Es war die erste und einzige Veranstaltung, bei der sich alle sechs Bewerberinnen und Bewerber um das Aichacher Bürgermeisteramt gemeinsam Fragen stellen mussten. Am Mittwoch kamen sie im Jugendzentrum zusammen. Dabei sollte es vor allem um Fragen und Wünsche der Erst- und Zweitwähler gehen. Allerdings machten nicht besonders viele von dem Angebot Gebrauch.
Moderator Marian Hummel erklärte: „Kommunalwahlen sind keine abstrakte Sache, sie bestimmen das Leben vor Ort.“ Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Ingolstädter Universität hob den Kreisjugendring hervor, weil er einen Ort geschaffen habe, an dem junge Stimmen zu hören seien. Tatsächlich waren es mit knapp 15 jungen Leuten nicht allzu viele, die sich Gehör verschaffen wollten.
Warum bewerben sich die drei Frauen und drei Männer fürs Aichacher Bürgermeisteramt?
Gestartet wurde mit einer Vorstellungsrunde der sechs Personen auf dem Podium, bei der die Jugendlichen vor allem wissen wollten, warum sie denn überhaupt kandidieren. „Ich bin vor 44 Jahren in Aichach geboren und will, dass auch nachkommende Generationen es hier genauso schön haben“, erklärte Josef Dußmann von der CSU. Seine Konkurrentin Bettina Stief von der Freien Wählergemeinschaft warb ebenfalls mit ihrer Verbundenheit gegenüber Aichach. Sie wolle die Politik vor Ort vor allem konkretisieren, erklärte sie. Erol Duman vom Bündnis Zukunft Aichach war sichtlich aufgeregt. Für ihn war es die erste öffentliche Vorstellung. „Ich lebe seit 34 Jahren hier, Aichach hat mir viel gegeben, ich möchte etwas zurückgeben“, erklärte er.
Wer das erste Mal wählen geht, muss einiges beachten. Deswegen stand nicht nur die inhaltliche Debatte der verschiedenen Parteiprogramme im Mittelpunkt, sondern auch der Wahlprozess an sich. In einem Quiz wurde spielerisch erklärt, was man auf dem Weg zum Wahlbüro keinesfalls vergessen werden darf, wie viele Stimmen es zu verteilen gibt und was überhaupt kumulieren und panaschieren bedeutet. Anschließend durfte das Publikum Fragen stellen. Unter anderem wollten die Jugendlichen wissen, wie die Kandidierenden dafür sorgen wollen, dass sich die Menschen in Aichach sicher fühlen.
Nicole Matthes von der SPD erklärte: „Es muss vor allem an der Beleuchtung gearbeitet werden und ein besseres Angebot an Sammeltaxis her, damit für alle ein sicherer Heimweg möglich ist. Auch muss verstärkt mit der Polizei zusammengearbeitet werden und es müssen Hilfsangebote sichtbarer gemacht werden.“ Kay Freisenhaus von der AfD sah besonders in den Schulen Nachholbedarf und warb für Deeskalationstrainings zur Konfliktvermeidung. Die Kandidatin der Grünen, Marion Zott, warb vor allem für den Ausbau von Radwegen und sichereren Schulwegen. Nur 40 Sekunden Zeit hatten die Kandidierenden jeweils zur Beantwortung der Fragen, dann wurde gestoppt.
Die Aichacher Jugend fordert mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten
Auch nach den Möglichkeiten für mehr Mitbestimmung von Jugendlichen wurde gefragt. Zott betonte, dass bereits 2016 ein Antrag für ein Jugendparlament gestellt worden sei, dieser aber nicht genehmigt wurde. Einen erneuten Versuch für ein Aichacher Jugendparlament begrüßt sie. Duman warb besonders für eine Homepage, auf der Jugendliche Wünsche und Anregungen äußern können. Dußmann, der selbst als Realschullehrer arbeitet, möchte der Jugend vor allem mehr zuhören: „Ich bin mit allen weiterführenden Schulen im Kontakt und mache mich auch für einen Jugendbeirat stark.“ Stief warb auch für ihre eigenen Fraktionssitzungen, die immer offen für Jugendliche seien. Matthes hingegen möchte mehr pädagogisches Personal und ein Budget für junge Menschen.
Auch das Ehrenamt interessierte viele Anwesende. Während FWG-Bewerberin Stief für Bürokratieabbau warb, um ehrenamtliche Arbeit stärker zu fördern, machte Dußmann deutlich: „Bürokratieabbau klingt immer super, aber die Kommune hat da nur wenig Spielraum. Wichtiger ist, dass Vereine mehr Geld bekommen.“ Mehr Geld und Räumlichkeiten für Vereine möchte Matthes zur Verfügung stellen, Freisenhaus hingegen mehr Anreize für das Ehrenamt setzen. Bei der konkreten Nachfrage, was das genau bedeuten soll, kam er ins Straucheln. „Ich habe gehört, es fehlt in Aichach wohl ein Raum für Vereine, da möchte ich ansetzen“, erklärte er.
Nach der Fragerunde ging es in entspannter Atmosphäre über zum gemeinsamen Pizzaessen und direkten Gesprächen. Moderator Hummel motivierte die Jugendlichen, die Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen und weitere Fragen zu stellen. Die 17-jährige Julia Maletzky und ihre Freundin Zuzzana Malisz hatten vor allem die Frauen überzeugt. „Insgesamt gab es jetzt keine großen Überraschungen bei den Antworten, es wurde meistens jeweils das gesagt, was wir auch erwartet haben. Es war aber mega interessant, direkt nachfragen zu können“, erklärten sie.
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