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Darum kandidieren Menschen im Wittelsbacher Land für den Pfarrgemeinderat

Aichach-Friedberg

Am 1. März ist Pfarrgemeinderatswahl: Darum kandidieren Menschen aus der Region

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    Katharina Neumeir aus Ried möchte im Pfarrgemeinderat vor allem als Sprachrohr der Jungen wirken. Hier bejubelt sie (dritte stehende Person von rechts) im letzten Jahr den Erfolg der ,,Missionarischen Tage" in der Pfarreiengemeinschaft.
    Katharina Neumeir aus Ried möchte im Pfarrgemeinderat vor allem als Sprachrohr der Jungen wirken. Hier bejubelt sie (dritte stehende Person von rechts) im letzten Jahr den Erfolg der ,,Missionarischen Tage" in der Pfarreiengemeinschaft. Foto: Barbara Resele (PG Baindlkirch)

    Seit 1994 singt Christina Thurner-Toetz im Kirchenchor Obergriesbach. „Vor den letzten Wahlen 2022 hieß es dann, es wäre gut, wenn von uns jemand im Pfarrgemeinderat sitzt wegen der Vernetzung.“ Also kandidierte sie und wurde Mitglied in dem Gremium: „Unsere Sitzungen beginnen meistens mit einem kurzen Gebet. Ansonsten ist es wie eine Sitzung anderswo auch: Wir besprechen, was so in der nächsten Zeit ansteht.“ Thurner-Toetz wird am 1. März wieder kandidieren: Da wählen katholische Pfarreien in ganz Bayern neue Pfarrgemeinderäte. Doch immer weniger stellen sich für ein solches Gremium zur Verfügung. Was treibt diejenigen an, die sich engagieren? Und was macht der Pfarrgemeinderat genau?

    Pfarrgemeinderat als beratendes Gremium für pastorale Angelegenheiten

    Stefan Gast ist Pfarrer in Inchenhofen und außerdem Dekan des Dekanats Aichach-Friedberg, das sich nahezu mit den Landkreisgrenzen deckt. Er erklärt das Vorgehen bei der Kandidatensuche: „Bis 28. Dezember konnten in den jeweiligen Pfarreien Vorschläge gemacht werden. Einen Monat vor der Wahl, also am 1. Februar, muss die endgültige Liste ausgehängt werden.“

    Die zuständige Gemeindeentwicklerin des Bistums Augsburg, Christine Falke, schildert das Wahlprozedere: „Es muss am 1. März ein Wahllokal geben. Wenn der Wahlausschuss das festgelegt hat, gibt es auch die Möglichkeit der Briefwahl.“ Eine Online-Wahl, wie sie im Bistum München und damit auch in Sielenbach abgehalten wird, gibt es in der Diözese Augsburg nicht. Gast sagt: „Es wird oft mehr Demokratie in der Kirche gefordert, hier ist jetzt die Möglichkeit!“

    Was ist die Aufgabe eines Pfarrgemeinderats? „Die Kirchenverwaltung kümmert sich eher um Finanzen und Gebäude“, erklärt Gast, „Pfarrgemeinderäte erörtern pastorale Fragen: Welche Angebote braucht es in der Seelsorge? Wie können etwa verschiedene Altersgruppen angesprochen werden?“ Falke konkretisiert: „Die Entscheidungen einer Kirchenverwaltung, in der auch der Pfarrer nur eine Stimme hat, sind bindend, ein Pfarrgemeinderat ist eher beratend.“ Thurner-Toetz berichtet von einigen Aktionen, die sie mit geplant hat: „Wir organisieren zum Beispiel das Binden der Palmbuschen für Palmsonntag, außerdem das Annafest, das Ende Juli quasi unser Pfarrfest ist.“ Oder die Klangnacht.

    Sie kam über die Musik zum Pfarrgemeinderat: Christina Thurner-Toetz stellt sich in Obergriesbach zum zweiten Mal zur Wahl.
    Sie kam über die Musik zum Pfarrgemeinderat: Christina Thurner-Toetz stellt sich in Obergriesbach zum zweiten Mal zur Wahl. Foto: Christina Thurner-Toetz (privat)

    Bei solchen Aktionen ließen sich auch ohne Probleme zusätzliche Helfer aktivieren. Falke findet das wichtig: „Wir müssen als Kirche auch Punkte schaffen, wo sich Leute für kürzere Zeiträume einbringen: Egal ob das ganze Jahr oder einen Tag im Jahr, jedes Engagement hilft.“ Bisher ließen sich auch meistens die Gremien noch besetzen, doch selten gebe es mehr Kandidierende, als letztlich ohnehin gewählt werden. Falke macht hierfür gesellschaftliche Umbrüche verantwortlich: „Früher waren Mütter oft zu Hause, heute arbeiten beide Elternteile – auch in anderen Bereichen, etwa Vereinen, fehlen dadurch inzwischen oft die Leute.“ Auch in Obergriesbach kandidieren aus 24 Vorschlägen letztendlich nur vier Personen. Thurner-Toetz: „Aber immerhin werden zwei Neue dabei sein. Wenn die neue Impulse geben, sind wir offen dafür.“

    Genau dafür, für „frischen Wind“, wie sie es ausdrückt, hat sich Katharina Neumeir aus Ried bereit erklärt, zu kandidieren. Die 24-Jährige wurde zuletzt nach 15 Jahren aus dem Ministrantendienst verabschiedet. „Da war es so ein bisschen die Entlassungsbedingung, dass ich mich für den Pfarrgemeinderat zur Verfügung stelle“, erzählt sie lachend. Doch sie sagte gerne zu: „Es macht Sinn, wenn ein Mensch in meinem Alter vertreten ist, der einfach noch einen guten Kontakt in die Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat.“ Die „Missionarischen Tage“ in der Pfarreiengemeinschaft im vergangenen Jahr hätten gezeigt, dass andere Formen der Gottesdienstgestaltung auch Menschen aktivieren, die sonst nicht in die Kirche gehen: „Ich habe das als Oberministrantin oft gesehen: Die Teens ministrieren, bis sie 16 sind oder so, und dann brechen sie weg. Man muss nicht die ganze Liturgie umwerfen, aber ich will, dass es regelmäßig Angebote für diese Zielgruppe gibt.“

    Kandidaten aus Aichach-Friedberg möchten Miteinander gestalten

    Warum engagiert sich Neumeir sich als junger Mensch in der Kirche? „Ja, die Kirche hat nicht den besten Ruf, und ich werde vom kleinen Ried aus nicht die Weltkirche verändern.“ Aber zumindest im Kleinen könne Kirche für junge Menschen ein Ort sein, den sie dringend brauchen: „Auf Social Media wird einem immer gesagt, was man an sich selbst ändern soll. Kirche ist, wenn man es ansprechend macht, ein Safespace (ein „sicherer Ort“; Anm. d. Red.), in dem du gut bist, wie du bist.“ Ähnlich sieht es Gemeindeentwicklerin Falke: „Menschen ein Zuhause geben, das ist für mich die Aufgabe des Pfarrgemeinderats.“ Und Thurner-Toetz motiviert es, sich lokal einzubringen: „Ich kann das Miteinander, das Kirchen- und Dorfleben, gestalten.“

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