltet bleibt." Nicht nur aus energetischer Sicht sei das vernünftig.
Denn rund 70 Prozent der in Deutschland vorkommenden Insektenarten sind dem BN zufolge nachtaktiv. Sie fühlen sich vom Licht angezogen, umfliegen künstliche Lichtquellen bis zur völligen Erschöpfung oder werden von den Lampen angesengt. Die erschöpften Tiere fallen oft ihren Fressfeinden zum Opfer. Haile spricht von einem regelrechten "Massensterben".
Online-Vortrag über Modell zur Reduktion öffentlicher Beleuchtung
Der BN-Kreisvorsitzende betont, dass nach den Vorgaben des Volksbegehrens Artenvielfalt die Beleuchtung öffentlicher Bauten zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung abgeschaltet werden solle. Der BN geht einen Schritt weiter: "Wir fordern, alle unnötige Beleuchtung, wo immer es geht, dauerhaft abzuschalten, auch vor 23 Uhr."
Am Montag, 17. April, informieren BN, Forum Zukunft, die Bündnisse Nachhaltiges Friedberg und Nachhaltiges Mering, die Umweltbeauftragten und -referenten aus Aichach, Pöttmes und Mering sowie die Firma Urban Lighting Innovations über ein Modell zur öffentlichen Beleuchtung: Bad Hersfeld möchte drei Viertel der Energie einsparen. Der Online-Vortrag beginnt um 19 Uhr unter https://www.uli.city/workshop.