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Die Stadt Aichach baut eine neue Kläranlage: Sie rechnet mit Kosten von 30 Millionen Euro

Aichach/Sielenbach/Obergriesbach

Neubau statt Sanierung: Aichach baut Kläranlage für 30 Millionen Euro

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    Die Stadt Aichach baut eine neue, größere Kläranlage. Sie soll direkt neben der bestehenden Kläranlage entstehen, die zwar noch gut funktioniert, aber stark belastet ist. Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 30 Millionen Euro. Das Foto wurde im August 2025 aufgenommen.
    Die Stadt Aichach baut eine neue, größere Kläranlage. Sie soll direkt neben der bestehenden Kläranlage entstehen, die zwar noch gut funktioniert, aber stark belastet ist. Die Stadt rechnet mit Kosten von rund 30 Millionen Euro. Das Foto wurde im August 2025 aufgenommen. Foto: Erich Echter

    Die Aichacher Kläranlage ist in die Jahre gekommen. Sie wurde ursprünglich 1965 gebaut. Zwar sind wesentliche Teile noch in Betrieb. Doch die Anlage, an die auch Sielenbach und Obergriesbach angeschlossen sind, arbeitet über der Belastungsgrenze. Eine Zustandsbewertung ergab dringenden Handlungsbedarf. Der Stadtrat beschloss daher am Donnerstag, eine neue Kläranlage zu bauen. Auf die drei Kommunen und ihre Bürger, auf die die Kosten letztlich umgelegt werden, kommen enorme Summen zu.

    Aichachs Bauamtsleiterin Carola Küspert geht von Kosten von etwa 30 Millionen Euro für den Neubau aus, basierend auf Kennwerten vergleichbarer Projekte. Das Bauamt hatte errechnet, dass eine Sanierung der bestehenden Anlage – ohne Planungskosten – ebenfalls auf 30 Millionen Euro käme.

    Neue Aichacher Kläranlage soll neben der bestehenden Anlage gebaut werden

    Das Bauamt empfahl daher einen Neubau. Auch, weil die Stadt mit dem Nachbargrundstück über einen geeigneten Platz verfügt. Küspert erklärte: „Wir könnten in Ruhe den Neubau machen. Während einer Sanierung die Kläranlage am Laufen zu halten, ist eine wahnsinnige Herausforderung.“ Zudem könne die bestehende Anlage weiter als Zulaufpuffer genutzt werden, Belastungsspitzen könnten besser abgefangen werden.

    Dass etwas geschehen muss, ist lange klar. 2021 hatte der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, sich über eine Sanierung und Erweiterung Gedanken zu machen. Seitdem wurde geprüft, getüftelt und gerechnet.

    Jetzige Kläranlage in Aichach ist sehr hoch belastet

    Der Stadtrat beschloss am Donnerstag auch, dass die neue Kläranlage größer ausfallen wird. Die jetzige ist auf 37.500 Einwohnerwerte ausgelegt. Ihr Einzugsgebiet umfasst neben Aichach die Gastgemeinden Obergriesbach und Sielenbach. Daniel Schulz und Stefan Asam, Zweiter und Dritter Bürgermeister von Obergriesbach, sowie der Sielenbacher Rathauschef Heinz Geiling und sein Stellvertreter Franz Moser verfolgten die Sitzung als Zuhörer. Die Kläranlage ist „bereits heute sehr hoch belastet“, wie Küspert deutlich machte. Die Belastungen überschritten die genehmigte Ausbaugröße deutlich.

    Betriebsdaten zeigten, dass das insbesondere an hohen Zulauffrachten liegt, die durch Spülstöße bei starken Regenfällen entstehen. Sie würden durch das lange Kanalnetz begünstigt und lägen deutlich über den Werten, die angesichts der angeschlossenen Einwohner und Gewerbebetriebe rechnerisch zu erwarten wären, so Küspert. Zwar halte die Anlage alle Werte ein, weil sie gut funktioniere und das dortige Team gute Arbeit leiste.

    Die künftige Aichacher Kläranlage wird deutlich größer ausfallen

    Dennoch hätte eine Bestandssanierung nicht gereicht. „Eine Erhöhung der Ausbaugröße ist zwingend erforderlich.“ Die neue Anlage wird daher auf 49.500 Einwohnerwerte ausgelegt. So liegt sie knapp unter der Schwelle von 50.000, ab der höhere Auflagen gelten.

    Das Bauamt hatte zudem durchrechnen lassen, was eine vierte Reinigungsstufe zur Entkeimung und Entfernung von Mikroschadstoffen kosten würde. Sie ist erst ab 150.000 Einwohnerwerten vorgeschrieben, könnte langfristig aber auch für kleinere Anlagen Pflicht werden. Aufgrund der Kosten von neun Millionen Euro verzichtet die Stadt vorerst darauf. „Wir planen aber so, dass man sie nachrüsten könnte“, so Küspert.

    Aichach und angeschlossene Gemeinden müssen neue Kläranlage komplett selbst bezahlen

    Raymund Aigner (CSU) wäre die vierte Reinigungsstufe lieber gleich angegangen, sonst werde es nur teuer. Magdalena Federlin (Grüne) plädierte ebenfalls dafür. Georg Robert Jung (FWG) wandte ein, dass sie umso früher wieder erneuert werden müsste. Um die Abwasserbeseitigungskosten niedrig zu halten, forderte er, das zu machen, was nötig sei, aber nicht mehr.

    Es blieb dabei: Über die vierte Reinigungsstufe wurde am Donnerstag nicht entschieden. Die Kosten sind auch ohne sie enorm. Denn die Stadt und die angeschlossenen Gemeinden werden die 30 Millionen Euro komplett selbst finanzieren müssen. Da Aichach mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, kann die Stadt nicht auf Fördergelder nach den Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben (RZWas) hoffen. Zum Ärger von Bürgermeister Klaus Habermann (SPD), der das als unverständlich kritisierte.

    Kosten für die neue Aichacher Kläranlage werden auf die Gebührenzahler umgelegt

    Erol Duman (BZA) bemängelte, dass es fünf Jahre bis zum jetzigen Grundsatzbeschluss gedauert habe. Dritte Bürgermeisterin Brigitte Neumaier (SPD) hielt ihm entgegen: „Das ist eine Rieseninvestition, die kann man nicht übers Knie brechen.“ Stefan Meitinger (CSU) forderte darzustellen, wie sich all das auf die Gebührenzahler auswirke. Sie werden das Projekt zu bezahlen haben, denn Kommunen müssen bei Wasser und Abwasser kostendeckend arbeiten.

    Noch gibt es Habermann zufolge aber viel zu klären: etwa, ob der Neubau über den Haushalt abgewickelt wird, ein Zweckverband oder ein Kommunalunternehmen gegründet wird. Lothar Bahn (FWG), Referent für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, begrüßte den Grundsatzbeschluss. Die Finanzfrage müsse in der nächsten Legislatur entschieden werden.

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