Bei einem gesundheitlichen Notfall hilflos danebenstehen und nicht oder kaum helfen können: Freiwillige der Feuerwehr Affing wollten eine solche Situation nicht wieder erleben. Als lokale Retter waren sie sehr häufig schneller vor Ort als Rettungsdienst oder Notarzt. Doch „wir kamen zu Einsätzen, bei denen wir medizinisch an unsere Grenzen gestoßen sind“, blickt Christian Dietrich zurück. Der 39-jährige Familienvater hat deshalb die First-Responder-Einheit in Affing initiiert. Sie ist seit Juli vergangenen Jahres aktiv – und stark gefordert.
Aktive der Affinger Wehr erlebten, dass bei Einsätzen mit gesundheitlichem Hintergrund die reguläre feuerwehrtechnische Ausbildung nicht ausreicht. Die Verantwortlichen folgerten daraus: Es ist nötig, sich deutlich intensiver mit der qualifizierten Erstversorgung zu befassen. Aus diesen Überlegungen heraus entstanden schließlich die First Responder. Diese kommen ins Spiel, wenn jede Minute zählt. Es handelt sich um speziell ausgebildete Ersthelferinnen und -helfer. Sie werden zusätzlich alarmiert, wenn sie schneller am Einsatzort sein können als Rettungswagen oder Notarzt. Ihre Aufgabe ist es, die Zeit bis zum Eintreffen der professionellen Rettungskräfte zu überbrücken und bereits frühzeitig lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.
Ein Viertel der Affinger First Responder sind Frauen
Der Weg zum Einsatz beginnt in der Integrierten Leitstelle. Die Fachleute dort prüfen bei jedem Notruf, ob neben Rettungsdienst und gegebenenfalls Notarzt auch ein First Responder sinnvoll ist. Entscheidend ist dabei der Zeitvorteil. Dietrich erklärt: „Liegt er bei mehr als zwei Minuten, kann die Einheit zusätzlich alarmiert werden.“ Die First Responder rücken vom Affinger Feuerwehrstützpunkt mit einem entsprechend ausgestatteten Mehrzweckfahrzeug aus.
Getragen wird der Dienst von ehrenamtlichem Engagement. In Affing sind es derzeit 28 ausgebildete Frauen und Männer, die eine Doppelfunktion ausüben: Sie sind sowohl bei der Feuerwehr als auch beim First-Responder-Dienst aktiv. Rund ein Viertel der Aktiven sind Frauen. Unterstützt wird Dietrich von seinen beiden Stellvertretern Thomas Eichmayr und Georg Hartl.
Grundlage für den Einsatz ist eine intensive Ausbildung mit 85 Unterrichtseinheiten. Sie bereitet die Teilnehmenden darauf
vor, Notfallsituationen richtig einzuschätzen, Maßnahmen der Erstversorgung sicher durchzuführen und strukturiert an den Rettungsdienst zu übergeben. Entsprechend vielfältig ist das Einsatzspektrum. Viele Alarmierungen führen in den häuslichen Bereich, andere an Arbeitsplätze oder in den öffentlichen Raum – zu älteren Menschen ebenso wie zu Kindern.
Schon 16 Einsätze in den ersten Wochen des neuen Jahres
Wie stark die Einheit im Raum Affing gefordert ist, zeigen die Zahlen: Allein im laufenden Jahr 2026 wurden bis Mitte Januar bereits 16 Einsätze gefahren. 2025 waren es in den sechs Monaten seit Bestehen insgesamt 90 Alarmierungen. Das zeigt deutlich, dass das Engagement wichtig und kein bloßer Einzelfall ist. Sämtliche Einsätze erfolgen ehrenamtlich – zusätzlich zum Feuerwehrdienst und zum regulären Berufsalltag der Beteiligten. Die Einsatzbilanz belegt, dass das System zuverlässig funktioniert. Die Ausrückquote liegt bei 100 Prozent. Dietrich betont: „Bislang hat es immer ausreichend verfügbare Kräfte gegeben.“ Belastend seien vor allem Einsätze mit Todesfällen oder mit Kindern, auch wenn diese zum Glück selten seien. Wichtig sei deshalb der Rückhalt innerhalb des Teams sowie die Möglichkeit, auf Angebote der psychosozialen Notfallversorgung zurückzugreifen.
Das ist der größte Wunsch der First Responder Affing
Ein zentrales Thema bleibt die Finanzierung. Für den First-Responder-Dienst gibt es keinerlei staatliche Zuschüsse. Ausrüstung, Verbrauchsmaterial und zusätzliche Ausstattung müssen vollständig über Spenden finanziert werden. Sie kommen von Firmen, Vereinen und Privatpersonen. Zwar übernimmt die Gemeinde auf freiwilliger Basis die Kursgebühren für die Ausbildung, alle weiteren Kosten tragen die First Responder selbst. „Wir bekommen für unsere Arbeit kein Geld. Alles, was wir brauchen, basiert auf Spenden“, sagt Dietrich. Sein größter Wunsch bleibt ein eigenes First-Responder-Fahrzeug.
Hinzu kommt ein grundlegender Unterschied zum Feuerwehrdienst: Dieser ist eine kommunale Pflichtaufgabe, und Einsatzzeiten sind grundsätzlich abgesichert. Das gilt für den First-Responder-Dienst nicht. Ob Einsätze während der Arbeitszeit ausgeglichen werden, hängt allein vom jeweiligen Arbeitgeber ab.
Das hält die Freiwilligen nicht ab. In diesem Jahr ist erneut ein Ausbildungskurs geplant. Interessierte müssen dafür nicht zwingend Mitglied der Feuerwehr sein. „Jeder, der sich einbringen will, ist herzlich willkommen“, betont der 39-Jährige.
Informationen: www.feuerwehr-affing.de
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