Elf Windräder stehen derzeit im Landkreis Aichach-Friedberg. Auf Kühbacher Flur und im Ebenrieder Forst bei Pöttmes sind bereits weitere Anlagen geplant. Sollen es noch mehr werden? Katrin Müllegger-Steiger (Grüne) und Klaus Habermann (SPD) befürworten dies. Nach dem Scheitern der Nachhaltigkeitsstrategie des Landkreises 2024, bei der es unter anderem um Bildung, Mobilität und Klimafolgenanpassung ging, ist der Landkreis bei Wirtschaftsförderung, Energieversorgung und Umweltschutz gefragt.
Landratsamt soll bei Energiewende als Koordinator wirken
Bei der Podiumsdiskussion der Landratskandidatin und den -kandidaten im Dasinger Bauernmarkt betonte Habermann die Führungsverantwortung des Landkreises bei Klimaschutz und Stromerzeugung. Die Umsetzung, so sah es auch Marc Sturm (Freie Wähler), sei die Aufgabe der 24 Städte und Gemeinden. Habermann sieht die Region auf einem guten Weg: „Wir tun da, was wir können, und brauchen uns nicht zu verstecken.“ Müllegger-Steiger räumte ein, dass das Ende der Nachhaltigkeitsstrategie ein Rückschlag für die Grünen gewesen sei. Dabei sei der regionale Nutzen für die Wertschöpfung nicht zu missachten: „Jeder Euro, den wir hier mit erneuerbaren Energien gewinnen, bleibt auch bei uns.“
Sturm sieht das Landratsamt vor allem als Schnittstelle für Vernetzung und Koordination – und als staatliche Genehmigungsbehörde, die transparent und zügig arbeiten müsse. Peter Tomaschko (CSU) sieht wenig Verbesserungsbedarf in der Vernetzung zwischen Landratsamt, Kommunen und Bürgern. Mit Initiativen wie Paartal-Energie, Biomasse und dem Technologie-Transfer-Zentrum seien wichtige Bausteine bereits vorhanden. Seine Linie: „Wir müssen überall nach Möglichkeiten und Fördertöpfen schauen. Alleine geht es nicht, aber im Netzwerk können wir unsere Firmen, Vereine und Bürger nach vorn bringen.“
Habermann warnte vor Symbolpolitik und davor, dass sich die Verwaltung selbst ausbremse. Eine Photovoltaik-Offensive fruchte nicht, meinte der 72-Jährige, wenn Einwände der Unteren Naturschutzbehörde sie beschneiden. Müllegger-Steiger hielt dagegen: „Ich bin dem Landratsamt sehr dankbar, dass die auf die Biodiversität schauen und wir brauchen diese Kontrollbehörde.“
ÖPNV im Landkreis Aichach-Friedberg soll flexibler werden
Einig waren sich alle, dass der Landkreis bei der Optimierung des ÖPNV-Angebots gefordert sei. Strukturelle Unterschiede im nördlichen und südlichen Landkreis müssten bei den Plänen zur Art des Angebots und Taktung stärker berücksichtigt werden. Flexibilität sei gefragt. Sturm sagte: „In ländlichen Kommunen wird man keine festen Touren anbieten können.“ Die Nachfrage sei zu gering. Das treffe etwa auf Aindling, Pöttmes und Umgebung zu.
Müllegger-Steiger kritisierte, dass die Finanzierung beim ÖPNV schneller wackele als im Straßenbau. Sie vermisse die Berücksichtigung des sozialen Aspekts: „Es ist der Zugang für viele zu Arbeit, Schule und sozialem Leben.“ Tomaschko stimmte dem zu: „Mobilität ist Lebensqualität. Wir müssen alles dafür tun, dass wir einen leistungsfähigen, aber auch bezahlbaren ÖPNV haben.“ Die Fusion mit dem MVV sei ein wichtiger Schritt, aber nicht die Lösung, waren sich alle einig.
Tomaschko verwies auf die Einrichtung des Bestellverkehrs: „Wir werden innerhalb von fünf Jahren den AktiVVo ausrollen.“ Statt starrer Fahrpläne gibt es dann bei Bedarf auf Anruf oder via App einen Bus-Transport, der das Angebot auf bestehenden Routen ergänzt. Habermann sieht noch Klärungsbedarf, was die Ausgestaltung der AVV-MVV-Fusion anbelangt. Eine einmalige Förderung von sechs Millionen Euro durch den Freistaat sei lediglich für die Übergangsphase bestimmt. Für die Fahrgäste erwarten alle Kandidatinnen und Kandidaten eine Verbesserung.
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